Schwedens Stromnetz geriet am Montag, dem 8. Juni 2026, in eine außergewöhnlich angespannte Betriebslage. Menschen kletterten bei Bollnäs auf Hochspannungsmasten, weshalb der Netzbetreiber eine wichtige Leitung abschaltete. Kurz danach fiel außerdem die 500-Megawatt-Verbindung Swe-Pol Link nach Polen aus. Dadurch sank die Netzfrequenz auf 49,80 Hertz. Zugleich schöpfte Svenska kraftnät alle verfügbaren Reserven in Südschweden aus. Vier Gasturbinen und Stromlieferungen aus Norwegen sowie Litauen verhinderten jedoch einen Kollaps. Stromausfälle, Verletzte oder materielle Schäden meldeten die Behörden nicht.
Kollaps nach doppelter Netzstörung verhindert
Svenska kraftnät erhielt gegen 14.20 Uhr erste Meldungen über Personen auf Strommasten außerhalb von Bollnäs. Deshalb trennte der Betreiber die betroffene Hochspannungsleitung um 14.33 Uhr vom Netz. Die Abschaltung verringerte jedoch die Transportkapazität zwischen Nord- und Südschweden erheblich. Andere Leitungen mussten dadurch einen größeren Teil des Stromflusses übernehmen.

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Der Netzbetreiber erhöhte zunächst den Export nach Finnland über die Fenno-Skan-Verbindung. Dadurch entlastete er gefährdete Leitungen im schwedischen Übertragungsnetz. Diese Maßnahme verringerte jedoch den Spielraum für einen weiteren Ausfall. Genau dieser Fall trat weniger als eine Stunde später ein.
Um 15.16 Uhr fiel Swe-Pol Link bei einem Import von 500 Megawatt aus. Schweden verlor damit schlagartig eine bedeutende Stromzufuhr aus Polen. Zugleich sank die Frequenz im nordischen Verbundnetz deutlich unter den Sollwert von 50 Hertz. Ein Kollaps trat zwar nicht ein, doch der Betreiber musste sofort zusätzliche Leistung beschaffen.
Sämtliche Aufwärtsreserven im Süden aktiviert
Zwischen 15.30 und 15.45 Uhr aktivierte Svenska kraftnät 701 Megawatt Regelenergie im Stromgebiet SE3. Außerdem kamen 255 Megawatt im südlichsten Stromgebiet SE4 hinzu. Insgesamt mobilisierte der Betreiber deshalb 956 Megawatt manuelle Frequenzwiederherstellungsreserve. Danach standen in beiden Gebieten keine weiteren regulären Aufwärtsgebote zur Verfügung.
Svenska kraftnät startete deshalb zwei Gasturbinen in Halmstad und zwei Anlagen am Standort Barsebäck. Außerdem lieferten Norwegen und Litauen jeweils 200 Megawatt zusätzliche Leistung. Um 15.43 Uhr rief der Betreiber eine verschärfte Betriebslage aus. Diese Einstufung signalisierte eine drohende Leistungsknappheit, bedeutete jedoch noch keinen Strommangel bei den Verbrauchern.
Die Lage stabilisierte sich anschließend schrittweise. Drei Gasturbinen stoppten bis 15.55 Uhr, während die vierte Anlage bis 16.10 Uhr weiterlief. Die Sonderlieferungen aus Norwegen und Litauen endeten um 16.30 Uhr. Swe-Pol Link nahm den Betrieb gegen 17.15 Uhr wieder auf.
Extreme Ausgleichspreise nachträglich korrigiert
Die Reserveaktivierungen ließen die zunächst veröffentlichten Ausgleichspreise stark steigen. Für die Viertelstunde ab 15.30 Uhr meldete das Abrechnungssystem in SE3 und SE4 zunächst 10.000 Euro je Megawattstunde. In den folgenden Intervallen erschienen außerdem Werte zwischen 2.500 und 5.500 Euro. Diese Preise hätten Bilanzverantwortliche erheblich belastet.
Svenska kraftnät korrigierte die Werte später auf etwa 87 bis 110 Euro je Megawattstunde. Der Betreiber begründete den Schritt mit der besonderen Ursache der Aktivierungen. Nicht Fehlplanungen einzelner Marktteilnehmer hatten den Einsatz ausgelöst, sondern Störungen im Übertragungsnetz. Deshalb setzte Svenska kraftnät für die Abrechnung die jeweiligen Spotmarktpreise an.
Der Vorfall zeigt die Bedeutung schnell verfügbarer Kraftwerke und grenzüberschreitender Verbindungen. Zugleich blieben nach dem Ende der regulären Angebote noch technische Notfallmaßnahmen verfügbar. Die Lage lag deshalb nicht unmittelbar vor einem unausweichlichen Kollaps. Zwei unabhängige Störungen reichten jedoch aus, um sämtliche marktgebundenen Aufwärtsreserven in Südschweden auszuschöpfen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Teknisk Ukeblad (12.06.26) – Svenska Kraftnät (11.06.26) – Montel News (11.06.26) – Trading View (10.06.26)
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