In der Factory Zero von General Motors an der Grenze zwischen Detroit und Hamtramck steht die Produktion von Elektroautos seit dem 16. März 2026 still, und der Stopp dauert nun mindestens bis zum 13. April an. Auslöser ist die schwächere Nachfrage nach E-Autos in den USA, die nach dem Wegfall der staatlichen Kaufprämie von 7.500 Dollar zusätzlich unter Druck geraten ist. Zugleich hatte GM die Fertigung bereits im Januar um rund die Hälfte gesenkt, was den Einschnitt vorbereitet hatte. Als entscheidender Risikofaktor kommen steigende Produktionskosten hinzu, während unsichere Energiepreise die Kaufentscheidungen vieler Kunden bremsen. Die Folgen sind unmittelbar sichtbar: 1.300 Beschäftigte gehen vorübergehend in Freistellung, und Modelle wie der elektrische Chevrolet Silverado sowie der Hummer EV laufen vorerst nicht mehr vom Band (auto-motor-und-sport: 31.03.26).
Nachfrage bricht ein, Förderung fehlt
Der Produktionsstopp kommt nicht überraschend, denn GM hatte das Werk schon zu Jahresbeginn deutlich heruntergefahren. Im Januar senkte der Konzern die Auslastung nach eigenen Angaben bereits um etwa 50 Prozent. Deshalb wirkt die jetzige Verlängerung wie der nächste Schritt in einer länger laufenden Korrektur.

Vor allem die schwächere Nachfrage trifft den Markt hart. Ein wichtiger Grund liegt im Ende der bisherigen Steuervergünstigung für Käufer von Elektroautos in Höhe von 7.500 Dollar. Zugleich verlieren viele Modelle damit einen Preisvorteil, der für den Absatz zuvor entscheidend war.
Höhere Kosten verändern die Strategie der Hersteller
Neben der nachlassenden Nachfrage steigen auch die Kosten in der Produktion von Elektrofahrzeugen. Das verschiebt die Kalkulation vieler Hersteller spürbar, während Investitionen genauer geprüft werden. Deshalb reagieren die Konzerne nicht nur mit niedrigeren Stückzahlen, sondern auch mit Einschnitten bei laufenden Projekten.
GM steht mit diesem Kurs nicht allein da. Auch Ford richtet die Strategie wieder stärker auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor aus, vor allem auf große Pick-ups und SUVs mit hohen Margen. Außerdem hat GM mehrere Elektrovorhaben gestoppt oder verschoben, darunter Projekte für elektrische Lieferfahrzeuge und Anpassungen in bestehenden Werken.
Unsichere Energiepreise bremsen den Markt zusätzlich
Zusätzlich wächst der Druck durch die Entwicklung der Energiepreise. Der Konflikt im Nahen Osten hat zuletzt den Ölpreis nach oben getrieben, während zugleich auch die Stromkosten für Verbraucher schwerer planbar bleiben. Für viele Käufer wird die Gesamtrechnung eines Fahrzeugs deshalb unsicherer.
Diese Unsicherheit trifft den E-Auto-Markt in einer empfindlichen Phase. Wer weder Kraftstoff- noch Stromkosten verlässlich abschätzen kann, verschiebt größere Anschaffungen eher. Außerdem rechnen Branchenbeobachter damit, dass diese Zurückhaltung kurzfristig anhält und die Hersteller ihre Produktion weiter an die schwankende Nachfrage anpassen.
Die Pause in der Factory Zero steht damit für mehr als nur einen einzelnen Werksstopp. Sie zeigt, wie schnell politische Vorgaben, Förderregeln und Kostenentwicklungen den Kurs eines ganzen Marktes verändern können. Während GM und andere Hersteller wieder stärker auf klassische Antriebe setzen, hängt die weitere Entwicklung des Elektroauto-Geschäfts in den USA vor allem von den politischen Rahmenbedingungen und den Energiepreisen ab.
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