WMF vor tiefem Einschnitt – Mutterkonzern plant Schließung von drei deutschen Werken

Der französische Haushaltsgeräte-Konzern SEB hat einen umfassenden Sparkurs angekündigt, der die deutsche Traditionsmarke WMF besonders stark trifft. Bis zu 2100 Stellen will der Mutterkonzern von WMF europaweit streichen, davon bis zu 600 Arbeitsplätze in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Geplant ist zudem die Schließung der WMF-Standorte in Riedlingen, Hayingen und Diez, wodurch ganze Produktionsstrukturen wegfallen könnten. Auslöser sind steigender Wettbewerbsdruck, vor allem aus Asien, sowie das Ziel, bis Ende 2027 rund 200 Millionen Euro einzusparen. Die Folgen reichen von Kurzarbeit, Schließung ganzer Werke, bis zu drohenden Kündigungen, weshalb viele Beschäftigte vor einer ungewissen Zukunft stehen (bild: 26.02.26).


WMF-Standorte im Fokus des Sparprogramms

SEB steuert seine internationalen Marken aus Écully bei Lyon, jedoch zählen deutsche Hersteller weiterhin zu den wichtigsten Bausteinen im Konzern. Die geplanten Werksschließungen markieren deshalb einen tiefen Einschnitt für mehrere Regionen. Während die Produktion von Kaffeemaschinen laut Betriebsrat zunächst nicht betroffen ist, läuft am WMF-Hauptsitz in Geislingen bereits seit zwei Wochen Kurzarbeit. Dadurch steigt der Druck auf die Belegschaft zusätzlich, weil konkrete Entscheidungen noch ausstehen.

Mutterkonzern von  WMF plant den Abbau von bis zu 2100 Stellen und will deutsche Werke  in Riedlingen, Hayingen und Diez schließen
Mutterkonzern von WMF plant den Abbau von bis zu 2100 Stellen und will deutsche Werke in Riedlingen, Hayingen und Diez schließen

Der Konzern begründet den Umbau mit sinkender Wettbewerbsfähigkeit und steigenden Kosten. Hersteller aus Asien setzen europäische Anbieter zunehmend unter Preisdruck, weshalb SEB seine Strukturen neu ausrichten will. Außerdem sollen Verwaltung, Vertrieb und Marketing verschlankt werden, damit das Unternehmen wieder profitabel wachsen kann. Die Auswirkungen gehen jedoch über einzelne Werke hinaus, weil auch interne Abläufe und Filialstrukturen betroffen sind.

Gespräche mit Arbeitnehmervertretern laufen

Am Mittwoch starteten in Deutschland erste Gespräche mit Arbeitnehmervertretern. Diese Verhandlungen gelten als entscheidend, weil sie über mögliche Sozialpläne und den Umfang von Kündigungen mitentscheiden. Gleichzeitig bleibt offen, wie stark weitere Standorte langfristig betroffen sein werden. Zwar schützt die Ausnahme der Kaffeemaschinen-Produktion derzeit einen Teil der Arbeitsplätze, jedoch sorgt die laufende Kurzarbeit weiterhin für Unsicherheit.

Von rund 4400 Arbeitsplätzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz könnten bis zu 600 wegfallen. Weitere etwa 800 Stellen sollen an anderen europäischen Standorten gestrichen werden. Dadurch verändert sich die Konzernstruktur deutlich, während Beschäftigte auf klare Perspektiven warten. Für viele Regionen hängt deshalb viel davon ab, welche Lösungen in den kommenden Monaten gefunden werden.

Gewinnrückgang erhöht den Druck auf den Konzern

SEB beschäftigt weltweit rund 32.000 Menschen und zählt zu den führenden Herstellern von Haushaltsgeräten. Dennoch musste das Unternehmen 2025 zweimal seine Ziele korrigieren, weil sich das Geschäft schwächer entwickelte als erwartet. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern sank schließlich um 25 Prozent auf 601 Millionen Euro. Anleger reagierten jedoch positiv auf die Sparpläne, weshalb die Aktie am Mittwoch um rund elf Prozent zulegte.

Diese Entwicklung zeigt den Konflikt zwischen wirtschaftlicher Stabilisierung und sozialen Folgen. Während Investoren die Einsparungen als notwendige Maßnahme bewerten, wächst bei vielen Beschäftigten die Sorge um langfristige Perspektiven. Zugleich verdeutlicht der Umbau, wie stark internationale Konkurrenz inzwischen auf europäische Industrieunternehmen wirkt.


Traditionsmarke mit langer Geschichte unter Druck

Die Marke WMF blickt auf mehr als 170 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Bereits 1853 gründeten Daniel Straub und die Brüder Schweizer in Geislingen eine Metallwarenfabrik, aus der später die Württembergische Metallwarenfabrik entstand. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen von der Metallverarbeitung hin zu einem international bekannten Anbieter von Küchenprodukten, Profi-Kaffeemaschinen und Hotelausstattung. Nach Unternehmensangaben nutzen weltweit täglich mehr als 100 Millionen Menschen Produkte des Herstellers.

Gerade deshalb hat der aktuelle Umbau eine hohe Symbolkraft, weil eine etablierte Marke in eine Phase tiefgreifender Veränderungen gerät. Während der Konzern auf Einsparungen setzt, hoffen Beschäftigte auf Lösungen, die möglichst viele Arbeitsplätze sichern. Die kommenden Verhandlungen werden daher entscheidend dafür sein, wie stark die Einschnitte am Ende tatsächlich ausfallen.

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