Uniper will Deutschlands drittgrößten Gasspeicher stilllegen – Füllstand in Breitbrunn nur noch 19 %

Der Gasspeicher Breitbrunn in Bayern weist einen kritisch niedrigen Füllstand auf. Mit rund 19 Prozent liegt er deutlich unter der gesetzlichen Zielmarke. Gleichzeitig plant der Betreiber Uniper die Stilllegung der Anlage. Damit sinkt die verfügbare Gasreserve für Süddeutschland, während der laufende Winter weiterhin eine hohe Nachfrage erzeugt (nn: 29.01.26).


Gesetzliche Vorgaben klar unterschritten

Nach der Gasspeicherfüllstandsverordnung müsste der Speicher am 1. Februar zu mindestens 40 Prozent gefüllt sein. Breitbrunn verfehlt diese Marke deutlich. Während der bundesweite Durchschnitt zuletzt bei etwa 36 Prozent lag, fällt der bayerische Standort stark ab. Das ist relevant, weil die Vorgaben für Bayern bewusst strenger ausfallen als in anderen Regionen.

Uniper plant die Stilllegung des drittgrößten Gasspeichers in Deutschland - der Füllstand in Breitbrunn liegt nur noch 19 Prozent
Uniper plant die Stilllegung des drittgrößten Gasspeichers in Deutschland – der Füllstand in Breitbrunn liegt nur noch 19 Prozent

Bereits vor Beginn der Heizsaison zeigte sich das Defizit. Am 1. November 2025 lag der Füllstand bei knapp 57 Prozent, obwohl 80 Prozent vorgesehen waren. Damit startete der Speicher mit einem klaren Nachteil in den Winter. Diese Ausgangslage verschärfte sich im weiteren Verlauf der Heizperiode.

Größter Speicher Bayerns verliert an Bedeutung

Breitbrunn ist kein Randstandort. Der Porenspeicher gilt als größter Gasspeicher Bayerns und als drittgrößter in Deutschland. Seine maximale Kapazität beträgt rund 11,5 Terawattstunden Erdgas. Aktuell sind davon nur noch etwa 2,2 Terawattstunden eingelagert. Damit verliert der Standort seine Funktion als verlässlicher Winterpuffer.

Porenspeicher gelten technisch als aufwendig. Das Gas wird in poröses Tiefengestein gepresst, was den Betrieb teurer macht als bei Kavernenspeichern. Deshalb nutzen Händler diese Speicherart vor allem saisonal. Die Nachfrage bleibt entsprechend begrenzt, insbesondere bei unsicheren Marktbedingungen.

Uniper sieht keinen wirtschaftlichen Betrieb mehr

Uniper begründet die geplante Stilllegung mit fehlender Wirtschaftlichkeit. Eine Sprecherin erklärte gegenüber den Nürnberger Nachrichten wörtlich: „Wir können den Speicher in Breitbrunn nicht wirtschaftlich betreiben“. Die Margen seien sehr gering oder bereits negativ. Vor diesem Hintergrund beantragte Uniper die Stilllegung zum 31. März 2027.

Bis dahin soll der Speicher noch einen Winter lang genutzt werden. Danach würde der Standort vom Netz gehen. Die Entscheidung reiht sich in eine Entwicklung ein, die bereits sichtbar ist. Schon 2023 wurde ein anderer Gasspeicher in Bayern nahe Nürnberg stillgelegt.


Widerstand aus der Landespolitik

Aus der bayerischen Landespolitik kommt deutlicher Gegenwind. Energieminister Hubert Aiwanger forderte die Bundesnetzagentur auf, die Genehmigung zu verweigern. Er sieht die Versorgungssicherheit im Freistaat gefährdet. Damit prallen wirtschaftliche Argumente und politische Sicherheitsinteressen direkt aufeinander.

Uniper betont, dass andere Speicherstandorte nicht betroffen seien. Dennoch zeigt der Fall Breitbrunn, wie fragil das System geworden ist. Jeder einzelne Speicher gewinnt an Bedeutung, wenn die Gesamtlage angespannt bleibt.

Fehlende Anreize für volle Speicher

Das Problem beschränkt sich nicht auf Breitbrunn. Auch an anderen Standorten lohnt sich das Vorhalten von Gas für Betreiber kaum noch. Die sogenannte Speicherarbitrage, also der Gewinn aus saisonalen Preisunterschieden, ist stark geschrumpft. Monatliche Füllstandsvorgaben begrenzen die Flexibilität zusätzlich.

Uniper erklärte zuletzt, die Versorgungssicherheit mit Erdgas in Deutschland sei aktuell „nicht garantiert“. Das Unternehmen fordert verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen. Außerdem verlangt es gezielte Marktanreize, um Speicher wieder wirtschaftlich befüllen zu können.

Gefahr einer Notlage im Spätwinter

Schon zu Beginn dieses Winters lagen die Speicherstände unter dem Vorjahresniveau. Dieser Trend setzte sich fort, auch weil die Heizperiode vergleichsweise kalt ausfiel. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte bereits im Februar eine angespannte Lage entstehen.

In einem solchen Szenario wären zunächst industrielle Großverbraucher betroffen. Abschaltungen in der Industrie gelten als erster Schritt, bevor weitere Maßnahmen folgen. Der niedrige Füllstand in Breitbrunn verschärft dieses Risiko, weil regionale Ausgleichsmöglichkeiten fehlen.

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