Berlin – Interne E-Mails zwischen Bundeskanzleramt und Bundesfinanzministerium bringen neue Brisanz in den Steuerstreit der schwarz-roten Koalition. Nach Recherchen des Handelsblatts soll die Union mehreren geplanten Steuererhöhungen intern zugestimmt haben, offenbar sogar in zwei Abstimmungsrunden. Öffentlich verlangen CDU und CSU inzwischen jedoch, Belastungen für Vereine und Beschäftigte mit Belegschaftsrabatten zu stoppen. Betroffen sind vor allem Arbeitnehmer mit Personalrabatten; die höhere Vereinsbesteuerung hat Finanzminister Lars Klingbeil nach Protesten bereits aus dem Entwurf gestrichen.
Steuererhöhungen waren Teil der Gegenfinanzierung
Die Einkommensteuerreform soll zum 1. Januar 2027 starten und ab 2028 ihre volle Wirkung entfalten. Die Koalition verspricht dann Entlastungen von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr. Dafür steigen Grundfreibetrag, Kindergeld und Arbeitnehmerpauschbetrag, während der Spitzensteuersatz später einsetzen soll. Gleichzeitig sieht die Gegenfinanzierung höhere Belastungen für sehr hohe Einkommen und den Abbau von Steuervergünstigungen vor.

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Genau an dieser Gegenfinanzierung entzündet sich jedoch der Koalitionsstreit. Unionspolitiker erklärten zuletzt, einzelne Steuererhöhungen seien nicht abschließend vereinbart gewesen und widersprächen den politischen Zielen der Koalition. Die internen Unterlagen zeichnen laut Handelsblatt ein anderes Bild. Demnach stimmte die Unionsseite den fraglichen Maßnahmen während der Verhandlungen zu und bestätigte sie offenbar später nochmals.
Streit um Belegschaftsrabatte betrifft viele Arbeitnehmer
Besonders konkret wird der Konflikt bei Belegschaftsrabatten. Nach geltendem Recht bleiben Preisnachlässe auf Waren oder Dienstleistungen des eigenen Arbeitgebers bis 1.080 Euro pro Jahr steuerfrei. Klingbeils Entwurf will diesen Freibetrag jedoch streichen. Das soll dem Staat nach Angaben aus dem Gesetzentwurf rund 240 Millionen Euro jährlich bringen.
Damit trifft die Reform Beschäftigte beispielsweise im Einzelhandel oder in der Autoindustrie. CDU-Finanzpolitiker Fritz Güntzler kritisiert die Streichung deshalb inzwischen als Belastung kleiner und mittlerer Einkommen. Auch die Grünen warnen vor zusätzlicher Bürokratie für Unternehmen. Die öffentliche Kritik der Union steht jedoch im Kontrast zu den nun bekannt gewordenen internen Abstimmungen.
Klingbeil zieht Vereinsregelung nach Protest zurück
Schon zuvor hatte Klingbeil eine andere geplante Belastung zurückgenommen. Für steuerpflichtige, nicht gemeinnützige Vereine sollte ein Freibetrag von 5.000 Euro durch eine Freigrenze von 1.000 Euro ersetzt werden. Bei Überschreiten dieser Grenze hätte das Finanzamt das gesamte steuerpflichtige Einkommen erfasst. Nach massiver Kritik strich Klingbeil die Regelung jedoch wieder aus dem Entwurf.
Der Fall zeigt deshalb einen tieferen Konflikt über die Finanzierung der Steuerreform. Das Finanzministerium will Entlastungen unter anderem durch geringere Steuervergünstigungen gegenfinanzieren. Dazu gehören auch eine niedrigere Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen und ein höherer Pauschalsteuersatz für Minijobs. Diese Steuererhöhungen und Kürzungen von Vergünstigungen sind damit Teil der Finanzierung des Gesamtpakets.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Handelsblatt (14.08.26) – Welt (14.08.26) – Table.Briefings (11.08.26) – Tagesschau (10.08.26)
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