Versorgungskrise am Ölmarkt – Straße von Hormus treibt Asien in akute Not

Die Schließung der Straße von Hormus infolge des Kriegs im Nahen Osten hat eine globale Versorgungskrise am Ölmarkt ausgelöst, die weit tiefer reicht, als es Brent und WTI derzeit anzeigen. Etwa ein Fünftel der weltweiten Ölförderung ist dadurch vom Weltmarkt abgeschnitten, während vor allem asiatische Raffinerien sofort unter Druck geraten, weil sie stark von Lieferungen aus dem Golf abhängen. Der entscheidende Risikofaktor ist die akute Knappheit sofort verfügbarer Rohölsorten, weshalb Preise für Oman- und Dubai-Öl auf Rekordwerte steigen und zugleich auch ähnliche Qualitäten aus Norwegen, Algerien und Kasachstan deutlich teurer werden (ft: 18.03.26).


Brent und WTI verdecken den eigentlichen Engpass

Viele Marktteilnehmer blicken zuerst auf Brent und WTI, jedoch zeigen diese Referenzpreise am Ölmarkt nur einen Teil der Lage. Brent steht vor allem für Nordsee-Öl, WTI für Rohöl aus Texas und dem Golf von Mexiko. Öl ist zugleich kein einheitliches Produkt, sondern unterscheidet sich bei Dichte, Schwefelgehalt und Verwendungszweck, weshalb einzelne Sorten je nach Region und Abnehmer sehr verschieden bewertet werden.

Die Öl-Versorgungskrise eskaliert: Die Blockade der Straße von Hormus löst akute Engpässe in Asien aus und gefährdet den Weltmarkt
Die Öl-Versorgungskrise eskaliert: Die Blockade der Straße von Hormus löst akute Engpässe in Asien aus und gefährdet den Weltmarkt

Genau deshalb wirkt die Krise in den großen Indizes kleiner, als sie tatsächlich ist. Die aktuellen Brent- und WTI-Kontrakte betreffen vor allem Lieferungen im kommenden Monat, während dann zusätzlich Öl aus strategischen Reserven auf den Markt kommen könnte. Diese zeitliche Verschiebung dämpft die Notierungen vorerst, obwohl der physische Markt bereits unter massiver Knappheit leidet. Wer nur auf Brent schaut, erkennt deshalb nicht die volle Versorgungskrise, die sich bei sofort verfügbaren Fässern längst entfaltet.

Versorgungskrise in Asien: Oman und Dubai senden das Warnsignal

Die schärfsten Ausschläge zeigen sich bei jenen Sorten, die den blockierten Golf-Lieferungen besonders ähnlich sind. Oman-Öl sprang zunächst auf fast 154 Dollar je Barrel und erreichte danach sogar 173,24 Dollar. Damit liegt dieser Benchmark über dem berüchtigten Preisschub von 2008. Auch Rohöl aus Norwegen, Algerien und Kasachstan verteuert sich stark, weil Käufer gezielt nach vergleichbaren Qualitäten suchen.

Ein Analyst brachte die Ursache klar auf den Punkt: „Es ist reine physische Knappheit, die die Preise treibt.“ Genau das macht die Lage so brisant. Es geht nicht nur um Unsicherheit an den Terminmärkten, sondern um fehlende Ladungen für Raffinerien, die jetzt Rohstoff brauchen. Vor allem in Asien nimmt diese Versorgungskrise deshalb früh Gestalt an, weil dort die Abhängigkeit vom Golf besonders hoch ist und Ersatzfässer nicht schnell genug eintreffen.


Asien spürt den Schock zuerst, doch der Westen bleibt nicht verschont

China, Indien, Japan und Südkorea gehören zu den wichtigsten Käufern jener Mengen, die normalerweise durch die Straße von Hormus fließen. Insgesamt bezieht Asien rund 11,2 Millionen Barrel Rohöl und zusätzlich 1,4 Millionen Barrel raffinierte Produkte pro Tag über diese Route. Deshalb trifft der unmittelbare Mangel am Ölmarkt zuerst diese Region, während erste Anzeichen einer Nachfrageschwächung bereits sichtbar werden, weil Produktpreise steigen und Spotladungen kaum noch bezahlbar sind.

Hinzu kommt der Transportfaktor, der die Marktspaltung weiter verstärkt. Eine Lieferung aus dem Golf nach Asien braucht meist 10 bis 15 Tage, nach Europa jedoch rund 25 bis 30 Tage über den Suezkanal oder sogar 35 bis 45 Tage über das Kap der Guten Hoffnung. Deshalb trifft der Ausfall Asien schneller und härter, während der Atlantikraum vorerst noch von Lagerbeständen profitiert. Bleibt die Meerenge geschlossen, werden jedoch auch Brent und WTI deutlich nachziehen, weil dann die Puffer sinken und die globale Knappheit voll in den großen Referenzpreisen ankommt.

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