Von der Leyen warnt in einem Brief an alle EU-Chefs vor Atomausstieg

In Brüssel hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 16. März 2026 in einem Brief an die Staats- und Regierungschefs der EU ausdrücklich davor gewarnt, funktionierende Atomkraftwerke voreilig stillzulegen. Auslöser ist der verschärfte Iran-Konflikt im Nahen Osten, der laut Schreiben schwere geopolitische und geoökonomische Folgen für Europa auslöst und bereits Energie, Handel, Transport, Finanzen sowie Lieferketten belastet. Gerade in dieser Lage sieht von der Leyen Europas starke Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen als zentrales Risiko. Seit Beginn des Konflikts hat die EU deshalb nach Angaben der Kommission bereits zusätzliche 6 Milliarden Euro für fossile Energieimporte ausgegeben. Sollte es zu längeren Störungen bei Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion kommen, drohen zudem neue Preisschübe, Belastungen für die Industrie und spürbare Folgen für Verbraucher (table.media: 16.03.26).


Brief macht die Warnung vor AKW-Abschaltungen zum Kernpunkt

Der Brief setzt einen klaren Schwerpunkt. Von der Leyen fordert nicht nur kurzfristige Hilfen gegen den Energieschock, sondern spricht auch die bestehende Stromerzeugung direkt an. Sie warnt davor, Kraftwerke vom Netz zu nehmen, die weiterhin verlässlich, günstig und emissionsarm Strom liefern können. Damit rückt sie funktionierende Kernkraftwerke ins Zentrum der Debatte über Versorgungssicherheit und Strompreise. Indirekt kritisiert sie damit auch den deutschen Atomausstieg.

Von der Leyens Brief warnt die EU-Regierungschefs vor der Abschaltung funktionierender Atomkraftwerke und vor neuen Strompreisschüben
Von der Leyens Brief warnt die EU-Regierungschefs vor der Abschaltung funktionierender Atomkraftwerke und vor neuen Strompreisschüben

Diese Passage ist politisch brisant, weil sie den weiteren Umgang mit bestehenden Reaktoren neu gewichtet. Im Schreiben geht es nicht um Symbolpolitik, sondern um verfügbare Kapazitäten im laufenden System. Solange diese Anlagen stabil Strom liefern, sollen sie aus Sicht der Kommission einen Beitrag leisten. Der Brief betrachtet sie deshalb als Teil der Lösung und nicht als Altlast aus früheren energiepolitischen Entscheidungen.

Stromversorgung soll trotz Iran-Konflikt stabil bleiben

Von der Leyen verweist zugleich auf die Struktur des europäischen Strommixes. Der Anteil der erneuerbaren Energien am EU-Strom ist von 36 Prozent im Jahr 2021 auf 48 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Zusammen mit der Kernenergie stammen damit inzwischen mehr als 70 Prozent des Stroms aus CO2-armen Quellen. Gerade deshalb wirkt eine voreilige Abschaltung bestehender Atomkraftwerke aus Sicht der Kommission riskant.

Fallen funktionierende Reaktoren weg, steigt der Druck auf andere Erzeugungsarten. Dann könnten teurere fossile Kraftwerke stärker benötigt werden, während Europa zugleich weniger widerstandsfähig gegen externe Krisen wäre. Der Brief verbindet diese Gefahr direkt mit den hohen Energiepreisen. Versorgungssicherheit, geringe Emissionen und bezahlbarer Strom hängen aus dieser Sicht eng zusammen.


Hohe Preise sollen an mehreren Punkten gedrückt werden

Von der Leyen fordert deshalb schnelle nächste Schritte gegen dauerhaft hohe Strompreise. Neue Hilfen sollen gezielt, zeitlich begrenzt und finanziell kontrollierbar bleiben. Zugleich dürfen sie die Dekarbonisierung nicht ausbremsen. Die Kommission will daher nicht nur die Krisenfolgen aus dem Konflikt mit dem Iran dämpfen, sondern an die strukturellen Ursachen heran.

Der Brief nennt dafür vier zentrale Hebel: den eigentlichen Strompreis, Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie CO2-Kosten. Geplant sind mehr langfristige Stromverträge, Entlastungen für energieintensive Industrien, geringere Netzkosten und eine günstigere Behandlung von Strom gegenüber Gas. Gerade vor diesem Hintergrund erhält die Warnung vor der Abschaltung funktionierender Atomkraftwerke zusätzliches Gewicht. Wer bestehende, verlässliche und kostengünstige Kapazitäten voreilig aufgibt, verschärft am Ende genau das Problem, das die EU nun dringend lösen will.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen