Windrad-Schrott wird in den nächsten Jahren zu einem zentralen Abfallthema der Energiewende. Seit 2020 wurden an Land 2.351 Windkraftanlagen zurück gebaut. Im vergangenen Jahr bis November kamen 415 Rückbauten hinzu. Für Rotorblätter aus GFK und CFK fehlt weiterhin ein industrielles Verfahren zum Recycling. Zudem hat die Bundesregierung nach eigener Auskunft keinerlei Informationen zur Zahl ausgetauschter Rotorblätter. Auch Daten zur Behandlung, Entsorgung oder Wiederverwendung liegen demnach nicht vor (nordkurier: 17.01.26).
Windrad-Schrott: Rotorblätter gelten als Problemstoff ohne Industriestandard
Aus der Branche kommt ein Satz, der die Lage präzise beschreibt: Für die Entsorgung der Rotoren existiere „bis dato keine industrielle Lösung“. Allerdings braucht ein Massenmarkt genau das, also skalierbare Anlagen, feste Standards und planbare Kosten. Ohne solche Strukturen verschiebt sich das Problem nur, statt es zu lösen. Der Windrad-Schrott landet dann in Zwischenlagern, in Provisorien oder in teuren Sonderwegen.

Windrad-Schrott entwickelt sich in den nächsten Jahren zu einem zentralen Abfallthema der Energiewende. Seit 2020 wurden an Land 2.351 Windkraftanlagen zurückgebaut, und im vergangenen Jahr bis November kamen 415 Rückbauten hinzu. Gleichzeitig fehlt für Rotorblätter aus GFK und CFK weiterhin ein industrielles Recyclingverfahren im Maßstab, während die Bundesregierung nach eigener Auskunft keine Informationen zur Anzahl ausgetauschter Rotorblätter sowie zu deren Behandlung, Entsorgung oder Wiederverwendung hat.
Rückbau-Zahlen steigen, aber der Verbleib der Flügel bleibt ein blinder Fleck
Schon heute steigen die Rückbau-Zahlen. Seit 2020 wurden an Land 2.351 Anlagen zurückgebaut, und im vergangenen Jahr bis November kamen 415 Rückbauten hinzu. Gleichzeitig beantwortet der Staat zentrale Fragen zu Rotorblätter-Strömen nicht mit Messwerten, sondern mit Verweisen. Damit bleibt offen, ob Recyclingpfade im großen Maßstab entstehen oder ob Entsorgung faktisch zu Beseitigung wird.
Enrico Komning, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Mecklenburg-Vorpommern, greift genau diese Lücke an. Er fragt: „Verfügt die Bundesregierung mittlerweile über Daten zur Behandlung, Entsorgung oder Wiederverwendung von alten Rotorblättern und den darin enthaltenen Faserverbundstoffen für die Jahre 2024 und 2025?“ Außerdem sagt er: „Seit Jahren ist bekannt, dass die karbon- und glasfaserverstärkten Kunststoffe kaum wiederzuverwerten sind.“ Und er ergänzt: „Der größte Teil wird daher verfeuert.“ Damit steht die zentrale Frage im Raum, wie Deutschland in wenigen Jahren mit Windrad-Schrott umgeht, wenn die Menge kippt.
UBA-Prognosen zeigen massive Mengen, doch Recycling bleibt Theorie
Die Bundesregierung verweist bei den Abfallmengen auf eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) aus dem Jahr 2022. Demnach fallen bis 2040 kumuliert 326.000 bis 430.000 Tonnen Abfall aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) aus reinen Rotorblättern an. Zusätzlich nennt das UBA 77.000 bis 212.000 Tonnen faserverstärkter Kunststoffe aus Rotorblätter-Typen mit GFK- und CFK-Anteilen. Allerdings hilft diese Spanne nur begrenzt, wenn ein industrielles Recyclingverfahren fehlt und die Flügel in der Praxis keinen stabilen Kreislauf finden.
Zugleich wächst der Materialberg jenseits der Verbundstoffe. Das UBA rechnet außerdem mit 835.000 Tonnen Stahl und 5,5 Millionen Tonnen Beton. Trotzdem entscheidet ausgerechnet der schwierigste Anteil über Akzeptanz und Kosten, weil Rotorblätter nicht wie Metall in Standardprozessen verschwinden. Windrad-Schrott konzentriert sich deshalb im öffentlichen Blick auf die Flügel, denn hier scheitert die Wiederverwertung besonders oft.
Entsorgungskosten steigen, solange Standards fehlen
Auch die Kosten treiben die Debatte. Greenpeace schätzt die Entsorgung je nach Anlagengröße auf 160.000 bis 305.000 Euro pro Windrad. Wenn Betreiber zugleich mehr Rückbau planen, dann wächst der Bedarf an planbaren Preisen und gesicherten Wegen. Ohne industriellen Maßstab drohen Engpässe, weil Entsorgung und Recycling dann um dieselben knappen Kapazitäten konkurrieren.
Deshalb wird die nächste Phase der Windkraft nicht nur über neue Anlagen entschieden, sondern auch über Demontage und Abfallmanagement. Wer heute Rückbau anstößt, braucht klare Nachweise, wohin Rotorblätter gehen, und wie die Beseitigung abläuft. Solange die Regierung dazu keine Übersicht liefert, bleibt Windrad-Schrott ein Risiko für Kommunen, Betreiber und Entsorger.
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