Ein kleiner Nager, vermutlich eine Maus, hat einen kompletten Windpark in Hilchenbach lahmgelegt. Seit Mitte Januar steht der Windpark Rothaarwind 1 mit fünf Windkraftanlagen im Kreis Siegen-Wittgenstein still, weil ein Kurzschluss ein Umspannwerk beschädigt hat. Der Netzbetreiber spricht von einem kleinen Nagetier als Verursacher und vermutet dabei eine Maus. Der Betreiber rechnet bereits mit einem Verlust von rund 100.000 Euro (wdr: 29.01.26).
Kurzschluss im Umspannwerk stoppt die Einspeisung
Mitte Januar verschaffte sich ein Nager Zugang zu einem Umspannwerk in Hilchenbach. Dort kam es zu einem Kurzschluss, der die Anlage beschädigte und die Netzanbindung des Windparks unterbrach. Das Tier erlitt dabei einen Stromschlag und verendete dabei. Durch den Kurzschluss kann der Strom der Windräder derzeit nicht verteilt werden.

Der Netzbetreiber Westnetz bleibt bei einer vorsichtigen Einordnung. Henning Drees sagt: „Wir können aber nur von Kleintier sprechen, bei den Resten lässt sich nicht genau ausmachen, was es ist“. Dennoch gilt eine Maus als plausibel, weil solche Nager häufig in Gebäude eindringen. Eine eindeutige Bestätigung gibt es bisher nicht.
Fünf Anlagen betroffen – Windpark kann keinen Strom abgeben
Ausgefallen sind fünf Windenergieanlagen mit jeweils zwei Megawatt Leistung. Damit steht nicht nur ein einzelnes Windrad, sondern die gesamte Einspeisung des Parks. Das zeigt, wie stark ein Windpark von wenigen technischen Knoten abhängt. Sobald das Umspannwerk ausfällt, bleibt auch die Erzeugung wirkungslos.
Der Betreiber Günter Pulte beziffert den bisherigen Verlust auf etwa 100.000 Euro. „Der genaue Schaden kann aber erst nach Wiederinbetriebnahme abgeschätzt werden“, teilte er dem WDR mit. Endkunden seien nach seiner Kenntnis nicht betroffen, weil die Versorgung über andere Quellen stabil bleibt.
Reparatur dauert zwei bis drei Wochen – der Schaden wächst mit jedem Tag
Westnetz rechnet mit einer Reparaturdauer von zwei bis drei Wochen. Solange bleibt der Windpark vom Netz getrennt, selbst wenn genügend Wind anliegt. Deshalb steigt der wirtschaftliche Schaden hauptsächlich über die Zeit. Denn jede Stunde Stillstand bedeutet entgangene Einspeisung und fehlende Erlöse.
Gleichzeitig sind Arbeiten an Umspannwerken anspruchsvoll. Sicherheit hat Vorrang, und Schaltanlagen müssen exakt geprüft werden. Daher lässt sich der Prozess nicht beliebig beschleunigen, auch wenn der Druck im Hintergrund hoch ist.
Schutz gegen Tiere ist vorgesehen – ein offener Zugang kann reichen
Umspannwerke sind normalerweise gegen Eindringlinge gesichert. Westnetz verweist auf Fallen und Schutzmaßnahmen, die Kleintiere fernhalten sollen. Dennoch reichen kleine Nachlässigkeiten im Alltag. Drees beschreibt das so: „Da muss aber nur mal jemand eine Tür offenlassen, um nochmal zum Auto zu gehen und ein Nager huscht rein“.
Der Vorfall zeigt zugleich, wie unspektakulär eine Kette beginnen kann, die große Folgen hat. Ein einzelnes Tier erreicht einen sensiblen Bereich, und schon steht ein Windpark still. Gerade bei kritischer Infrastruktur wirken solche Details überproportional.
Wer zahlt, ist offen – Kommunikation zwischen den Seiten läuft
Noch ist nicht entschieden, wer für den Schaden aufkommt. Westnetz erklärt, der Betreiber könne Schadensersatz einfordern, jedoch werde das im Einzelfall geprüft. Henning Drees sagt dazu: „Das ist aber eine Einzelfallentscheidung. Es kann pauschal nicht gesagt werden, ob der Netzbetreiber in Verantwortung ist.“
Pulte bewertet die Zusammenarbeit trotzdem positiv. „Die Kommunikation ist gut und freundlich“, schrieb er auf Anfrage. Westnetz bemühe sich sehr um eine zügige Reparatur. Fest steht aber schon jetzt: Vermutlich reichte ein kleines Nagetier, möglicherweise eine Maus, um einen kompletten Windpark lahmzulegen.
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