Ultraschall gescheitert: LNG-Terminal Wilhelmshaven darf nun Chlor in die Jade leiten

Wilhelmshaven – Das LNG-Terminal Wilhelmshaven darf seit Ende August Chlor zur Reinigung seiner Seewassersysteme einsetzen. Damit scheitert das zentrale Versprechen, die „Excelsior“ ohne Biozide betreiben zu können. Der mit zusätzlichem Aufwand finanzierte Ultraschall konnte Muscheln, Algen und andere Organismen nicht ausreichend fernhalten. Deshalb darf das Terminal nun jährlich bis zu rund 170 Millionen Kubikmeter behandeltes Prozesswasser in die Jade leiten. Der NLWKN hat die Einleitung vorläufig zugelassen, obwohl das Änderungsverfahren noch läuft. Umweltschützer warnen vor zusätzlichen Belastungen des Wattenmeers, während das Umweltministerium die Einleitung für genehmigungsfähig hält.

Das LNG-Terminal Wilhelmshaven darf Chlor einsetzen, nachdem die teure Ultraschalllösung im Praxisbetrieb nicht ausreichend funktionierte
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LNG-Terminal Wilhelmshaven: Biozidfreie Lösung hält dem Praxisbetrieb nicht stand

Die „Excelsior“ sollte ursprünglich ohne chemische Biozide arbeiten. Dafür rüstete man das Schiff mit einem Ultraschallsystem gegen biologischen Bewuchs aus. Außerdem übernahm der Bund zusätzliche Kosten für diese technische Sonderlösung.

Im praktischen Betrieb hielt das Konzept jedoch nicht, was man sich davon versprochen hatte. Bereits im Spätsommer 2025 nahm der Bewuchs in den Leitungen stark zu. DET optimierte das System gemeinsam mit Fachleuten und dem Schiffseigner, doch auch danach reichte die Wirkung nicht aus.


Terminalausfall führte zurück zum Chlorverfahren

Die Probleme blieben nicht auf Wartungsfragen beschränkt. Im Herbst 2025 fiel die „Excelsior“ zeitweise aus, weshalb der Betreiber nach eigenen Angaben LNG-Lieferanten abweisen musste. Damit wurde aus dem Umweltproblem zugleich ein Problem für die Verfügbarkeit des Terminals.

DET beantragte deshalb den Einsatz der ohnehin an Bord vorhandenen Elektrochlorierungsanlage. Das Verfahren erzeugt aus dem Salz des Meerwassers Chlorverbindungen, die Bewuchs in Leitungen und Wärmetauschern verhindern. Anschließend gelangt das behandelte Wasser jedoch wieder in die Jade.

Bis zu 170 Millionen Kubikmeter behandeltes Wasser pro Jahr

Nach den Genehmigungsunterlagen darf das Terminal jährlich bis zu 169,97 Millionen Kubikmeter Prozesswasser einleiten. Damit setzt auch das zweite LNG-Terminal Wilhelmshaven zumindest teilweise auf Chlor gegen Biofouling. Bereits die „Höegh Esperanza“ nutzt am ersten Wilhelmshavener LNG-Terminal ein vergleichbares Verfahren.

Gerade diese Kombination kritisiert die Deutsche Umwelthilfe. Denn nun können zwei schwimmende LNG-Terminals chlorbehandeltes Wasser in dasselbe Küstengewässer einleiten. Außerdem entstehen bei der Chlorierung Reaktionsprodukte, deren Auswirkungen auf Meeresorganismen seit Jahren Gegenstand der Kritik sind.

Ursprüngliche Genehmigung schloss Biozide ausdrücklich aus

Besonders bemerkenswert ist deshalb der Kurswechsel gegenüber der ursprünglichen Genehmigung. Der wasserrechtliche Bescheid von 2024 untersagte mikrobizide Wirkstoffe ausdrücklich, weil die „Excelsior“ mit Ultraschall betrieben werden sollte. Allerdings enthielt der Bescheid bereits eine Hintertür für den Fall, dass dieses Verfahren nicht funktioniert.

Genau dieser Fall ist nun eingetreten. Die technisch aufwendige und politisch bevorzugte biozidfreie Lösung konnte sich im Dauerbetrieb nicht durchsetzen. Stattdessen greift der Betreiber wieder auf ein Verfahren zurück, das man bei diesem Terminal ursprünglich vermeiden wollte.


Gericht hält Elektrochlorierung für Stand der Technik

Das Bundesverwaltungsgericht hatte die Elektrochlorierung bereits Ende 2024 beim ersten Terminal als Stand der Technik eingestuft. Ultraschall erfüllte diesen Maßstab damals dagegen nicht, weil ausreichende Betriebserfahrungen fehlten. Die Entwicklung auf der „Excelsior“ bestätigt nun zumindest, dass die Technik unter den Bedingungen in der Jade an Grenzen stößt.

Das Ultraschallsystem soll dennoch weiterlaufen, wenn der Bewuchsdruck niedrig genug ist. Chlor kommt jedoch immer dann hinzu, wenn die biozidfreie Technik versagt. Damit bleibt vom ursprünglichen Konzept vor allem ein hybrider Betrieb, während die Jade zusätzlich behandeltes Prozesswasser aufnehmen muss.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Chlor statt Ultraschall: Zweites LNG-Terminal darf Biozid verwenden – Zweites LNG-Terminal in Wilhelmshaven darf Chlor verwenden – DUH kritisiert Einleitung weiterer Chlor-Biozide in die Jade

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