Ölförderung in der Ostsee: Deutscher Widerstand gegen Polens 22-Millionen-Tonnen-Fund

Świnoujście/Usedom – Polen verfügt unmittelbar vor seiner Ostseeküste über einen der größten konventionellen Ölfunde des Landes, doch auf deutscher Seite wächst der Widerstand. Das Feld Wolin East enthält nach Unternehmensangaben rund 22 Millionen Tonnen förderbares Öl und fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas. Mecklenburg-Vorpommern lehnt eine Ölförderung in der Ostsee an dieser Stelle entschieden ab. Außerdem wollen deutsche Umweltverbände das Projekt notfalls mit rechtlichen Mitteln stoppen. Die Lagerstätte liegt nur wenige Kilometer von Usedom entfernt, während europäische Meeresschutzgebiete nahe an den bisherigen Bohrstandort heranreichen. Eine kommerzielle Förderung hat Polen bislang jedoch nicht genehmigt.


Deutschland stellt sich gegen Ölförderung in der Ostsee

Mecklenburg-Vorpommern positionierte sich bereits nach Bekanntwerden der Dimension des Fundes gegen das Vorhaben. Umweltminister Till Backhaus bezeichnete eine Förderung als unvereinbar mit den Umwelt- und Tourismusinteressen auf deutscher Seite. Außerdem verlangte er eine klare Haltung der Bundesregierung gegenüber Polen. Das Land kritisiert insbesondere, dass es bei früheren Erkundungsarbeiten nicht ausreichend beteiligt worden sei.

22 Millionen Tonnen Öl und 5 Milliarden Kubikmeter Gas vor Usedom: In Deutschland wächst der Widerstand gegen Polens geplante Ölförderung
22 Millionen Tonnen Öl und 5 Milliarden Kubikmeter Gas vor Usedom: In Deutschland wächst der Widerstand gegen Polens geplante Ölförderung
Bild: Shutterstock

Der Konflikt reicht deshalb über eine gewöhnliche Rohstoffförderung hinaus. Deutschland und Polen haben Regeln für grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfungen vereinbart. Mecklenburg-Vorpommern sieht diese Regeln berührt, wenn Auswirkungen auf deutsches Küstenmeer oder Schutzgebiete möglich sind. Eine ausdrückliche Ablehnung der Bundesregierung in derselben Schärfe ist bislang jedoch nicht dokumentiert.

Umweltverbände wollen Förderung notfalls juristisch stoppen

Inzwischen hat sich der deutsche Widerstand deutlich verbreitert. DUH, BUND Mecklenburg-Vorpommern, WWF und die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern haben ein gemeinsames Aktionsbündnis gegründet. Sie wollen die Ölförderung in der Ostsee verhindern und behalten sich dafür auch rechtliche Schritte vor. Eine Petition mit rund 88.000 Unterschriften soll außerdem im September an die EU-Kommission übergeben werden.

Die Verbände verweisen besonders auf die Lage des Fundes vor der Pommerschen Bucht. Nur rund 200 Meter vom bisherigen Bohrstandort entfernt beginnen nach ihren Angaben europäische Meeresschutzgebiete. Deshalb warnen sie vor Unterwasserlärm, Schadstoffeinträgen und möglichen Folgen eines Ölunfalls. Zugleich sehen sie den Tourismus auf Usedom und an der vorpommerschen Küste als gefährdet.


Polen sieht im Ölfeld eine Chance für mehr Versorgungssicherheit

Für Polen besitzt das Projekt dagegen erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Central European Petroleum beziffert Wolin East auf rund 22 Millionen Tonnen förderbares Öl und fünf Milliarden Kubikmeter Gas. Im gesamten Konzessionsgebiet könnten sogar mehr als 33 Millionen Tonnen Öl und rund 27 Milliarden Kubikmeter Erdgas liegen. Deshalb könnte Wolin East zum größten bekannten konventionellen Kohlenwasserstofffund Polens werden.

Warschaus Interesse steht damit im direkten Gegensatz zur deutschen Ablehnung. Polen könnte durch eine Ölförderung in der Ostsee einen Teil seiner Importabhängigkeit reduzieren und zusätzliche heimische Reserven erschließen. CEP strebt deshalb eine möglichst schnelle Entwicklung des Feldes an. Vor einer Förderung muss das Unternehmen jedoch weitere Unterlagen einreichen und eine entsprechende Genehmigung erhalten.

Der Konflikt dürfte sich daher zunehmend auf die Genehmigungsverfahren verlagern. Deutschland kann ein ausschließlich auf polnischem Hoheitsgebiet liegendes Projekt nicht einfach untersagen. Grenzüberschreitende Umweltauswirkungen könnten deutschen Behörden und der EU jedoch Beteiligungsrechte eröffnen. Damit entscheidet nicht allein die Größe des Fundes über Wolin East, sondern auch der kommende umwelt- und europarechtliche Streit.

Verfasser: Blackout News
Verwendeter Quellen: Euronews (09.08.26)Interia Biznes (04.08.26)NDR (30.07.26)Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern (23.07.26)

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