Bei Aalen-Waldhausen im Ostalbkreis hat sich am Sonntag, 5. Juli 2026 ein Rotorblatt einer Windenergieanlage gelöst. Waldhausen liegt östlich der Kernstadt Aalen auf dem Härtsfeld in Baden-Württemberg; der betroffene Windpark befindet sich zwischen Waldhausen und Hülen. Das Blatt stürzte aus rund 100 Metern Nabenhöhe neben den Turm, jedoch wurde nach aktuellem Stand niemand verletzt. Betreiber Statkraft sperrte deshalb die Zufahrten, nahm alle eigenen Anlagen außer Betrieb und ließ Gutachter die Ursache der Havarie prüfen.
Windpark auf dem Härtsfeld wird vollständig überprüft
Der Standort liegt auf einer Hochfläche, die seit Jahren für Windenergie genutzt wird. Statkraft übernahm den Windpark 2021, jedoch stammen die sieben Anlagen bereits aus den Jahren 2006 und 2007. Für Waldhausen laufen außerdem Repowering-Pläne, weil sechs neue Anlagen die alten Windräder ersetzen sollen.

Symbolbild: Shutterstock
Nach dem Blattverlust gingen sechs Anlagen nach Betreiberangaben automatisch vom Netz. Ein siebtes Windrad ließ sich jedoch nicht aus der Ferne stoppen. Ein Team setzte es deshalb am Montagvormittag direkt vor Ort außer Betrieb. Die Zufahrten blieben gesperrt, weil Techniker Trümmerteile und mögliche Folgeschäden ausschließen mussten.
Havarie zeigt Lücken bei der Erfassung schwerer Schäden
Der Vorfall ist kein isoliertes Ereignis, auch wenn solche Schäden selten bleiben. Eine branchennahe Schadensstatistik nennt seit 2005 mindestens 134 schwere Ereignisse an Windenergieanlagen in Deutschland. Darunter fallen 67 Brände, 30 Rotorblattabbrüche, 9 umgeknickte Anlagen und 5 Abstürze von Gondel und Flügeln. Der TÜV-Verband verweist außerdem auf rund 50 gravierende Schäden pro Jahr.
Diese Zahlen bleiben jedoch Mindestwerte. Anders als bei Verkehrsunfällen gibt es für Windrad-Havarien keine vollständige amtliche Erfassung in einer bundesweiten öffentlichen Statistik. Verkehrsunfälle nimmt die Polizei systematisch auf, anschließend veröffentlicht das Statistische Bundesamt detaillierte Daten. Bei Windenergieanlagen entsteht das Lagebild dagegen aus Betreiberangaben, Behördenmeldungen, Medienberichten und Branchenrecherchen.
Brände und Turmbruch verschärfen die Sicherheitsfrage
Brände zählen zu den häufigsten schweren Schäden an Windenergieanlagen. Sie treffen oft Gondel, Maschinenhaus oder Rotorbereich, jedoch erreichen Feuerwehren diese Brandstellen meist nicht aktiv. Einsatzkräfte sperren deshalb den Gefahrenbereich ab und lassen die Anlage häufig kontrolliert ausbrennen. Brennende oder glühende Teile können zudem zu Boden fallen und Flächen im Umfeld gefährden.
Mastbruch oder Turmbruch kommt deutlich seltener vor, hat jedoch besonders gravierende Folgen. Wenn ein Turm knickt oder eine Gondel abstürzt, entstehen große Trümmerfelder. Straßen, Feldwege oder Bahnstrecken müssen deshalb vorsorglich gesperrt werden. Für Betreiber beginnt danach eine aufwendige technische Prüfung, weil auch Fundament, Turmsegmente und Netzanschluss betroffen sein können.
Gutachter müssen die Ursache in Waldhausen klären
In Waldhausen steht die konkrete Ursache weiterhin nicht fest. Statkraft nennt Behörden, unabhängige Gutachter und den technischen Betriebsführer als Beteiligte der Untersuchung. Techniker sammelten außerdem Glasfasersplitter ein, die nach dem Absturz auf dem Gelände lagen. Das Abschlussgutachten muss deshalb klären, ob Material, Betrieb, Wartung oder äußere Einflüsse eine Rolle spielten.
Der Betreiber verweist auf Wartungen nach Herstellervorgaben und gesetzlichen Regeln. Laut regionaler Berichterstattung erfolgte das jüngste Weiterbetriebsgutachten am 21. Januar 2026. Statkraft erklärte dazu: „Wir werden gesicherte Erkenntnisse kommunizieren, sobald sie uns vorliegen.“ Gerade bei älteren Anlagen zeigt die Havarie jedoch, wie wichtig nachvollziehbare Schadensdaten und transparente Prüfberichte wären.
Repowering bringt Leistung, löst aber nicht jede Frage
Die Havarie trifft einen Standort, der ohnehin vor einem technischen Umbruch steht. Statkraft plant im Windpark Waldhausen den Rückbau der bisherigen Anlagen und den Bau von sechs Vestas-Anlagen des Typs V172. Sie sollen zusammen rund 43 Megawatt Leistung erreichen. Der bisherige Bestand kommt dagegen rechnerisch auf 14 Megawatt.
Die alten Anlagen liefern Strom für etwa 6000 Haushalte, während die neuen Windräder mehr als 25.000 Haushalte versorgen sollen. Das Repowering erhöht deshalb die Stromproduktion deutlich. Es ersetzt jedoch nicht die Aufarbeitung des aktuellen Schadens. Denn mehr Leistung beantwortet nicht automatisch die Frage, wie systematisch Deutschland schwere Windrad-Havarien erfasst und auswertet.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Schwäbische Post (06.07.26) – Statkraft (06.07.26) – TÜV Verband(Stand 07.07.26) – Juwi (Stand:07.07.26)
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