Kohlekraftwerk Voerde: RWE sprengt Kesselhaus eines 695-MW-Blocks

Voerde – RWE hat am 21. August 2026 das 90 Meter hohe Kesselhaus von Block B des Kohlekraftwerks Voerde gesprengt. Fast gleichzeitig fielen zwei benachbarte Entstickungsanlagen mit insgesamt rund 30.000 Tonnen Stahl. Wegen Druckwelle und Staub galt deshalb ein Sicherheitsradius von 350 Metern. Behörden ließen Gebäude räumen, sperrten Straßen und stoppten zeitweise den Schiffsverkehr auf dem Rhein. Block B verfügte früher über 695 Megawatt steuerbare Nettoleistung. Deutschland braucht zugleich neue Anreize für gesicherte Kapazitäten, weil Wind- und Solarstrom nicht jederzeit bedarfsgerecht zur Verfügung stehen.


Kohlekraftwerk verschwindet – neue gesicherte Leistung muss erst entstehen

Das Kraftwerk ging bereits 2017 vom Netz und befindet sich seit 2023 im Rückbau. Eine kurzfristige Wiederinbetriebnahme war deshalb schon vor der jüngsten Sprengung keine realistische Option. Mit dem Kesselhaus verschwindet jedoch ein zentraler Bestandteil des früheren Blocks. Damit entfällt praktisch auch die Möglichkeit, diesen vorhandenen Block später noch einmal zu reaktivieren.

Deutschland braucht neue gesicherte Leistung. In Voerde sprengt RWE ein Kohlekraftwerk und plant erst für 2030 einen möglichen Ersatz
Deutschland braucht neue gesicherte Leistung. In Voerde sprengt RWE ein Kohlekraftwerk und plant erst für 2030 einen möglichen Ersatz
Bild: ©RWE

Gerade der Zeitpunkt macht den Vorgang energiepolitisch bemerkenswert. Die Bundesregierung will im September und Dezember 2026 rund zehn Gigawatt neuer Langzeitkapazitäten ausschreiben. Diese Anlagen sollen auch während längerer Dunkelflauten zuverlässig Strom bereitstellen. Das Wirtschaftsministerium begründet den Aufbau ausdrücklich mit der Versorgungssicherheit. Deutschland benötigt also neue steuerbare Leistung, während vorhandene Kraftwerksstandorte endgültig zurückgebaut werden.

Block B lieferte einst 695 Megawatt steuerbare Leistung

Block B gehörte zu den großen Erzeugungseinheiten am Standort Voerde. Er erreichte netto 695 Megawatt, während Block A dieselbe Leistung lieferte. Zusammen verfügten die vier Kraftwerksblöcke früher über mehr als zwei Gigawatt. Ob eine Modernisierung technisch, rechtlich und wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre, ist öffentlich nicht belegt.

Trotzdem verdeutlicht Voerde einen grundlegenden Zielkonflikt der deutschen Energiepolitik. Deutschland baut konventionelle Erzeugungsanlagen ab, während gleichzeitig Ersatz für deren steuerbare Leistung entstehen muss. Die früheren Kohleblöcke verursachten hohe CO₂-Emissionen und verloren unter damaligen Marktbedingungen ihre Wirtschaftlichkeit. Das Stromnetz benötigt jedoch weiterhin jederzeit ausreichend regelbare Leistung. Daran ändert auch ein stark wachsender Anteil von Wind- und Solarstrom nichts.


Nach der Sprengung soll am selben Standort wieder ein Großkraftwerk entstehen

Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks plant RWE deshalb erneut ein thermisches Großkraftwerk. Vorgesehen ist eine wasserstofffähige Gas-und-Dampfturbinenanlage mit rund 850 Megawatt elektrischer Leistung. Das Genehmigungsverfahren läuft bereits und seit dem 14. August 2026 liegen die Unterlagen öffentlich aus. RWE hat jedoch noch keine endgültige Investitionsentscheidung getroffen. Nach bisheriger Planung könnte das neue Kraftwerk 2030 Strom erzeugen.

Damit zeigt sich die entscheidende Schwäche der bisherigen Reihenfolge. Das alte Kraftwerk liefert seit neun Jahren keinen Strom mehr, während der mögliche Ersatz frühestens gegen Ende des Jahrzehnts folgen soll. Zugleich organisiert der Staat erst jetzt einen Markt für jene gesicherte Leistung, die das Stromsystem künftig dringend benötigt. Der Abriss in Voerde macht diese Entwicklung sichtbar. Erst verschwindet vorhandene steuerbare Kraftwerkstechnik endgültig, danach soll neue Leistung, die sich wirtschaftlich nicht von selbst trägt mit staatlich gesetzten Investitionsanreizen entstehen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: WDR (21.08.26)Die Zeit (21.08.26)WDR (20.08.26)RWE (07.08.26)

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