In Deutschland zeigt der Verbrauch von Zement Ende Juni 2026 die Tiefe der Baukrise besonders deutlich. Laut Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden liegt der Zementverbrauch rund 30 Prozent unter dem Niveau von 2020. Außerdem sieht der Verband Deutschland und Frankreich bei diesem Baustoff wieder auf einem Stand wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Auslöser sind hohe Finanzierungskosten, gestiegene Baupreise, teure Baunebenkosten und schwache Investitionen. Deshalb geraten Zementwerke, Betonhersteller, Rohstoffbetriebe und Bauunternehmen gleichzeitig unter Druck.
Zement wird zum Maßstab der Baukrise
BBS-Präsident Dominik von Achten beschreibt die Lage mit ungewöhnlicher Schärfe. „Der Zementverbrauch in Deutschland liegt derzeit rund 30 Prozent unter dem Niveau von 2020. Das ist keine Stagnation mehr, das ist Rezession.“ Zement zeigt jedoch früh, ob Wohnungen, Hallen, Brücken, Tunnel und Fundamente tatsächlich gebaut werden.

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Wenn weniger Zement abfließt, entstehen weniger Rohbauten und weniger Infrastruktur. Deshalb betrifft der Einbruch nicht nur einzelne Werke. Er zeigt vielmehr, dass vorhandener Bedarf kaum noch in konkrete Aufträge mündet. Außerdem laufen in der Baustoffindustrie hohe Fixkosten weiter, obwohl die Auslastung sinkt.
Wohnungsbau bleibt weit unter dem Bedarf
Der Wohnungsbau liefert bisher kaum Entlastung. Von Achten sagt dazu: „Der Wohnungsbau liegt nach wie vor danieder.“ Destatis meldete für 2025 nur 206.600 fertiggestellte Wohnungen. Das waren 18 Prozent weniger als 2024. Deshalb entfernt sich Deutschland weiter vom Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr.
Bei den Genehmigungen gibt es jedoch eine erste Erholung. Von Januar bis April 2026 genehmigten die Behörden 83.700 Wohnungen. Das waren 13,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Trotzdem entsteht daraus nicht sofort Bautätigkeit. Zwischen Genehmigung, Finanzierung und Baubeginn liegen oft Monate.
Hochbau verliert, Tiefbau reicht nicht aus
Die aktuellen Auftragsdaten bestätigen die Spaltung am Bau. Im April 2026 blieb der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe gegenüber März insgesamt unverändert. Allerdings sank der Hochbau im Monatsvergleich um 6,7 Prozent. Gegenüber April 2025 lag der Hochbau außerdem 6,5 Prozent niedriger.
Der Tiefbau entwickelte sich dagegen besser. Dort stiegen die Aufträge im Monatsvergleich um 6,5 Prozent und im Jahresvergleich um 7,4 Prozent. Dennoch reicht dieser Bereich bisher nicht aus, um die Baustoffindustrie breit zu stabilisieren. Denn Zement, Kies, Sand und Beton hängen zugleich am Wohnungsbau, am Wirtschaftsbau und an öffentlicher Infrastruktur.
Sondervermögen kommt kaum auf Baustellen an
Die Branche setzt auf das Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes. Bisher kommen die angekündigten Mittel jedoch kaum in neuen Projekten an. Der BBS hat seine Prognose für 2026 deshalb von zwei Prozent Wachstum auf Stagnation gesenkt. Von Achten nennt einen langen Winter, geopolitische Unsicherheit und ausbleibende Reformen als Gründe.
Die Krise trifft eine große heimische Grundstoffbranche. Der BBS verweist auf 140.000 Beschäftigte, 6.000 Betriebe und 38 Milliarden Euro Jahresumsatz. Deshalb geht es nicht nur um Wohnungen und Brücken. Es geht außerdem um Industriearbeitsplätze, Rohstoffversorgung und die Frage, ob Deutschland seine Infrastruktur tatsächlich erneuern kann.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Die Presse (28.06.26) – Welt (27.06.26) – Schüttgut (25.06.26) – BBS (Stand: 29.06.26) – Statistisches Bundesamt (25.06.26)
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