Mineralölkonzerne in der Kritik: Der Staat kassiert beim Sprit trotzdem am meisten

In Deutschland zahlen Autofahrer im Juni 2026 trotz befristeter Steuersenkung fast 1,90 Euro je Liter Super E10 oder Diesel. Die Bundesregierung kritisiert Mineralölkonzerne wegen möglicher Übergewinne, während der Staat selbst, über Energiesteuer, Mehrwertsteuer, den größten Anteil am Endpreis erhält. Auslöser sind hohe Energiepreise im Umfeld des Iran-Kriegs, außerdem belastet der CO₂-Preis jeden Liter zusätzlich. Bei Benzin fließen rund 54 Prozent an den Fiskus, bei Diesel etwa 43 Prozent. Deshalb trifft der Spritpreis Pendler, Handwerker, Speditionen und private Haushalte weiter massiv.


Staat nimmt deutlich mehr als Mineralölkonzerne je Liter ein

Bei einem Benzinpreis von 1,90 Euro kassiert der Staat rund 1,03 Euro je Liter. Dieser Betrag entsteht durch Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer. Außerdem greift die Mehrwertsteuer auf den gesamten Endpreis. Der Staat verdient deshalb auch dann mehr, wenn Rohöl, Transport oder Vertriebskosten steigen.

Mineralölkonzerne sollen hohe Margen erzielen, doch beim Spritpreis greift der Staat je Liter am stärksten zu
Mineralölkonzerne sollen hohe Margen erzielen, doch beim Spritpreis greift der Staat je Liter am stärksten zu
Bild: Shutterstock

Die befristete Steuersenkung ändert an dieser Struktur wenig. Sie entlastet zwar um rund 16,7 Cent brutto je Liter. Doch Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer bleiben weiterhin die dominierenden Preisbestandteile. Deshalb wirkt der politische Vorwurf gegen die Mineralölkonzerne unvollständig, solange der eigene Abgabenanteil kaum thematisiert wird.

Übergewinn-Vorwurf verdeckt die Größenordnung

Zusätzliche Margen der Branche können bei Millionen verkauften Litern große Summen ergeben. Pro Liter bewegen sie sich jedoch meist im einstelligen Centbereich. Ein zusätzlicher Aufschlag von sechs Cent entspricht bei 1,90 Euro nur gut drei Prozent des Endpreises. Der Staat nimmt beim gleichen Benzinpreis dagegen mehr als einen Euro.

Diese Relation ist entscheidend für die Bewertung der Debatte. Überhöhte Margen müssen geprüft werden, wenn Preise schneller steigen als fallen. Dennoch erklärt dieser Punkt nicht den größten Teil der Belastung. Der politisch festgelegte Abgabenblock wiegt deutlich schwerer.

Kraftstoffpreis ist nicht automatisch Konzerngewinn

Der nichtstaatliche Anteil bleibt kein reiner Gewinn. Daraus zahlen Unternehmen Rohöl, Raffineriebetrieb, Lagerung, Transport und Vertrieb. Außerdem finanzieren sie Wartung, Modernisierung, Sicherheitsauflagen und Umweltvorgaben. Deshalb lässt sich der Restbetrag nicht pauschal als Konzernrendite, wie das oft gemacht wird, darstellen.

Auch Tankstellenpächter verdienen am Liter wenig. Viele erhalten nur eine kleine Provision im Bereich von 1 bis 3 Cent für den verkauften Liter Kraftstoff. Davon zahlen sie Personal, Strom und kleinere Reparaturen. Deshalb stammt der eigentliche Ertrag vieler Standorte eher aus dem Shopgeschäft.


Regierung kritisiert den Markt und profitiert zugleich

Die Bundesregierung kann Preisaufschläge der Branche kritisieren. Sie muss jedoch zugleich erklären, warum der Staat je Liter den größten Betrag einzieht. Denn Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer beruhen auf politischen Entscheidungen. Außerdem steigt die Mehrwertsteuer automatisch mit, sobald andere Preisbestandteile zulegen.

Für Autofahrer entsteht dadurch ein doppelter Effekt. Sie zahlen mögliche Marktaufschläge und zugleich einen hohen staatlichen Festanteil. Deshalb reicht der Blick auf Konzernmargen nicht aus. Wer Spritpreise senken will, muss zuerst den staatlichen Zugriff je Liter offenlegen.

Autofahrer zahlen die Summe aus Politik und Markt

Die zentrale Rechnung bleibt eindeutig. Der Staat erhält bei Benzin rund einen Euro je Liter, während diskutierte Zusatzmargen bei den Mineralölkonzernen nach Abzug der verbundenen Kosten meist im einstelligen Centbereich liegen. Außerdem belastet der CO₂-Preis die Mobilität dauerhaft. Deshalb trifft der Spritpreis nicht nur Autofahrer, sondern auch Lieferketten und Verbraucherpreise.

Die Debatte über Übergewinne lenkt von diesem Kern ab. Natürlich gehören Margen kontrolliert, wenn der Wettbewerb nicht sauber funktioniert. Doch der größte feste Kostenblock sitzt beim Fiskus. Deshalb trägt der Staat die Hauptverantwortung für den hohen Endpreis an der Zapfsäule.

Verfasser: Blackout-News (KOB)
Verwendete Quellen: ADAC (10.06.26)Welt (08.06.26)Greenpeace (05.06.26)ZDFheute (13.04.26)

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