Die RB 27 verbindet Berlin mit dem nördlichen Umland in Brandenburg. Am 10. Januar 2026 geriet der Betrieb ins Stocken. Es fehlte Wasserstoff zum Betanken, deshalb blieben die Wasserstoffzüge der Heidekrautbahn stehen. Der Wasserstoffmangel traf die Linie an einem Wochenende. Die Anzeigen auf den Bahnsteigen zeigte „Betriebsstörung! (keine Lieferung von Treibstoff)“ (berliner-zeitung: 12.01.26).
RB 27 ohne Treibstoff: Warum die Versorgung den Fahrplan bestimmt
Die Strecke ist nicht elektrifiziert, deshalb fahren dort keine klassischen Triebzüge mit Strom aus der Oberleitung. Die RB 27 ist auf Fahrzeuge mit eigenem Antrieb angewiesen und genau hier wurde der Engpass sichtbar: Ohne Wasserstoff zum Betanken konnten die Wasserstoffzüge nicht in den Umlauf gehen. Am 11. Januar 2026 stellte der Betreiber den Verkehr zwischen Berlin-Karow und Basdorf zeitweise vollständig ein, sodass Busse die Lücke schließen mussten. Für viele Fahrgäste zählt in solchen Momenten nur ein verlässlicher Takt, weil Anschlüsse im Umland oft knapp kalkuliert sind.

Symbolbild
Die Heidekrautbahn steht sonst häufig wegen Signalen oder Weichen in den Meldungen, jedoch wirkt ein fehlender Treibstoff grundlegender. Wenn die Versorgung ausfällt, kippt nicht nur ein Umlauf, sondern gleich das gesamte Tageskonzept. Das gilt besonders, weil die neuen Wasserstoffzüge auf eine funktionierende Betankung angewiesen bleiben.
Förderung, Erwartungsdruck und die Rückkehr eines bekannten Problems
Seit Ende 2024 fährt die Linie mit Wasserstoffzügen. Der Bund unterstützte neue Fahrzeuge, Tankstelle und Wasserstoffwerk mit 25 Millionen Euro. Das Projekt sollte zeigen, dass Klimaschutz auch ohne Oberleitung funktioniert.. Doch schon zum Jahreswechsel 2024/25 standen Züge still, weil die Lieferkette nicht genug Treibstoff bereitstellte.
Jetzt wiederholt sich der Engpass, obwohl die Umstellung längst im Regelbetrieb angekommen sein sollte. Der aktuelle Wasserstoffmangel zeigt, wie empfindlich das System bleibt, denn jeder fehlende Tankvorgang wirkt sofort auf den Fahrplan. Für die Region ist das mehr als ein Ausfalltag, sondern ein Test, ob die Versorgung dauerhaft trägt.
Aussage aus dem Betrieb: Kritik an Technik und Alltagstauglichkeit
In Gesprächen aus dem Umfeld der Strecke wird der Ton schärfer, denn ein Mitarbeiter der Heidekrautbahn spricht von einem Symbolprojekt. „Die Wasserstoffzüge sind ein reines Prestige-Objekt“, sagt er und er verweist auf wiederkehrende Defekte. „Abgesehen von der Belieferung gibt es ständig Probleme, mindestens dreimal die Woche fallen Züge aus.“
Er beschreibt damit nicht nur die Logistik, sondern auch die Technik im Dauerbetrieb. Brennstoffzellen gelten als sensibel. Störungen blockieren schnell ganze Umläufe. Im Gespräch fällt deshalb auch ein Begriff, der im Betrieb längst kursiert: H2-Züge klingen modern, doch sie brauchen eine Versorgung ohne Aussetzer.
Betreiber NEB, Busse und die offene Frage nach der Verlässlichkeit
Betreiber ist die Niederbarnimer Eisenbahn, wobei Landkreise und Gemeinden als Anteilseigner im Hintergrund stehen. Eine Antwort auf Fragen nach dem Zeitplan blieb am 11. Januar 2026 aus, deshalb fehlte vielen Fahrgästen eine klare Perspektive. Auf der Strecke half nur der Ersatzverkehr und der soll in solchen Fällen den Schaden begrenzen, nicht Normalzustand werden.
Der Mitarbeiter zieht eine Konsequenz, denn er priorisiert Planbarkeit: „Wir würden lieber wieder mit Diesel-Loks fahren.“ Das klingt nach Rückschritt, jedoch zielt es auf Betriebssicherheit. Die RB 27 wird zur Messlatte für die Verkehrswende, weil sie zeigt, ob neue Antriebe auch unter Alltagsdruck funktionieren.
Was der Ausfall politisch bedeutet
Wenn ein Wasserstoffmangel eine Regionalbahn stoppt, entstehen Fragen nach Verantwortung und Reserven, denn Infrastrukturprojekte brauchen belastbare Lieferketten. Für die Heidekrautbahn reicht ein Hinweis auf Störungen nicht aus, sondern es zählt ein stabiler Prozess von Produktion bis Betankung. Sonst bleibt der Eindruck, dass die Strecke zwar modern wirkt, aber operativ zu wenig Puffer besitzt.
Am Ende zählt, ob die RB 27 wieder verlässlich fährt, denn Pendler planen nicht mit Pressemitteilungen. Jeder Tag mit Ersatzverkehr kostet Zeit und jeder erneute Engpass beschädigt die Akzeptanz. Für die Region braucht es deshalb einen Plan, damit aus dem Wasserstoff-Engpass keine Dauerkrise wird und der Schienenersatzverkehr wieder Ausnahme bleibt.
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