Wahl in Baden-Württemberg bestätigt Grüne – eine energiepolitische Bilanz der letzten 15 Jahre

Baden-Württemberg hat mit der Wahl vom 8. März 2026 den politischen Kurs seit 2011 bestätigt. Die Grünen wurden erneut stärkste Kraft. Der Ausgang der Wahl verlängert damit nicht nur die bisherige Regierungszeit, sondern lenkt zugleich den Blick auf eine ernüchternde energiepolitische Bilanz des Industrielandes, dessen Bruttostromerzeugung von 66 Terawattstunden im Jahr 2010 auf 34,067 Terawattstunden im Jahr 2024 sank. Auslöser waren vor allem die Abschaltungen der Kernkraftwerke sowie der sinkende Einsatz von Steinkohle, während der Ausbau der erneuerbaren Energien die wegfallenden Kraftwerkskapazitäten nicht ausglich. Zugleich sank der Bruttostromverbrauch nur auf 61,7 Terawattstunden, deshalb wuchs die Lücke zwischen Bedarf und eigener Produktion deutlich. Die Folgen reichen über die Energieversorgung hinaus: Baden-Württemberg ist heute stärker auf Stromimporte angewiesen, während die Wirtschaft an Dynamik verliert und hohe Energiepreise zunehmend in Insolvenzen, Produktionsrückgänge und den Abbau von Arbeitsplätzen münden


Weniger Kraftwerke, weniger Strom, mehr Abhängigkeit

Der Einbruch bei der Stromproduktion markiert den Kern dieser Entwicklung. Im Jahr 2024 fiel die Stromerzeugung laut Statistischem Landesamt auf den niedrigsten Stand seit rund vier Jahrzehnten, während 2010 noch fast doppelt so viel Strom im Land produziert wurde. Verantwortlich dafür ist die Abschaltung der Kernkraftwerke und der Rückgang der Kohleverstromung, deshalb verlor Baden-Württemberg in kurzer Zeit einen großen Teil seiner gesicherten Leistung.

Wahl in Baden-Württemberg bestätigt den Kurs der Grünen - die energiepolitische Bilanz der letzten 15 Jahre fällt ernüchternd aus
Wahl in Baden-Württemberg bestätigt den Kurs der Grünen – die energiepolitische Bilanz der letzten 15 Jahre fällt ernüchternd aus

Der Ausbau der erneuerbaren Energien änderte an dieser Grundlinie wenig. Zwar stieg ihre Erzeugung deutlich, zugleich erreichten Wind, Sonne, Wasser und Biomasse 2024 bereits 59 Prozent der heimischen Stromproduktion. Entscheidend ist jedoch die absolute Menge: Rund 20 Terawattstunden aus erneuerbaren Quellen ersetzten die früheren Kern- und Kohlekraftwerke nicht, während der Strombedarf im Land hoch blieb.

Stromverbrauch sinkt nicht aus Stärke, sondern im Schatten wirtschaftlicher Erosion

Der Rückgang beim Stromverbrauch wirkt auf den ersten Blick wie eine Erfolgsmeldung. Tatsächlich sank der Bruttostromverbrauch um rund ein Viertel von 81,4 Terawattstunden im Jahr 2010 auf 61,7 Terawattstunden im Jahr 2024, die heimische Erzeugung fiel jedoch noch deutlich schneller. In einem stark industrialisierten Bundesland spricht das nicht nur für Effizienzgewinne, sondern auch für geringere industrielle Aktivität, schwächere Produktion und den Verlust wirtschaftlicher Substanz.

Diese Entwicklung zeigt sich auch in den Wirtschaftsdaten. 2024 wurden in Baden-Württemberg 2.445 Unternehmensinsolvenzen beantragt, das waren 30,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders deutlich wird die Lage im verarbeitenden Gewerbe. Dort stieg die Zahl der Insolvenzen auf 264 Fälle. Das entspricht einem Plus von 50,9 Prozent. Wo Betriebe scheitern, gehen Aufträge verloren. Investitionen bleiben aus. Arbeitsplätze verschwinden. Gerade energieintensive Unternehmen brauchen viel Strom. Sie sind zudem auf eine verlässliche Versorgung angewiesen.

Die Erosion der Wirtschaft dürfte sich auch nach der Wahl fortsetzen. Vor allem die Automobilindustrie und ihre Zulieferer haben bereits weitere Stellenstreichungen für die kommenden Jahre angekündigt.


Industrie verliert Gewicht – Kurs bleibt nach der Wahl trotzdem bestehen

Der Arbeitsmarkt gerät nicht durch einen plötzlichen Einbruch unter Druck. Die Veränderung verläuft schleichend. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an allen Erwerbstätigen in Baden-Württemberg sank von 24,9 Prozent im Jahr 2010 auf 23,7 Prozent im Jahr 2023. Zugleich ging auch der Anteil des produzierenden Gewerbes insgesamt zurück. Das zeigt, dass Industriearbeitsplätze im Land an Bedeutung verlieren. Baden-Württemberg zählt wirtschaftlich zwar weiter zu den stärksten Standorten Deutschlands. Dennoch verliert die Industrie im Gesamtgefüge an Gewicht.

Genau darin liegt die politische Brisanz der Wahl vom 8. März 2026. Die Grünen bleiben stärkste Kraft. Trotzdem hat ihre Regierungszeit die Abhängigkeit von externer Versorgung erhöht. Zugleich hat das Land wirtschaftlich deutlich an Kraft verloren. Baden-Württemberg setzt damit einen Kurs fort, der die eigene Erzeugungsbasis weiter verkleinert. Gleichzeitig leidet die Industrie unter steigenden Insolvenzen, wachsendem Wettbewerbsdruck und größerer Unsicherheit. Deshalb ziehen sich immer mehr Unternehmen aus dem Bundesland zurück. (KOB)

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