Umfrage belegt: Klimaschutz und Energiewende verlieren Rückhalt in der Bevölkerung

Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der BMW Foundation Herbert Quandt registriert weniger Rückhalt für Klimaschutz und Energiewende. Viele Haushalte erleben einen gesunkenen Lebensstandard, weil die Preise stark gestiegen sind und zugleich wächst die Angst um Arbeitsplätze durch den wirtschaftlichen Abschwung. Außerdem lässt die Sorge um eine gesicherte und bezahlbare Energieversorgung die Stimmung kippen, weil die Versorgungssicherheit für viele wieder eine höhere Priorität hat (bmw-foundation: 11.02.26).


Klimaschutz rutscht in der Agenda nach hinten

Der Anteil der Menschen, die sich große Sorgen über die Folgen des Klimawandels machen, liegt aktuell bei 33 Prozent. Zwischen 2010 und 2019 war dieser Wert von 29 auf 51 Prozent gestiegen und bis 2022 etwa stabil geblieben. Seither ging er zurück, zunächst auf 36 Prozent und nun noch weiter.

Umfrage: Klimaschutz und Energiewende verlieren Rückhalt - Preise, Jobangst und Sorgen um bezahlbare Energieversorgung treiben die Skepsis
Umfrage: Klimaschutz und Energiewende verlieren Rückhalt – Preise, Jobangst und Sorgen um bezahlbare Energieversorgung treiben die Skepsis

Allensbach sieht die Ursachen im Zusammenspiel mehrerer Krisen und dieses Bündel verändert die politische Aufmerksamkeit. Der Krieg in der Ukraine wirkt ebenso wie die Konjunkturflaute und die unsicherer bewerteten Zukunftsperspektiven. Deshalb lautet die zentrale Beobachtung der Autoren: »In der politischen Agenda der Bevölkerung haben die Themen äußere und innere Sicherheit, die wirtschaftliche Entwicklung sowie auch Fragen der Energieversorgung zurzeit einen wesentlich höheren Stellenwert als das Thema Klimaschutz«.

Zustimmung zum Kurs – Misstrauen gegen die Umsetzung

Die Umfrage zeigt keine geschlossene Ablehnung, sondern eine gespaltene Lage. 43 Prozent halten die Entscheidung, aus der Kernenergie auszusteigen und vor allem den Ausbau erneuerbarer Energien zu forcieren, für den richtigen Weg. 37 Prozent halten den eingeschlagenen Weg für falsch, während der Rest schwankt oder keine klare Position formuliert.

Entscheidend ist jedoch die Umsetzungsfrage, weil hier Vertrauen sichtbar bröckelt. Unter den Befürwortern der Energiewende sank binnen eines Jahres der Anteil derjenigen, die glauben, Deutschland ergreife die richtigen Maßnahmen, von 52 auf 33 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die Zweifel an den ergriffenen Maßnahmen äußern, auf 26 Prozent, und damit wird Zustimmung häufiger zu einem „Ja, aber“.

Wo die Skepsis besonders hoch ist

Auffällig sind die Gruppen, in denen Kritik besonders verbreitet ist. In Ostdeutschland ist die Skepsis überdurchschnittlich hoch und auch in unteren Sozialschichten ist die Ablehnung des eingeschlagenen Weges stärker. Zudem nennt die Umfrage Anhänger von AfD und FDP als Milieus mit weit verbreiteter Kritik, während andere Gruppen eher beim Kurs bleiben.

Diese Bruchlinien hängen eng mit der Frage zusammen, wer Belastungen tragen kann. Wer im Alltag vor allem höhere Kosten spürt, bewertet energiepolitische Maßnahmen strenger und verlangt eine klare Gegenrechnung. Wer um seinen Job fürchtet, reagiert sensibler auf Umstellungen, die als zusätzliches Risiko erscheinen.


Energiewende wird häufiger als Risiko gesehen

In der Gesamtbewertung überwiegt bei vielen Befragten der Unsicherheitsaspekt. Für 37 Prozent ist die Energiewende überwiegend mit Risiken verbunden, während 28 Prozent eher Chancen sehen. Nur jeder Vierte sieht Chancen und Risiken ausgeglichen und diese Gruppe kann Mehrheiten in beide Richtungen verschieben.

Hinzu kommt ein Punkt, der Akzeptanz schnell kippen lassen kann, weil er vor der Haustür sichtbar wird. Zwei Drittel der Befragten erwarten, dass sich das Landschaftsbild in Deutschland durch Windräder und neue Stromleitungen gravierend verändern wird. Damit wird die Energiewende nicht nur als Klimaprojekt wahrgenommen, sondern auch als Eingriff in Raum, Infrastruktur und Lebensumfeld.

Was Politik jetzt liefern muss

Die Daten beschreiben eine Lage, in der Klimapolitik härter als früher gegen Sicherheits- und Wohlstandsthemen konkurriert. Deshalb reichen Zielmarken kaum aus, wenn Menschen vor allem Bezahlbarkeit und Planbarkeit erwarten. Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass der Kurs noch Rückhalt hat, aber die Toleranz sinkt weiter.

Wer Zustimmung sichern will, muss Kostenwirkungen sichtbar begrenzen und Versorgungssicherheit nachvollziehbar stabilisieren. Ebenso braucht es ein glaubwürdiges Konzept, wie Industrie und Beschäftigung durch den Umbau nicht weiter unter Druck geraten. Andernfalls verfestigt sich der Eindruck, dass Risiken schneller wachsen als der Nutzen.

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