Griechenland vor Atomkraft-Einstieg: Kleine Reaktoren sollen Versorgungslücke schließen

Griechenland bereitet seit März 2026 einen möglichen Atomkraft-Einstieg vor. Premier Kyriakos Mitsotakis kündigte die Prüfung am 10. März beim Atomgipfel in Paris an. Ein Ministerausschuss soll kleine modulare Reaktoren (SMR) für den griechischen Energiemarkt untersuchen. Denn Athen will die letzten Braunkohlekraftwerke bis 2028 schließen. Zugleich benötigt das Land verlässlichen Strom neben Windkraft und Solaranlagen. Fehlende Erfahrung, hohe Kosten und die Erdbebengefahr erschweren jedoch einen Bau. Eine Entscheidung über Reaktoren, Standorte oder Investitionen gibt es bisher nicht.


Atomkraft-Einstieg soll Abhängigkeit von Erdgas verringern

Griechenland erzeugt einen wachsenden Anteil seines Stroms aus erneuerbaren Quellen. Windkraft- und Solaranlagen liefern jedoch nicht jederzeit die benötigte Leistung. Deshalb übernehmen vor allem Gaskraftwerke weiterhin wichtige Aufgaben im Stromnetz. Ein Kernkraftwerk könnte langfristig regelbaren Strom bereitstellen. Zugleich könnte es den Bedarf an importiertem Erdgas senken.

Griechenland prüft den Atomkraft-Einstieg mit kleinen Reaktoren und bereitet dafür neue politische sowie technische Strukturen vor
Griechenland prüft den Atomkraft-Einstieg mit kleinen Reaktoren und bereitet dafür neue politische sowie technische Strukturen vor
Bild: Shutterstock

Mitsotakis hatte bereits vor dem Gipfel Interesse an neuen Reaktorkonzepten gezeigt. Im Februar 2026 bestätigte er eine Arbeitsgruppe für die Beobachtung der Technologie. Zugleich betonte er, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Die verfügbaren Modelle seien bisher wirtschaftlich nicht ausreichend konkurrenzfähig. Der neue Ministerausschuss soll deshalb technische und finanzielle Möglichkeiten prüfen.

Kleine modulare Reaktoren stehen im Mittelpunkt

Die griechische Regierung konzentriert sich vor allem auf Small Modular Reactors, kurz SMR. Diese Anlagen besitzen eine geringere Leistung als klassische Großreaktoren. Ihre Bauteile sollen außerdem weitgehend standardisiert in Fabriken entstehen. Anbieter versprechen dadurch kürzere Bauzeiten und niedrigere Projektkosten. Kommerzielle Serienprojekte fehlen jedoch bislang in Europa.

Der Atomkraft-Einstieg könnte nach Einschätzung der US-Handelsbehörde frühestens nach 2030 oder 2035 erfolgen. Zuvor müsste Griechenland eine Machbarkeitsstudie erstellen und geeignete Technologien auswählen. Außerdem braucht das Land eine unabhängige Aufsicht für kommerzielle Kernkraftwerke. Auch Fachpersonal, Haftungsregeln und Notfallpläne wären erforderlich. Diese Voraussetzungen verursachen erhebliche Kosten vor dem eigentlichen Bau.

Schwimmende Reaktoren bleiben eine theoretische Option

Das griechische Deon Policy Institute untersucht zusätzlich schwimmende Kernkraftwerke. Dabei befinden sich kleine Reaktoren auf Schiffen oder Plattformen vor der Küste. Solche Anlagen könnten deshalb Inseln, Häfen oder Industriegebiete versorgen. Griechenlands maritime Infrastruktur könnte den Betrieb grundsätzlich unterstützen. Die Regierung hat jedoch kein schwimmendes Kraftwerk bestellt.

Schwimmende Reaktoren vermeiden zwar manche Standortprobleme an Land. Dafür entstehen jedoch zusätzliche Gefahren durch Stürme, Kollisionen und Sabotage. Zudem müssten Häfen gegen schwere Erdbeben und hohe Wellen gesichert sein. Der Transport abgebrannter Brennelemente benötigt ebenfalls klare Regeln. Griechenland besitzt bisher weder ein Endlager noch eine kommerzielle nukleare Infrastruktur.


EU beschleunigt Entwicklung kleiner Reaktoren

Die Prüfung in Athen fällt mit einer neuen europäischen SMR-Strategie zusammen. Die EU-Kommission veröffentlichte das Programm ebenfalls am 10. März 2026. Sie will erste europäische SMR-Anlagen in den frühen 2030er-Jahren ermöglichen. Außerdem rechnet sie bis 2050 mit 17 bis 53 Gigawatt SMR-Leistung. Gemeinsame Genehmigungen und Lieferketten sollen dabei die Entwicklung beschleunigen.

Der griechische Atomkraft-Einstieg bleibt dennoch ein langfristiges Vorhaben ohne Bauentscheidung. Zunächst muss der Ministerausschuss Nutzen, Kosten und Sicherheitsanforderungen vergleichen. Danach könnte die Regierung über Standorte und internationale Partner beraten. Auch die Entsorgung radioaktiver Abfälle muss Athen verbindlich regeln. Bis dahin bleibt Erdgas ein wichtiger Bestandteil der griechischen Stromversorgung.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Greek City Times (16.06.26)NucNet (15.06.26)Handelsblatt (14.06.26)ICJT (05.06.26)ABS (27.05.26)

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