Nickel für Elektroauto-Batterien: Neue Studien zeigen Umweltschäden bis ins Meer

Neue Studien aus dem Jahr 2026 zeigen erhebliche Umweltfolgen der Gewinnung von Nickel in tropischen Regionen. Das Elektroauto verursacht im Betrieb keine lokalen Abgase, doch seine Batterie benötigt je nach Zellchemie große Mengen Nickel. Der steigende Batteriebedarf erhöht deshalb die Nachfrage und verstärkt den Abbaudruck auf tropische Lagerstätten. Dabei entstehen Emissionen durch Förderung, Transport und Verarbeitung. Außerdem belasten Rodung, Bodenerosion und Bergbaurückstände Wälder, Flüsse und Küstengewässer. Die Folgen treffen Fischerei, Artenvielfalt und Anwohner der Fördergebiete.


Nickelabbau verändert Küstenökosysteme dauerhaft

Forscher rekonstruierten in Neukaledonien rund 1.000 Jahre Umweltgeschichte anhand eines Sedimentkerns. Der Abbau begann dort 1875 und erhöhte anschließend den Eintrag von erodiertem Gestein. Die Mechanisierung ab den 1960er-Jahren verstärkte die Bodenerosion jedoch nochmals deutlich. Dadurch gelangten mehr Sedimente und Metalle über den Thio-Fluss in die Küstengewässer. Gleichzeitig veränderte sich die Zusammensetzung verschiedener Mikroorganismen und Foraminiferen.

Der steigende Batteriebedarf treibt den Abbau von Nickel in Tropenregionen voran. Förderung verursacht Emissionen und Umweltschäden
Der steigende Batteriebedarf treibt den Abbau von Nickel in Tropenregionen voran. Förderung verursacht Emissionen und Umweltschäden – Bild: Shutterstock

Umweltvorschriften reduzierten nach 1975 den Eintrag nickelreicher Sedimente. Die untersuchten Lebensgemeinschaften kehrten jedoch nicht vollständig zu ihrem früheren Zustand zurück. Die Studie führt diese dauerhaften Veränderungen auf die vorausgegangene Intensivierung des Bergbaus zurück. Sie zeigt deshalb, dass Umweltschäden nicht auf das eigentliche Minengelände begrenzt bleiben. Flüsse transportieren die Folgen vielmehr bis in Küsten- und Meeresgebiete.

Tropische Nickel-Lagerstätten geraten stärker in den Fokus

Eine weitere Studie modellierte die weltweite Versorgung bis 2050. Demnach könnten tropische Lateritvorkommen 78 bis 83 Prozent des modellierten Angebots liefern. Diese Vorkommen liegen häufig dicht unter tropischen Wäldern. Ihre Erschließung erfordert deshalb Rodungen und großflächigen Tagebau. Rund die Hälfte der Förderung könnte besonders wichtige Gebiete für Artenvielfalt und Kohlenstoffspeicherung beeinträchtigen.

Zudem könnten 53 bis 60 Prozent der künftigen Förderung aus küstennahen Minen stammen. Dafür müssten laut Modell 7,4 bis 8,4 Milliarden Tonnen Erz bewegt werden. Die Verarbeitung erzeugt deshalb Milliarden Tonnen Abraum und andere Rückstände. Erosion oder undichte Rückhaltebecken können Schadstoffe anschließend in Flüsse und Meere eintragen. Dadurch steigen die Gefahren für Küstenökosysteme, Fischerei und umliegende Gemeinden.


Batteriechemie beeinflusst Rohstoffbedarf und Emissionen

Der weltweite Einsatz von Elektroauto-Batterien stieg 2025 auf rund 1,2 Terawattstunden. Das entsprach einem Zuwachs von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum der Elektromobilität erhöhte deshalb den Bedarf an Lithium, Graphit und weiteren Batterierohstoffen. Allerdings enthielten bereits mehr als 55 Prozent der eingesetzten Akkus kein Nickel oder Kobalt. Diese LFP-Batterien begrenzen somit den zusätzlichen Bedarf an diesen beiden Metallen.

Außerhalb Chinas nutzten 2025 jedoch fast 80 Prozent der Elektroauto-Batterien weiterhin nickelhaltige Zellchemien. Ein neues Gewinnungsverfahren könnte die Umweltbilanz solcher Lieferketten künftig verbessern. Es arbeitet bei weniger als 950 Grad Celsius und bindet Schwefel in festen Verbindungen. Dadurch entsteht bei diesem Prozess kein Schwefeldioxid. Die Forscher testeten das Verfahren bisher jedoch nur bis zum Maßstab einer Mini-Anlage. Eine industrielle Wirkung lässt sich deshalb noch nicht belegen.

Recycling verringert den Bergbaubedarf erst langfristig

Eine chinesische Studie untersuchte mehr als 300 Recyclingprojekte in 364 Städten. Bessere Standort- und Kapazitätsplanung könnte die damit verbundenen Emissionen um bis zu 44 Prozent senken. Außerdem könnte sie die Rückgewinnung von Lithium um 53 Prozent erhöhen. Die Einsparung entsteht jedoch nicht allein durch kürzere Transporte. Einen größeren Einfluss haben Technik, Energieverbrauch und regionaler Strommix.

Recycling ersetzt neue Rohstoffförderung dennoch nicht kurzfristig. Die meisten jüngst verbauten Fahrzeugbatterien bleiben voraussichtlich bis Mitte der 2030er-Jahre im Einsatz. Deshalb liegen zwischen stark wachsender Nachfrage und großen Rücklaufmengen etwa 15 Jahre. China verfügt außerdem über mehr als 85 Prozent der weltweiten Recyclingkapazität. Die Umweltbilanz hängt somit von Zellchemie, Herkunft, Verarbeitung und späterer Rückgewinnung gemeinsam ab.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Communications Earth & Environment (16.06.26)Communications Engineering (15.06.26)Nature Sustainability (08.06.26)Nature Ecology & Evolution (06.05.26)Internationale Energie Agentur (Stand: 14.07.26)Forschung und Wissen (20.01.25)

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