In Wien hat das Innenministerium das Projekt TRON beendet, bei dem seit 2023 Elektrofahrzeuge als Polizeiautos im Streifendienst getestet wurden. Negative Praxiserfahrungen im laufenden Einsatzbetrieb gaben den Ausschlag, deshalb stoppte Innenminister Gerhard Karner den Versuch vorzeitig. Der Test lief in realen Lagen und in mehreren Bundesländern, jedoch zeigten sich in der Praxis wiederholt Grenzen bei Ladepausen, Ausrüstung und Dauerverfügbarkeit. Als kritischer Faktor erwies sich die fehlende Einsatzreserve bei langen Schichten, weil Fahrzeuge nicht ohne Weiteres nachgeladen werden konnten. Die Folge trifft den Fuhrpark sofort: Vorläufig kommt kein regulärer Umstieg und Verbrenner bleiben im täglichen Dienst das Rückgrat (kurier: 24.02.26).
Einsatzalltag kippt Konzept im Streifendienst
TRON sollte klären, ob Elektrofahrzeuge den klassischen Streifendienst tragen können, dabei setzte das Innenministerium auf eine schnelle Modernisierung der Flotte. Im Test kamen unter anderem Modelle wie VW ID.3 und VW ID.4 zum Einsatz, dazu wurden insgesamt 22 Fahrzeuge geleast. Die Erprobung lief nicht nur in Wien, sondern auch in Niederösterreich, Tirol und der Steiermark, der Nutzen blieb jedoch im Einsatz begrenzt.

Entscheidend war die Verfügbarkeit, denn Polizeifahrzeuge müssen ohne Vorlauf starten können. Ladepausen passten oft nicht in den Dienstplan, deshalb mussten Teams Fahrzeuge häufiger tauschen. Das band zusätzliche Ressourcen, während im Hintergrund weiterhin konventionelle Fahrzeuge bereitstehen mussten.
Ladepausen wurden zum operativen Problem in der Praxis
Die Ladeinfrastruktur erwies sich als Engpass, weil Streifenarbeit selten planbare Standzeiten bietet. Wenn ein Fahrzeug an die Säule muss, fehlt es im Revier, zugleich entstehen Lücken in der Abdeckung. In der Praxis bedeutete das oft einen Wechsel auf ein anderes Auto, weshalb faktisch eine Doppelhaltung notwendig war.
Auch die Ausrüstung spielte hinein, denn Funktechnik, Schutzmaterial und Zusatzlast drücken Reichweite und Nutzbarkeit. Bei einzelnen Fahrzeugen stieß zudem das Platzangebot an Grenzen, da die Ausrüstung nicht vollständig untergebracht werden konnte. Hinzu kam die Bedienlogik moderner Cockpits, weil Touchflächen in stressigen Fahrsituationen schlechter bedienbar sein können als klassische Schalter.
Gewerkschaft drängt bei Polizeiautos auf Einsatzkriterien im Streifendienst
Aus Polizeikreisen kam früh Kritik, diese zielte weniger auf Ideologie als auf Tauglichkeit im Ernstfall. Elektrofahrzeuge eignen sich nach dieser Lesart eher für Verwaltungs- und Botendienste, weil dort Ladepausen besser planbar sind. Für dynamische Lagen fehlt dagegen die Reserve, deshalb blieb ein Verbrenner zur Absicherung notwendig.
Zusätzliche Diskussionen gab es rund um Fahrleistungen, wobei einzelne Modelle bei der Endgeschwindigkeit begrenzt waren. Für normale Streifenfahrten reicht das, jedoch benötigen Verfolgungen und schnelle Verlegungen andere Reserven. In engen Innenstadtbereichen kamen außerdem praktische Grenzen hinzu, weil Größe und Gewicht die Wendigkeit beeinflussen.
Kein endgültiges Aus, aber klare Zwischenbilanz
Das Ministerium schließt neue Tests nicht aus, wartet aber zunächst auf technische Fortschritte bei Batterien und Ladeleistung. Bis solche Systeme im Alltag eine durchgehende Einsatzfähigkeit im Streifendienst liefern, bleibt der Status quo bestehen. TRON endet damit vorläufig, bis sich die Technik soweit verbessert, dass sie auch in Polizeiautos eingesetzt werden kann.
Für Wien zählt am Ende die einfache Rechnung: Einsatzbereitschaft schlägt Experiment, deshalb bleibt der Antrieb der Flotte weiter konventionell. Ob ein zweiter Anlauf gelingt, hängt an Ladeinfrastruktur, Reichweite unter Last und robuster Bedienbarkeit im Stress.
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