Cadmium in Solarmodulen: Schadstoffe werden zum Problem des Solarbooms

Ein Großbrand in einem Kühlhaus in Boyle Heights zeigt, wie schwer zerstörte Photovoltaikmodule im Schadensfall zu kontrollieren sind. Das Dach des rund 500.000 Quadratfuß großen Gebäudes war mit Solarmodulen bedeckt. Der Brand begann am 17. Juni und hielt mehrere Tage an. Behörden warnten deshalb vor Rauch, Feinstaub und möglichen Schadstoffen. Je nach Modulbauart können dazu Cadmium, Blei, Antimon, Arsen, Selen, Tellur, Indium, Gallium und fluorierte Kunststoffe zählen. Einsatzkräfte prüften außerdem auf toxische Metalle, Ammoniak und Fluorwasserstoff. Der Fall zeigt jedoch, warum beschädigte Module nach Brand, Hagel oder Sturm schnell gesichert und getrennt entsorgt werden müssen. Für den Solarboom wird diese Entsorgungsfrage immer wichtiger, weil immer mehr Anlagen in den kommenden Jahrzehnten altern, beschädigt werden oder aus dem Betrieb fallen.


Schadstoffe machen zerstörte PV-Module heikel

PV-Module bestehen überwiegend aus Glas, Aluminium und Kunststoffen. Diese Bestandteile lassen sich grundsätzlich gut verwerten. Problematisch sind jedoch kleinere Fraktionen wie Schwermetalle, Halbleiterschichten, Folien, Kleber und elektrische Kontakte.

Cadmium, Blei und Fluorstoffe erschweren die Entsorgung alter Solarmodule. Der Solarboom macht Recycling zur Schadstofffrage
Cadmium, Blei und Fluorstoffe erschweren die Entsorgung alter Solarmodule. Der Solarboom macht Recycling zur Schadstofffrage
Bild: Shutterstock

Bei Bränden kommt ein weiteres Risiko hinzu. Fluorierte Kunststoffe können unter Hitze problematische Zersetzungsprodukte bilden. Deshalb testete die Feuerwehr in Los Angeles auch auf Fluorwasserstoff, der bei brennenden Solarmodulen oder Lithium-Ionen-Batterien entstehen kann.

Ein Großschaden muss jedoch nicht durch Feuer entstehen. Hagel kann Module auf großer Fläche zerstören. Eine Fachstudie nennt einen 178-Megawatt-Solarpark in Pecos County, Texas, bei dem 2019 mehr als 400.000 PV-Module durch Hagel beschädigt wurden.

Cadmium ist weitgehend verboten – doch für PV-Module gilt eine Ausnahme

Cadmium ist kein gewöhnlicher Werkstoff. Das Schwermetall ist toxikologisch problematisch, weil es sich im Körper anreichern kann. Besonders empfindlich reagieren Nieren und Knochen auf langfristige Belastungen.

Cadmium darf in vielen Industrieprodukten grundsätzlich nicht mehr eingesetzt werden, sofern keine enge Ausnahme gilt. Für Elektro- und Elektronikgeräte liegt der zulässige Cadmiumanteil bei nur 0,01 Gewichtsprozent je homogenem Werkstoff. In der Praxis bedeutet das: Konstrukteure müssen cadmiumfreie Bauteile verwenden.

Bei Photovoltaikmodulen greift jedoch eine vom Gesetzgeber gewährte Sonderstellung. Cadmiumtellurid-Dünnschichtmodule dürfen den Schadstoff Cadmium als Halbleitermaterial enthalten, obwohl der Stoff in vielen Industrieprodukten praktisch verboten ist. Die Ausnahme ändert nichts an der Giftigkeit des Schwermetalls.

Die Mengen zählen auf der Fläche

Cadmium betrifft nicht jedes Solarmodul. Der Markt besteht überwiegend aus kristallinen Siliziummodulen. Diese enthalten eher Blei in Lötstellen, Kontakten und elektrischen Verbindungen.

Bei Cadmiumtellurid-Modulen nennt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft jedoch 18 bis 26 Kilogramm Cadmium je Hektar Modulfläche. Bei 1.000 Hektar solcher Anlagen lägen rechnerisch 18 bis 26 Tonnen Cadmium in den Modulen. Diese Menge tritt nicht automatisch aus, muss jedoch beim Rückbau sicher erfasst werden.

Auch Blei bleibt relevant. Die LfL nennt bei Siliziummodulen rund 19 bis 25 Kilogramm Blei je Hektar Modulfläche. Deshalb reicht es nicht, alte Module nur als Glas- und Aluminiumabfall zu behandeln.


Recyclingquote verdeckt kritische Fraktionen

Deutschland meldet bei alten Photovoltaikmodulen eine Recyclingquote von 92,4 Prozent. Diese Quote entsteht jedoch vor allem durch Glas und Aluminium. Beide Materialien prägen die Masse eines Moduls und sind technisch vergleichsweise gut verwertbar.

Die heiklen Stoffe sitzen dagegen in kleinen Schichten, Kontakten und Folien. Cadmium, Blei, Antimon, Arsen, Selen, Tellur, Indium, Gallium und fluorierte Kunststoffe brauchen andere Verfahren als Glasbruch. Deshalb sagt eine hohe Massenquote wenig über die sichere Behandlung der Schadstoffe.

Ein aktuelles wirtschaftliches Problem kommt hinzu. Eine Analyse vom 24. Juni 2026 warnt, dass sinkende Silberanteile neue Module für Recycler weniger attraktiv machen. Damit trägt der Materialwert die sichere Entsorgung künftig schlechter mit.

Der Solarboom baut den Abfallstrom auf

Deutschland erreichte Ende 2025 rund 117 Gigawatt installierte Solarleistung. Bis 2030 soll der Wert auf 215 Gigawatt steigen. Damit wächst der spätere Rückbau deutlich, obwohl heute erst ein kleiner Teil der Altmodule zurückkommt.

Defekte Module dürfen deshalb nicht lange auf Dächern, Feldern oder Betriebshöfen liegen bleiben. Nach Hagel, Brand oder Sturm müssen Betreiber die Module sichern, getrennt sammeln und fachgerecht entsorgen. Außerdem müssen sie dokumentieren, ob Silizium-, Dünnschicht- oder cadmiumhaltige Module betroffen sind.

Der politische Widerspruch bleibt sichtbar. Cadmium ist in vielen Industrieanwendungen praktisch verboten, weil es giftig und umweltschädlich ist. In bestimmten Solarmodulen bleibt es jedoch erlaubt, weil der Gesetzgeber Photovoltaik anders behandelt. Der Solarboom braucht deshalb nicht nur neue Anlagen, sondern auch eine strenge Schadstofflogistik.

Verfasser : Blackout News
Verwendete Quellen: Los Angeles Times (02.07.26)PV-Magazine (24.06.26)Bundesinstitut für Risikobewertung (08.06.26)Bundesnetzagentur (08.01.26)Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Stand: 07.07.26)Umweltbundesamt (26.03.24)Universität Stuttgart (18.11.2014)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen