Windkraftprojektierer Abo Energy in der Krise – Aktie stürzt über 80 Prozent ab

Der Windkraftprojektierer Abo Energy stürzt an den Kapitalmärkten ab und für Anleger wird das zum handfesten Vermögensverlust. Die börsennotierte Unternehmensanleihe von 2024 notiert nur noch bei rund 16 Prozent des Nennwerts, wodurch sich der Marktwert vieler Positionen faktisch um mehr als 80 Prozent verringert hat. Wer verkaufen muss, realisiert hohe Abschläge, während die Aktie parallel in kurzer Zeit ebenfalls über 80 Prozent eingebrochen ist. Viele Privatanleger erleiden massive Verluste (taz: 01.02.26).


Anleihe fast entwertet – der Markt preist Rückzahlungsrisiken ein

Der Kurs von 16 Prozent ist kein „Rabatt“, sondern ein Alarmzeichen, denn der Markt bewertet das Papier des Windkraftprojektierers wie einen Krisenfall. Damit steht nicht nur die Rendite unter Wasser, sondern auch die Erwartung, dass Kapital termingerecht zurückfließt. Viele Privatanleger unterschätzen dieses Signal, weil eine Anleihe oft als defensiv gilt, jedoch kann sie bei Unternehmensstress brutal kippen.

 2024-Anleihe des Windkraftprojektierers Abo Energy fällt auf 16 % ihres Anlagewertes – Aktie stürzt um 80 % ab – Anleger verlieren massiv
2024-Anleihe des Windkraftprojektierers Abo Energy fällt auf 16 % ihres Anlagewertes – Aktie stürzt um 80 % ab – Anleger verlieren massiv

Der Einbruch kam in Stufen und genau das verschärfte die Schäden. Nach der ersten Gewinnwarnung im November halbierte sich die Anleihe-Notierung, später rutschte sie noch viel weiter ab. Dadurch entsteht ein doppelter Effekt: Erst sinkt der Buchwert im Depot und dann wird ein Verkauf zur Verlustrealisierung, weil Liquidität oft nur mit großem Abschlag möglich ist.

Verlustprognose schockt – von 95 auf 170 Millionen Euro

Abo Energy verschärfte die Prognose für 2025 zunächst auf 95 Millionen Euro Verlust, später auf 170 Millionen Euro Konzernjahresfehlbetrag und damit bricht Vertrauen weg. Solche Sprünge wirken hart, weil sie Planungsannahmen entwerten und Kreditgespräche erschweren. Anleger sehen dann nicht mehr ein Problem im Detail, sondern ein Risiko im System.

Als Ursache nennt das Unternehmen ein „aktuell besonders herausforderndes nationales und internationales Marktumfeld“. Außerdem verweist es auf die Mechanik der Wind-an-Land-Auktionen. Überzeichnete Ausschreibungen drücken die Erlöse, weil die erwarteten Einspeisevergütungen sinken. Gleichzeitig musste Abo Energy Projekte neu bewerten und deshalb schlugen Sonderabschreibungen spürbar in der Bilanz durch.

Privatanleger im Feuer – zwei Anleihen, hohe Zinsen, hohes Risiko

Viele Betroffene kamen über die Anleihen an Bord, denn die Mindestanlage lag bei 1.000 Euro. Die erste Anleihe aus 2021 läuft neun Jahre und trägt 3,5 Prozent Zins. Der Vertrieb lief weitgehend über die sozial-ökologische GLS Bank. Diese Anleihe wird nicht an der Börse gehandelt, wodurch sich der Schaden weniger sichtbar zeigt, obwohl das Risiko im Emittenten bleibt.

Die zweite Anleihe aus 2024 war 80 Millionen Euro schwer und bot 7,75 Prozent Zins, während sie börsennotiert ist. Genau diese Handelbarkeit zeigt nun die Härte, weil der Kursverfall den Vermögensverlust sofort offenlegt. Hohe Zinsen wirken in Prospekten attraktiv, jedoch verlieren sie jede Schutzwirkung, wenn der Markt das Ausfall- oder Restrukturierungsrisiko neu einpreist.


Stillhaltevereinbarung und Abstimmung – jetzt entscheidet sich die Gläubiger-Front

Abo Energy braucht ein Sanierungskonzept, und deshalb schloss die Gesellschaft mit wesentlichen Fremdkapitalgebern eine Stillhaltevereinbarung. Banken kündigen damit vorerst nicht, solange Gespräche laufen, aber Anleger erhalten dadurch keine Garantie. Im Gegenteil: In solchen Phasen verhandeln Gläubiger oft neue Bedingungen und das kann zu Laufzeitverlängerungen oder anderen Einschnitten führen.

In Kürze sollen die Gläubiger der 2024er Anleihe über den Beitritt zur Stillhaltevereinbarung und Änderungen der Anleihebedingungen entscheiden. Eine Infoveranstaltung ist für den 5. Februar angesetzt, außerdem soll die Abstimmung vom 10. bis 12. Februar laufen. Die 2021er-Anleihe betrifft das nicht direkt, weil ihre Bedingungen anders aufgebaut sind, dennoch bleibt das Emittentenrisiko zentral.

SdK, Ecoreporter, „Blackbox“ – Anleger suchen Hebel und Informationen

Der Informationsdienst Ecoreporter rät, Aktie und Anleihe derzeit weder zu kaufen noch zu verkaufen, sondern die nächsten Schritte abzuwarten. Gleichzeitig empfiehlt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die Interessen der Anleiheinhaber zu bündeln, damit sie gegenüber dem Unternehmen geschlossen auftreten. Geplant ist eine Anleihegläubigerversammlung und dort soll die Geschäftsführung zur Lage berichten. Zudem steht die Wahl eines gemeinsamen Vertreters im Raum.

Die Informationslage gilt als schwierig, denn die WirtschaftsWoche zitierte Einschätzung lautet: „Für Anleger ist Abo Energy in wesentlichen Punkten eine Blackbox.“ Abo Energy betont zwar, man verfüge „über ein signifikantes und werthaltiges Projektportfolio“, trotzdem zählt am Markt die kurzfristige Zahlungs- und Refinanzierungsfähigkeit. Der Verkauf von drei Solarprojekten in Frankreich mit zusammen 85 Megawatt bringt zwar Liquidität, doch er ersetzt keine stabile Ertragsbasis und daher bleibt das Risiko für Anleger weiter akut.

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