Norwegens Energieminister Terje Aasland hat am 24. August 2026 die frühere Rolle seines Landes als „grüne Batterie Europas“ verworfen. Norwegens Wasserkraft könne Europas schwankende Wind- und Solarproduktion unterstützen, jedoch nicht den gesamten Strommarkt ausgleichen. Aasland bezeichnete die Vorstellung deshalb als „fehlerhafte Idee“. Zugleich will die Regierung keine neuen Stromverbindungen ins Ausland bauen, weil die Kopplung Norwegen stärker europäischen Preisschwankungen ausgesetzt hat. Europa müsse stattdessen wieder mehr stabile Stromerzeugung bereitstellen, während Norwegen weiterhin eng mit seinen Nachbarn zusammenarbeiten will.
Wasserkraft kann fehlende Kraftwerke in Europa nicht ersetzen
Norwegen verfügt zwar über außergewöhnlich große Wasserspeicher. Nach aktuellen Daten der Energiebehörde NVE beträgt die gesamte Speicherkapazität rund 87,4 Terawattstunden. Allerdings waren die Speicher am 26. August nur zu 63,9 Prozent gefüllt.

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Die Wasserkraft steht zudem nicht vollständig für Exporte zur Verfügung. Die Speicher sichern zunächst die norwegische Versorgung und hängen von Niederschlag sowie Schneeschmelze ab. Außerdem benötigt Norwegen selbst mehr Strom für Industrie, neue Verbraucher und die weitere Elektrifizierung. Aasland erklärte erst im August, zusätzliche Erzeugung und neue Netze seien für Arbeitsplätze und wettbewerbsfähige Strompreise entscheidend.
Rekordüberschuss zeigt zugleich die Grenzen des Systems
Norwegen produzierte 2025 insgesamt 161,9 Terawattstunden Strom. Gleichzeitig lag der Verbrauch bei 139,2 Terawattstunden. Dadurch entstand mit 22,7 Terawattstunden der bislang höchste norwegische Stromüberschuss.
Dieser Überschuss reicht jedoch nicht aus, um Europas fehlende regelbare Kraftwerksleistung dauerhaft auszugleichen. Zusätzlich begrenzen die vorhandenen Leitungen den möglichen Stromtransport. Deutschland ist beispielsweise über NordLink mit Norwegen verbunden, während die Leitung maximal rund 1.400 Megawatt übertragen kann. Ein Verbundnetz kann deshalb vorhandene Energie verteilen, aber keine zusätzliche Erzeugungsleistung schaffen.
Neue Stromkabel machten Norwegen abhängiger von Europas Preisen
Gerade diese stärkere Vernetzung sieht Aasland inzwischen kritischer. Die Idee von Norwegen als europäischem Stromspeicher habe den Bau neuer Leitungen nach Deutschland und Großbritannien begünstigt. Gleichzeitig gelangten europäische Preisschwankungen dadurch stärker in den norwegischen Strommarkt. Deshalb lehnt die Regierung weitere Interkonnektoren ab.
Die Preisunterschiede zwischen Norwegen und seinen Nachbarn sind weiterhin wirtschaftlich relevant. Statnett erzielte allein bis Juli 2026 erhebliche Engpasserlöse aus dem grenzüberschreitenden Stromhandel. Auf NordLink mit Deutschland entfielen dabei 53,4 Millionen Euro. Allerdings zeigen solche Erlöse zugleich, dass Strom zwischen unterschiedlichen Preiszonen gehandelt wird.
Europa soll selbst wieder mehr stabile Stromerzeugung bereitstellen
Aaslands Forderung richtet sich deshalb unmittelbar an die europäischen Staaten. Sie müssten ihre stabile Stromversorgung wieder stärken. Reuters verweist dabei auf stillgelegte Kohle- und Kernkraftwerke sowie fehlende Investitionen in neue Gaskraftwerke. Mehr regelbare Erzeugung könne nach Aaslands Einschätzung Preise senken und ausgeglichenere Stromflüsse zwischen den Ländern ermöglichen.
Norwegens Wasserkraft bleibt damit ein wichtiger Baustein des europäischen Stromsystems, aber kein Ersatz für eigene Kraftwerkskapazitäten. Europa kann bei Engpässen Strom aus Norwegen beziehen, während Norwegen zeitweise ebenfalls Strom importiert. Aasland hält deshalb an der Vernetzung fest, lehnt jedoch die frühere Vorstellung eines norwegischen Großspeichers für Europa ab. Sein Fazit lautet: „Die Zukunft liegt in einem sehr starken und integrierten System.“
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (24.08.26) – Regjeringen.no (10.08.26) – Satnett (10.06.26) – NVE (26.08.26)
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