TotalEnergies prüft Verkauf seiner Ladeparks in Deutschland – BayWa steigt komplett aus

TotalEnergies prüft in Deutschland den Verkauf seiner Ladeinfrastruktur-Sparte. BayWa hat den Verkauf seines Elektroladesäulen-Geschäfts im Rahmen einer mehrjährigen Sanierung bereits offiziell bestätigt. Bei TotalEnergies steht ein Paket aus rund 190 Ladeparks zum Verkauf, von denen erst etwa ein Drittel in Betrieb ist. Zum Gesamtpaket gehören Fördergelder „in dreistelliger Millionenhöhe“ für noch zu bauende Standorte. Das Risiko steigt, weil ein Käufer neben den Standorten auch Deutschlandnetz-Verpflichtungen übernehmen muss. Dazu zählen Ausbau, Inbetriebnahme, Netzanbindung und die Einhaltung von Zeitplänen. Das Paket bindet Kapital, weil der Käufer die noch nicht laufenden Standorte fertigstellen und bis zur Inbetriebnahme finanzieren muss. Deshalb wachsen die wirtschaftlichen Risiken (thepioneer: 27.02.26).


TotalEnergies hält sich bedeckt, lässt aber sondieren

TotalEnergies kommentiert die Angaben aus Verkaufsunterlagen nicht. Aus Unternehmenskreisen heißt es dennoch: „Sondierungen im Markt stattfänden, aber noch nichts entschieden“. Das wirkt wie eine Optionsprüfung, weil ein fester Verkaufsbeschluss nicht genannt wird. Roland Berger soll potenzielle Käufer ansprechen, weshalb das Vorgehen nach einem strukturierten Mandat aussieht.

TotalEnergies prüft Verkauf von deutschen Ladeparks. BayWa steigt komplett aus. Hohe Kapitalbindung und ausbleibende Gewinne erhöhen Risiko
TotalEnergies prüft Verkauf von deutschen Ladeparks. BayWa steigt komplett aus. Hohe Kapitalbindung und ausbleibende Gewinne erhöhen Risiko

Der Konzern hat in Deutschland bereits früher eine strategische Zäsur gesetzt. Anfang 2023 verkaufte TotalEnergies sein deutsches Tankstellennetz, außerdem das Netz in den Niederlanden, an Couche-Tard mit der Marke Circle K. Damals begründete TotalEnergies den Schritt mit einem stärkeren Fokus auf Wasserstoff und Laden in Märkten ohne Marktführerschaft. Jetzt gerät diese Linie wieder unter Druck, weil das Deutschlandgeschäft im Laden bislang keine überzeugende Perspektive liefert.

Rendite kommt spät – hohe Investitionen fallen früh an

Das Ladegeschäft verursachte bislang Verluste. Der Ausbau bleibt teuer, weil Bauleistungen, Flächenverträge und technische Infrastruktur vorfinanziert werden müssen. Gleichzeitig wächst die Auslastung vieler Standorte langsamer als der Ausbau. Dadurch steigt der Druck, Portfolios zu straffen oder abzugeben.

In den Unterlagen wird ein operativer Umschwung erst mittelfristig erwartet. Ein positives EBITDA visiert TotalEnergies für 2027 an, weshalb das Renditefenster deutlich hinter den größten Ausgaben liegt. Das erklärt den Reiz eines Paketverkaufs, weil ein Käufer die Durststrecke übernehmen würde. Fördergelder entlasten zwar, doch sie koppeln Mittel an Auflagen und Fristen.

Deutschlandnetz macht den Deal schwerer kalkulierbar

TotalEnergies hat sich am Deutschlandnetz beteiligt und große Pakete gewonnen. Der Konzern erhielt den Zuschlag für etwa 1.100 der 9.000 geplanten Schnellladepunkte, zudem sicherte er sich 2023 drei Regionallose mit insgesamt 134 Standorten und weitere Zuschläge bei Autobahn-Losen. Ein Käufer müsste diese Pflichten bis zur Inbetriebnahme übernehmen, weshalb der finanzielle Vorlauf steigt. Diese Pflichten wirken direkt auf geplante Ladeparks, weil die Umsetzung und die Fördergelder an Vorgaben und Bindungsfristen hängen.

Das Deutschlandnetz soll Wettbewerb sichern. Es soll lokale Konzentration vermeiden, weshalb Betreiberwechsel politisch und regulatorisch sensibel wirken können. Das senkt die Zahl realistischer Interessenten, weil zusätzliche Prüfpfade Preis und Tempo beeinflussen. Damit steigt das Transaktionsrisiko, weil Unsicherheit Bewertungen drückt.


BayWa bestätigt Verkauf – Sanierung setzt den Rahmen

Bei BayWa ist die Lage klarer, weil der Verkaufswille offiziell ist. Der Agrarkonzern geriet nach Managementfehlern in finanzielle Schieflage und arbeitet an einer umfassenden Sanierung. In diesem Rahmen verkauft BayWa Beteiligungen und Tochterunternehmen, weil der Konzern Liquidität braucht. BayWa erklärte: „Ja, die BayWa verkauft im Rahmen der mehrjährigen Sanierung Beteiligungen und Tochterunternehmen. So unter anderem auch das Geschäft mit Elektroladesäulen“.

BayWas Anteil am Deutschlandnetz ist klein. Der Konzern hält dort nur ein Los mit 20 Standorten, weshalb die Deutschlandnetz-Komponente weniger dominant ausfällt als bei TotalEnergies. Zusätzlich betreibt BayWa Ladesäulen außerhalb des Programms, teils an BayWa-Tankstellen im ländlichen Raum. Das kann Käufer anziehen, weil Flächen verfügbar sind, doch die Auslastung bleibt eine Wette.

Marktphase kippt von Wachstum auf Risikoprüfung

Der parallele Verkaufsdruck wirkt wie ein Stimmungsbild der Branche. Ausbau bleibt nötig, doch Kapital fließt nur, wenn Renditepfade belastbar sind. TotalEnergies prüft sein Tempo, weil der Finanzpfad trotz hoher Fördergelder lang ist. BayWa verkauft, weil die Sanierung Mittel erfordert. Entscheidend ist deshalb nicht die reine Stückzahl, sondern die Risikoverteilung im Paket rund um Standorte und Pflichten – und am Ende auch um die wenigen bereits tragfähigen Ladeparks.

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