TerraPower darf im US-Bundesstaat Wyoming nahe der Stadt Kemmerer seinen ersten kommerziellen SMR-Reaktor bauen. Die US-Atomaufsicht NRC erteilte die Baugenehmigung nach einem Prüfverfahren von weniger als 18 Monaten, deshalb soll der Bau bereits in den nächsten Wochen starten. Das Kraftwerk trägt den Namen „Kemmerer Unit 1“, soll bis 2030 fertig sein und 2031 ans Netz gehen. Die zügige Entscheidung der Atomaufsicht kommt nicht zufällig, sondern folgt einem politischen Kurswechsel. Präsident Donald Trump hatte die Genehmigungsverfahren für neue Reaktoren per Dekret deutlich beschleunigen lassen. Für die US-Atombranche ist der Schritt bedeutsam, weil die Behörde damit erstmals seit fast zehn Jahren wieder den Bau eines kommerziellen Atomreaktors erlaubt (heise: 05.03.26).
Baugenehmigung bringt TerraPower einen strategischen Vorteil
Mit dem Projekt setzt TerraPower auf einen natriumgekühlten SMR-Reaktor mit rund 345 Megawatt elektrischer Leistung. Anders als große konventionelle Kernkraftwerke nutzt die Anlage kein Wasser zur Kühlung, sondern flüssiges Natrium. Das ist technisch aufwendiger, zugleich soll sich der Reaktor besser in moderne Stromnetze einfügen.#

Zum Konzept gehört außerdem ein Energiespeicher mit geschmolzenen Salzen. Dieser Speicher nimmt Wärme auf und gibt sie bei Bedarf wieder ab, sodass die Leistung für bis zu fünf Stunden auf 500 Megawatt steigen kann. Das ist vor allem in Phasen hoher Stromnachfrage wichtig, weil Betreiber dann kurzfristig mehr Energie einspeisen können. Große Atomkraftwerke liefern zwar meist deutlich mehr Strom, jedoch setzen neue Reaktorkonzepte bewusst auf kleinere und flexiblere Einheiten.
Neue Technik soll Kosten und Bauzeit senken
TerraPower und andere Entwickler verfolgen mit SMR-Anlagen ein klares Ziel. Sie wollen Reaktoren bauen, die sich schneller errichten und einfacher in Serie fertigen lassen. Dadurch sollen die Kosten sinken, während sich mehrere Einheiten bei Bedarf zu größeren Kraftwerksblöcken kombinieren lassen.
Ob dieses Modell trägt, muss sich jedoch erst noch zeigen. Gerade der erste Reaktor gilt als Bewährungsprobe für Technik, Bauabläufe und Finanzierung. Die nun erteilte Baugenehmigung ist deshalb mehr als ein formaler Schritt. Sie entscheidet mit darüber, ob TerraPower vom Pilotprojekt zum ernsthaften Anbieter im internationalen Reaktormarkt aufsteigen kann.
Kemmerer Unit 1 benötigt zudem den Spezialbrennstoff HALEU. Dieses Uran ist auf knapp unter 20 Prozent angereichert, während heutige Kernkraftwerke meist Brennstoff mit 3 bis 5 Prozent Anreicherung einsetzen. Entwickler versprechen sich davon Vorteile bei Effizienz und Reaktordesign, doch genau hier liegt ein kritischer Punkt. HALEU stammt bislang überwiegend aus Russland, weshalb die USA eigene Produktionskapazitäten aufbauen wollen.
Baugenehmigung setzt auch die Versorgung unter Druck
Für TerraPower reicht die Baugenehmigung allein nicht aus. Das Unternehmen muss zugleich den Brennstoff sichern, Lieferketten stabil halten und den engen Zeitplan einhalten. Wenn einer dieser Punkte stockt, gerät auch die Kalkulation des Projekts unter Druck.
TerraPower verfolgt darüber hinaus deutlich größere Pläne. Firmenchef Chris Levesque sagte: „Wir müssen zeigen, dass der zehnte Reaktor nur halb so viel kostet wie der erste“. Bis 2035 will das Unternehmen international zehn oder mehr Kraftwerke bauen. Der Reaktor in Wyoming ist deshalb nicht nur ein regionales Energieprojekt, sondern der Testfall für eine weltweite Expansion.
Die Nachfrage nach verlässlichem Strom wächst, weil große Technologiekonzerne ihre Rechenzentren ausbauen. Meta hat sich bereits Strom aus mehreren Reaktoren für KI-Rechenzentren gesichert, außerdem investieren auch Google, Amazon und Microsoft in Kernenergie. Bill Gates selbst soll mehr als eine Milliarde US-Dollar in TerraPower investiert haben. Damit wird die dritte Baugenehmigung-Relevanz dieses Projekts klar: Sie öffnet nicht nur die Baustelle in Wyoming, sondern auch einen Markt mit globalen Ambitionen.
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