Rom – Italien treibt Ende Juli 2026 sein Atomkraft-Comeback voran. Erste Mini-Reaktoren sollen zwischen 2033 und 2035 Strom liefern. Die Regierung unter Giorgia Meloni nennt steigenden Verbrauch, Klimaziele und unsichere Energieimporte als Gründe. Zudem erwartet Energieminister Gilberto Pichetto Fratin binnen zehn Jahren mindestens 30 Prozent mehr Strombedarf. Rund 55 Prozent der Italiener unterstützen moderne Reaktoren. Hohe Kosten, fehlende Standorte und ungelöster Atommüll können den Zeitplan jedoch verzögern.
Atomkraft-Comeback schafft neuen Rechtsrahmen
Die Abgeordnetenkammer billigte das Rahmengesetz am 4. Juni 2026. Der zuständige Senatsausschuss beendete seine Beratung am 22. Juli. Nun muss noch das Plenum zustimmen. Danach erhält die Regierung zwölf Monate für Regeln zu Genehmigungen, Sicherheit und Abfällen. Außerdem soll ein nationales Programm den gesamten nuklearen Lebenszyklus ordnen.

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Rom plant jedoch keine Rückkehr zu den großen Anlagen früherer Jahrzehnte. Im Mittelpunkt stehen kleine modulare Reaktoren und fortgeschrittene Reaktorkonzepte. Energieminister Pichetto nennt 2033 bis 2035 als realistischen Startkorridor. Das Atomkraft-Comeback bleibt damit ein mittelfristiges Projekt. Für die heutigen Stromrechnungen bringt es zunächst keine Entlastung.
Junge Italiener verändern die politische Stimmung
Italien beendete seine Kernkraftproduktion nach dem Referendum von 1987. Damals prägte die Katastrophe von Tschernobyl die Abstimmung. Ein zweiter Anlauf scheiterte 2011 nach Fukushima deutlich. Heute verändert jedoch eine jüngere Generation die politische Lage. Viele jüngere Italiener verbinden Kernenergie stärker mit Technik, Klimaschutz und Versorgungssicherheit.
Eine Umfrage des Instituts Only Numbers ermittelte im Juni 2026 etwa 55 Prozent Zustimmung. Die Unterstützung sinkt jedoch deutlich, sobald konkrete Standorte zur Debatte stehen. Rund sechs von zehn Italienern lehnen einen Reaktor in ihrer eigenen Provinz ab. Deshalb könnten lokale Proteste neue Projekte erheblich bremsen. Auch ein weiteres Referendum bleibt politisch möglich.
Kosten und Atommüll bremsen Italiens Zeitplan
Die Kosten bilden außerdem die größte wirtschaftliche Hürde. Ein einzelner SMR mit 300 Megawatt könnte drei bis sechs Milliarden Euro kosten. Netzanschlüsse und zusätzliche Infrastruktur kämen noch hinzu. Private Investoren sollen einen großen Anteil übernehmen. Das Atomkraft-Comeback hängt deshalb von verlässlichen Finanzierungsmodellen und serienreifen Reaktoren ab.
Italien besitzt zudem bis heute kein nationales Endlager für seinen vorhandenen Atommüll. Viele radioaktive Rückstände lagern weiterhin in provisorischen Anlagen. Neue Reaktoren würden zusätzliche Mengen erzeugen. Deshalb muss Rom Lagerung, Genehmigungen und Standorte gleichzeitig lösen. Der Start ab 2033 bleibt ein politisches Ziel, aber noch kein gesicherter Termin.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Associated Press (28.07.26) – Italienischer Senat (22.07.26) – ANSA (13.06.26)
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