An der Schlei in Schleswig-Holstein ist aus der neuen Fähre „Missunde III“ seit 2021 ein Lehrstück über verfehlte Energiepolitik, steigende Kosten und mangelnde Einsatzfähigkeit geworden. Die Elektrofähre sollte die alte Dieselfähre „Missunde II“ ersetzen und ursprünglich deutlich früher fahren; Berichte nannten zunächst April 2023 und später Januar 2024. Tatsächlich nahm sie den regulären Betrieb jedoch erst am 29. April 2026 auf. Bereits am 24. Mai 2026 fiel sie wegen eines Schadens am Antrieb wieder aus. Damit fuhr sie nur rund 25 Tage. Nach dem erneuten Ausfall gab auch der Pächter auf und stieg aus dem Betrieb aus. Geplant wurde 2021 mit rund 2,5 Millionen Euro. Inzwischen liegen die Gesamtkosten laut LKN bei mehr als 6,5 Millionen Euro. Die alte Dieselfähre hatte das Land zuvor für rund 17.000 Euro verkauft. Weil die neue Elektrolösung wegen Windanfälligkeit, Anlegeproblemen, Umbauten und technischen Defekten nicht zuverlässig einsatzfähig war, musste das Land den alten Dieselvorgänger wieder zurückholen. Dafür wurden zunächst rund 50.000 Euro fällig. Später kamen weitere rund 50.000 Euro für ein Vorkaufsrecht hinzu. Deshalb tragen Pendler, Betriebe, Anwohner und Touristen bis heute die Folgen durch Umwege, Ausfälle, Betreiberwechsel und fehlende Planungssicherheit (bild: 07.06.26).
2021 begann ein politisches Projekt mit fragiler Rechnung
Die Geschichte begann mit einer Grundsatzentscheidung. Die alte „Missunde II“ fuhr mit Diesel auf der Schlei und galt als sanierungsbedürftig. Eine Ertüchtigung hätte nach damaligen Angaben rund 1,8 Millionen Euro gekostet. Deshalb entschied sich das Land für einen elektrischen Neubau. Das Projekt sollte dabei ein Signal für klimafreundliche Mobilität setzen.

Schon die Ausgangsrechnung wirkt rückblickend wie ein Warnsignal. Im Jahr 2021 kalkulierte man noch mit rund 2,5 Millionen Euro. Das neue Schiff kostete später allein rund 3,3 Millionen Euro. Außerdem kamen Umbauten an Schiff, Anlegern und Infrastruktur hinzu. Aus einem Ersatzprojekt wurde deshalb ein wachsender Kostenblock.
2023 sollte der Betrieb der Elektrofähre starten, doch die Strecke blieb problematisch
Der ursprüngliche Zeitplan hielt nicht, denn der geplanten Starttermin im April 2023 verschob sich aufgrund von Lieferproblemen. Dann verhinderten Wasserstände und technische Mängel den Regelbetrieb.
Im Januar 2024 begann die Testphase. Dabei zeigte sich das zentrale Problem. Das neue Schiff konnte bei mäßigem Wind mit Windstärke 3 nicht sicher genug anlegen. Gerade an der Schlei ist das kein Nebenaspekt. Wind, Strömung und enger Takt gehören dort zum Alltag. Deshalb traf der Mangel die wichtigste Eigenschaft des Projekts: verlässliche Einsatzfähigkeit.
Alte Dieselfähre billig verkauft und teuer zurückgeholt
Besonders schwer wiegt der Umgang mit der alten Fähre. Das Land gab die Dieselfähre „Missunde II“ für rund 17.000 Euro ab. Damit verschwand die bewährte Reserve aus der Region. Währenddessen lag der Neubau ohne belastbaren Regelbetrieb fest. Diese Entscheidung verschärfte den Schaden erheblich.
Als die Elektrofähre „Missunde III“ nicht zuverlässig einsetzbar war, brauchte das Land den alten Dieselvorgänger plötzlich wieder. Die Rückholung kostete zunächst rund 50.000 Euro. Später kamen weitere rund 50.000 Euro für das Vorkaufsrecht hinzu. Damit stand einer Einnahme von etwa 17.000 Euro eine spätere Belastung von rund 100.000 Euro gegenüber. Außerdem musste das alte Schiff weiter technisch betreut werden.
2024 und 2025 stiegen Kosten, Umbauten und Zweifel
Die neue Lösung passte in der Praxis nicht so zur Strecke, wie es die Planung erwarten ließ. Sie war größer, schwerer und windanfälliger als der Vorgänger. Deshalb brauchte sie Nachrüstungen. Auch die Anleger mussten angepasst werden. Laut Land lagen allein diese Umbauten bei gut 1,3 Millionen Euro.
Damit zeigt die „Missunde III“ ein Kernproblem verfehlter Energiepolitik. Die Politik wollte eine emissionsfreie Verbindung. Die Region brauchte jedoch eine robuste Querung. Beides hätte zusammenkommen müssen. Stattdessen entstand eine teure Übergangslage. Währenddessen blieb der alte Dieselvorgänger trotz Alterung der praktische Notanker.
2026 kam die Fähre endlich, aber nur eingeschränkt
Am 29. April 2026 nahm die Elektrofähre schließlich den Betrieb auf. Der Start kam mit langer Verzögerung. Außerdem galt er nur eingeschränkt. Zunächst durfte sie Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen befördern. Später sollten auch schwerere Fahrzeuge bis 25 Tonnen folgen.
Diese Einschränkung zeigt den Kern des Problems. Ein Ersatz muss mindestens die alte Leistung sichern. Sonst entsteht kein Fortschritt. Der Neubau kam jedoch spät, teuer und mit begrenzter Nutzbarkeit. Zugleich blieb die Lindaunisbrücke als wichtige Ausweichroute gesperrt. Deshalb verschärfte jeder Ausfall sofort die Verkehrsprobleme an der Schlei.
Nach 25 Tagen stoppte erneut der Betrieb
Bereits am 24. Mai 2026 fiel die „Missunde III“ wieder aus. Ein beschädigter Antriebsriemen stoppte den Betrieb. Später nannten Berichte falsch ausgerichtete Riemenscheiben als Ursache. Die Reparatur sollte bis Mitte Juni dauern. Für die Nutzer bedeutete das erneut Umwege.
Damit ist Missunde kein gewöhnliches Technikproblem mehr. Das Projekt steht für eine Energiepolitik, die ein Symbol höher gewichtete als Betriebssicherheit. Elektrischer Antrieb ersetzt keine verlässliche Infrastruktur. Eine Fähre für eine Pendlerstrecke muss bei Wind anlegen und täglich verfügbar sein. Genau daran muss sich das Projekt messen lassen. Bisher zeigt die Chronologie jedoch das Gegenteil: höhere Kosten, spätere Inbetriebnahme, Rückholung alter Technik und ein Neubau, der seine wichtigste Aufgabe wiederholt nicht erfüllt. Besonders bitter ist deshalb die nächste Debatte: Schon jetzt denken Verantwortliche über eine „Missunde IV“ nach. Ein kleinerer Neubau würde laut Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen jedoch Jahre dauern, weitere Millionen verschlingen und erneut als Prototyp starten. Die „Missunde III“ droht damit vom gescheiterten Einzelprojekt zur dauerhaften Kostenkette zu werden.
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