China hat Anfang Oktober 2026 einen wichtigen Bauabschnitt seines neuen Kernfusionsreaktors BEST abgeschlossen. Die Montage der Forschungsanlage in der Provinz Anhui ist inzwischen zu mehr als 50 Prozent fortgeschritten. Bis Ende 2027 soll der Reaktor fertig sein. Für 2030 plant China erstmals eine Demonstration der Stromerzeugung durch kontrollierte Kernfusion. Allerdings muss die Technik zuvor erhebliche technische Hürden überwinden. Besonders die extremen Temperaturen und die Materialbelastung erschweren den Betrieb. Ein kommerzielles Kraftwerk entsteht damit zunächst noch nicht.

Bild: ©ASIPP
China treibt Kernfusion mit neuer Versuchsanlage voran
Die neue Anlage trägt den Namen Burning Plasma Experimental Superconducting Tokamak, kurz BEST. Sie soll Temperaturen von mehr als 100 Millionen Grad Celsius erreichen. Gleichzeitig müssen supraleitende Magnetspulen bei ungefähr minus 269 Grad arbeiten. Nur starke Magnetfelder können das extrem heiße Plasma von den Reaktorwänden fernhalten. Denn kein bekanntes Material könnte diese Temperaturen bei direktem Kontakt dauerhaft überstehen.
Am 1. Oktober meldete das chinesische Staatsfernsehen CCTV einen weiteren Baufortschritt. Der Gebäudekomplex wurde zur Nutzung übergeben. Außerdem begann die besonders anspruchsvolle Montage mehrerer ineinanderliegender Komponenten. Dazu gehören die Vakuumkammer, thermische Abschirmungen und Magnetspulen. Bereits 2025 installierten Ingenieure ein mehr als 400 Tonnen schweres Bauteil des äußeren Vakuumbehälters. Die Konstruktion misst rund 18 Meter im Durchmesser.
Bis zu 200 Megawatt Fusionsleistung geplant
China will mit BEST deutlich über bisherige Plasmaexperimente hinausgehen. Die Anlage soll deshalb mit den Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium arbeiten. Bei deren Verschmelzung entstehen Heliumkerne und energiereiche Neutronen. Dabei setzt die Kernfusion erhebliche Energiemengen frei. Für spätere Versuche sehen die Projektplanungen Fusionsleistungen zwischen 20 und 200 Megawatt vor.
Diese Angaben bedeuten jedoch keine elektrische Leistung von 200 Megawatt. Zunächst müssen die Forscher nachweisen, dass der Fusionsprozess mehr Energie freisetzt, als unmittelbar zu seiner Aufrechterhaltung erforderlich ist. Anschließend müsste eine technische Anlage die entstehende Wärme in Strom umwandeln. Zusätzlich benötigen Magnete, Kühlung und weitere Hilfssysteme selbst erhebliche Energiemengen. Ein positiver Fusionsenergiegewinn bedeutet deshalb noch keinen wirtschaftlichen Kraftwerksbetrieb.
China hat bereits einen Rekordreaktor in Betrieb
Mit dem Forschungsreaktor EAST betreibt China bereits eine leistungsfähige Versuchsanlage am Standort Hefei. Dort hielten Wissenschaftler im Januar 2025 ein Hochleistungsplasma 1.066 Sekunden lang aufrecht. Das entspricht knapp 18 Minuten. Damit gelang ein wichtiger Fortschritt bei der Stabilisierung extrem heißer Plasmen. Allerdings bewies der Rekord weder einen positiven Gesamtenergiegewinn noch eine kommerzielle Stromproduktion.
BEST soll nun den Übergang von der Grundlagenforschung zur technischen Energiegewinnung ermöglichen. Dafür müssen die Ingenieure zahlreiche zusätzliche Probleme lösen. Besonders energiereiche Neutronen können die Materialien im Inneren des Reaktors schädigen. Außerdem ist Tritium radioaktiv und weltweit nur begrenzt verfügbar. Künftige Kraftwerke müssten deshalb einen großen Teil ihres Tritiumbedarfs selbst erzeugen. Auch die Wärmeabfuhr und die Lebensdauer der Reaktorkomponenten bleiben entscheidend.
Erste Stromerzeugung 2030 noch kein kommerzieller Durchbruch
China verfolgt mit dem Projekt langfristige energiepolitische und industrielle Ziele. Erfolgreiche Fusionskraftwerke könnten künftig große Strommengen unabhängig von Wind und Sonneneinstrahlung erzeugen. Während des Betriebs würde die eigentliche Fusionsreaktion zudem kein Kohlendioxid freisetzen. Allerdings sind Baukosten, Wartungsaufwand und die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen bislang nicht ausreichend geklärt. Auch für den Rückbau und die Behandlung aktivierter Materialien wären technische Lösungen erforderlich.
Der geplante Nachweis im Jahr 2030 wäre deshalb zunächst ein technologischer Meilenstein. Eine reguläre Einspeisung größerer Strommengen in das öffentliche Netz ist damit noch nicht angekündigt. Bis zum wirtschaftlichen Einsatz wären weitere Entwicklungsstufen erforderlich. Für die heutige Stromversorgung hat das Projekt daher noch keine unmittelbaren Auswirkungen. Sollte China jedoch die technischen Probleme lösen, könnte das Land bei einer künftigen Generation von Kraftwerken eine führende Rolle übernehmen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: CCTV (01.10.26) – Frankfurter Rundschau (07.10.26) – iTechGuides (03.10.26)
Lesen Sie auch:
- Kernfusion: Der große Durchbruch, der die Welt verändern könnte?
- Kernfusion: Realta gewinnt erstmals Strom direkt aus Plasma
- Neuer Meilenstein – Privatunternehmen Helion erreicht 150 Millionen Grad bei Kernfusion
- Kernfusion: Durchbruch in China – EAST steigert Plasma-Dichte stabil über Greenwaldlimit
