Zukunftsprojekt gestoppt: Wasserstoff-Projekt Havelland scheitert an fehlender Förderung

Im Landkreis Havelland in Brandenburg hat Landrat Roger Lewandowski (CDU) das Zukunftsprojekt „H2VL-Wasserstoffregion Havelland“ beendet. Er nennt als Anlass die fehlende finanzielle Förderung von Bund und Land, deshalb legte er das Vorhaben zu den Akten. Das Projekt sollte die Energiewende im Kreis vorantreiben und zugleich Verkehr sowie Wärme dekarbonisieren. Der Kreistag hatte dafür eine Machbarkeitsstudie beauftragt, die mit Mitteln des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr gefördert wurde und insgesamt 400.000 Euro kostete. Als entscheidender Risikofaktor erwies sich die Förderlogik, weil Zuschüsse nach Darstellung des Landrats auf Schwerindustrie begrenzt blieben, während kommunale Anwendungen vollständig leer ausgingen (maz-online: 23.02.26).


Zukunftsprojekt H2VL – weil es keine Förderung gibt endet das Wasserstoff-Projekt

Lewandowski verband H2VL mit einem konkreten Betriebskonzept, jedoch blieb die Umsetzung ohne Fördergeld blockiert. „Ich hatte mir vorgestellt, die Busse im Westhavelland mit Wasserstoff zu betreiben und im Osthavelland mit Strom.“ Damit zielte der Kreis auf den ÖPNV, außerdem auf einen sichtbaren Startpunkt der Technik. Ein Wasserstoff-Bus ist teuer, und Infrastruktur erhöht die laufenden Kosten. Ohne Zuschüsse kam der Landkreis nach eigener Darstellung nicht weiter, deshalb stoppte er das Vorhaben.

Keine Förderung- das Zukunftsprojekt H2VL im Havelland ist beendet: 400.000-Euro-Studie für Wasserstoff- Projekte in den Sand gesetzt

Der Landrat sagt, man habe ihm klar signalisiert, dass Förderungen nur für Schwerindustrie vorgesehen seien. Ein regionaler Kreislauf für Wasserstoff habe kein politisches Gewicht gehabt, während kommunale Flotten außen vor blieben. Lewandowski kritisiert auch die Kommunikation nach außen, zugleich verweist er auf den Aufwand vor Ort. „Es ist auch ärgerlich, weil die Machbarkeitsstudie interessante Prognosen aufgezeigt hat.“ Damit bleibt ein Widerspruch: Der Kreis hat geplant, jedoch fehlte die Brücke zur Finanzierung.

Studie, Tankstelle und Elektrolyse: Osthavelland sollte starten

Wasserstoff entsteht durch Elektrolyse, also durch die Spaltung von Wasser mit Strom, während erneuerbare Energie die Klimabilanz entscheidet. Die Studie skizzierte Einsatzpfade für den Kreis. Im Osthavelland suchten Beteiligte bereits nach einem Standort für eine H₂-Tankstelle. Dort sollte Wasserstoff aus einem Elektrolyseur verkauft werden, außerdem wollte man damit den Markthochlauf stützen.

In der Studie taucht auch ein Elektrolyseur in Ketzin/Havel auf, zugleich nennt sie eine weitere Anlage in Premnitz. Für Premnitz plante der Entwurf Wasserstoff auf Abfallbasis. Deshalb sprachen die Unterlagen nicht von grünem, sondern von orangem Wasserstoff. Ob Ketzin und Premnitz nach dem Ende der Wasserstoff-Region weitergehen, wird nicht erläutert, während die offenen Punkte nun besonders schwer wiegen.

Windkraft und Fernwärme – Westhavelland als zweites Standbein

Im westlichen Havelland sollte Windkraft die Fernwärme dekarbonisieren, während ein Elektrolyseur Überschüsse speichern sollte. Überschüssiger Windstrom kann als Wasserstoff konserviert werden, deshalb galt die Kombination als Systemlösung. Zugleich erzeugt ein Elektrolyseur Abwärme. Diese Wärme kann in ein Fernwärmenetz fließen, außerdem verbessert sie die Effizienz der Anlage.

Für die Windkraftanlagen lief die Standortsuche, jedoch blieb sie ohne investive Perspektive. Das Zukunftsprojekt hing damit an mehreren Genehmigungen und an Förderzusagen. Als diese Zusagen ausblieben, fehlte die Grundlage für den nächsten Schritt. So blieb aus der Technikskizze ein Aktenvermerk.


Prognosen bis 2030 und breite Beteiligung in Nauen

Die Studie sieht große Potenziale für grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien im Havelland. Bis 2030 könnten laut Papier 300 bis 1500 Tonnen pro Jahr entstehen, während die Spannbreite die Unsicherheit der Annahmen zeigt. Damit könnte nach der Idee der Kreisverwaltung „der erwartete Bedarf, vor allem im straßengebundenen Schwerlastverkehr, gedeckt werden.“ Neben ÖPNV-Bussen standen auch Abfallsammelfahrzeuge als Kandidaten im Raum, außerdem dachte man an weitere Anwendungen.

Viele Akteure arbeiteten mit und sie brachten ihr Know-how ein. 2023 trafen sich Beteiligte in Nauen zu einem Abschlusstreffen, um Details der Studie zu diskutieren. Dieser Prozess band Zeit und Erwartungen, zugleich schuf er ein Netzwerk. Nach dem Projektstopp fehlt nun der operative Rahmen, während die Ergebnisse in der Schublade liegen.

Klimaziele bleiben, jedoch erzwingt der Haushalt Prioritäten

Der Landkreis Havelland will die Treibhausemissionen dennoch deutlich senken, deshalb verabschiedete der Kreistag ein Klimaschutzkonzept. Besonders wichtig sind Verkehr und Wärme, während genau dort H2VL ansetzen sollte. „Wir hatten die Idee, eigene Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff zu prüfen.“ Mit dem Ende des Zukunftsprojekts muss der Kreis nun Alternativen stärker gewichten, außerdem rückt die Frage nach realistischen Etappenplänen in den Vordergrund.

Landrat Lewandowski verweist auf die finanzielle Lage vieler Kommunen. Deshalb müsse der Landkreis Prioritäten setzen. Allein könne der Kreis die ehrgeizigen Ziele nicht umsetzen, während Land und Bund andere Schwerpunkte setzen. Das Ergebnis ist klar: Die Wasserstoff-Region Havelland bleibt vorerst Geschichte.

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