Zahl der Apotheken sinkt auf niedrigsten Stand seit 1977

Eine Apotheke um die Ecke wirkt selbstverständlich, doch Apotheken werden immer seltener. Ende 2025 zählte Deutschland noch 16.601 Standorte und damit 440 weniger als ein Jahr zuvor. Die ABDA nennt dafür mehrere Treiber, denn Kosten, Honorare, Personal und Versandhandel verschieben den Markt. Die Versorgung mit Arzneimittel wird damit für viele Menschen ein praktisches Alltagsproblem, weil vielerorts die Wege länger werden (welt: 13.01.26).


Apotheken schließen weiter, auch wenn das Tempo etwas nachlässt

Die ABDA meldet 502 Schließungen und nur 62 Neueröffnungen im Jahr 2025, jedoch schwächte sich der Rückgang gegenüber dem Vorjahr leicht ab. Trotzdem erreicht die Zahl einen historischen Tiefstand: „Mittlerweile ist der niedrigste Stand an Apotheken seit fast 50 Jahren erreicht – im Jahr 1977 gab es in Ost- und Westdeutschland zusammen 16.374 Apotheken.“ Damit rückt eine flächige Struktur weiter in die Ferne, und gerade ländliche Regionen spüren das zuerst.

440 Apotheken in einem Jahr weg – Versorgung wackelt, Arzneimittel-Notfälle werden riskanter – Honorare bremsen, Versandhandel wächst
440 Apotheken in einem Jahr weg – Versorgung wackelt, Arzneimittel-Notfälle werden riskanter – Honorare bremsen, Versandhandel wächst

Seit 2013 hat jede fünfte Apotheke aufgegeben. Die wohnortnahe Versorgung wird seltener, besonders außerhalb der großen Städte. ABDA-Präsident Thomas Preis sagt: „Das heißt, dass immer mehr Menschen immer weitere Wege bis zur nächsten Apotheke zurücklegen müssen.“ Für die Versorgung zählt nicht nur die Entfernung, sondern auch die Verfügbarkeit von Arzneimittel und Beratung im Akutfall. Wer Medikamente rasch braucht, erlebt Distanz als echten Zeitfaktor.

Honorare, Kosten und Reform: Der Streit um die Finanzierung

Preis kritisiert die politische Linie, weil aus seiner Sicht die Honorare nicht mehr zur Kostenlage passen. Er verweist auf die Systemumstellung auf ein fixes Packungshonorar vor 22 Jahren, während es seitdem nur eine einzige Erhöhung gegeben habe. Zudem betont er: „Seit der letzten Erhöhung des Festhonorars im Jahr 2013 sind die Kosten in den Apotheken um 65 Prozent gestiegen.“ Für viele Betriebe wird die Vergütung damit zum Kernproblem, weil steigende Ausgaben nicht automatisch höhere Einnahmen erzeugen.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD sei eine Erhöhung des Apothekenhonorars auf 9,50 Euro festgeschrieben, dennoch bleibe dieser Punkt laut Preis in der laufenden Reform außen vor. Das trifft vor allem kleinere Standorte, weil sie weniger Skaleneffekte haben. Wenn die Honorare stagnieren, sinkt die Investitionsfähigkeit, und Modernisierung wird zur Belastungsprobe.


Nachwuchs, Nachfolge und der Druck durch Versandhandel

Ein zweiter Engpass liegt in der Nachfolge, denn viele Inhaber finden keinen Käufer, wenn der Ruhestand naht. Dann endet die Geschichte oft mit der endgültigen Schließung, obwohl die lokale Versorgung den Standort bräuchte. Gleichzeitig zieht es Fachkräfte in Industrie oder Krankenhausapotheken, weil dort Planbarkeit und Einkommen häufig attraktiver wirken. Die Folge ist ein Mangel an neuen Eigentümern und an Personal.

Der Versandhandel verschärft den Strukturwandel, während Bestellungen im Netz für viele Kunden bequem sind. Versandapotheken wie DocMorris und Shop Apotheke bewerten die Lage weniger dramatisch, und sie verweisen auf ihre Reichweite. Der europäische Verband der Online-Apotheken EAEP argumentierte in einem früheren Papier, dass Schließungen überproportional Gebiete mit hoher Dichte beträfen, sodass die Versorgung nicht grundsätzlich kippe. Im Alltag entscheidet jedoch die Kombination aus Zustellung, Akutbedarf und Beratung, weshalb Arzneimittel nicht immer beliebig auf später verschoben werden.

Vor Ort bleibt außerdem die Frage, welche Rolle Apotheken künftig im Gesundheitssystem spielen sollen, zumal digitale Modelle an Bedeutung gewinnen. Wenn der Versandhandel wächst, steigt der Wettbewerb um Umsätze und stationäre Strukturen geraten leichter ins Wanken. Gleichzeitig könnte ein stärkerer Onlinevertrieb punktuell helfen, Engpässe zu überbrücken, sofern die Belieferung zuverlässig funktioniert.

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