Taiwan will abgeschaltetes Kernkraftwerke Maanshan wieder in Betrieb nehmen

Taiwan Power Company hat beim Nuclear Safety Council den Antrag auf eine neue Betriebsgenehmigung für das Kernkraftwerk Maanshan eingereicht. Die beiden Blöcke der Anlage gingen bereits im Juli 2024 und im Mai 2025 vom Netz, weil ihre 40-jährigen Betriebslizenzen ausliefen und Taiwans Atomausstieg griff. Auslöser für den neuen Vorstoß ist eine Gesetzesänderung vom Mai 2025, die eine Laufzeitverlängerung um weitere 20 Jahre erlaubt. Damit könnte Maanshan statt 40 nun bis zu 60 Jahre laufen. Das Verfahren bleibt jedoch komplex, weil die Behörden zusätzlich Prüfungen zu Alterung, Strahlenschutz und Erdbebensicherheit verlangen. Für Taiwan geht es deshalb nicht nur um ein einzelnes Kraftwerk, sondern auch um Versorgungssicherheit, steigenden Strombedarf und die starke Abhängigkeit von importiertem Flüssiggas (taiwannews: 27.03.26).


Taiwan startet das Prüfverfahren, doch die Hürden bleiben hoch

Der Betreiber Taipower hat nach eigenen Angaben den vollständigen Antrag samt Begleitunterlagen an den Nuclear Safety Council übermittelt. Zuvor hatte bereits das Wirtschaftsministerium dem Vorhaben zugestimmt. Der eingereichte Plan umfasst fünf zentrale Bereiche, darunter den Zustand der Blöcke, den Zeitplan, Personal und Schulungen sowie Wartung, Betriebsregeln und Qualitätskontrollen.

Taiwan bereitet nach dem Atomausstieg die Rückkehr zur Kernkraft vor. Das Kernkraftwerk Maanshan soll wieder ans Netz
Taiwan bereitet nach dem Atomausstieg die Rückkehr zur Kernkraft vor. Das Kernkraftwerk Maanshan soll wieder ans Netz

Die Behörde beginnt nun zunächst mit einer formalen Prüfung der Unterlagen. Erst wenn alle Dokumente vollständig vorliegen, startet die technische Bewertung im Detail. Dafür will der Nuclear Safety Council zusammen mit externen Fachleuten und eigenen Spezialisten ein eigenes Prüfgremium bilden. Die Behörde kündigte deshalb eine strenge Kontrolle nach gesetzlichen Vorgaben und internationalen Standards an. Sie erklärte: „Dieses Team wird eine strenge Prüfung nach Vorschriften und internationaler Praxis durchführen, um sicherzustellen, dass Taipower für alle Aspekte des Neustartplans einen ordnungsgemäßen Plan vorgelegt hat und dass dieser die Anforderungen der Qualitätssicherung erfüllt, bevor der Plan genehmigt wird.“

Selbst bei Zustimmung bleibt das Kraftwerk noch lange ohne Stromproduktion

Ein positives Votum der Aufsicht würde die Anlage nicht sofort zurück ans Netz bringen. Taipower weist selbst darauf hin, dass danach weitere unabhängige Sicherheitsinspektionen nötig sind. Diese Prüfungen dauern nach Angaben des Unternehmens etwa 18 bis 24 Monate. Erst danach kann ein Bericht an den Nuclear Safety Council gehen, der wiederum über die Freigabe entscheidet.

Zusätzlich fordert die Behörde weitere Unterlagen zu besonders sensiblen Punkten. Dazu zählen Nachweise zur Alterungsbewertung und zum Alterungsmanagement der Anlage. Außerdem verlangt die Aufsicht Prüfungen zu strahlungsrelevanten Fragen sowie eine Bewertung der Erdbebensicherheit. Während der Umsetzung des Neustartplans will der Nuclear Safety Council zudem Kontrollen direkt vor Ort vornehmen. Taipower muss danach einen Umsetzungsbericht einreichen. Ohne dessen Genehmigung und ohne neue Betriebslizenz bleibt die Anlage deshalb weiter stillgelegt.


Energiepolitik in Taiwan dreht sich wieder zur Kernkraft

Die politische Brisanz des Falls ist hoch, weil Taiwan den Atomausstieg jahrelang fest eingeplant hatte. Die Demokratische Fortschrittspartei gewann 2016 die Wahl mit dem Ziel eines „atomfreien“ Taiwan bis 2025. Damals schrieb die Regierung den Kurs auch gesetzlich fest. Vorgesehen war zugleich ein Energiemix mit 20 Prozent erneuerbaren Quellen, 50 Prozent Flüssiggas und 30 Prozent Kohle.

Später geriet dieser Kurs jedoch ins Wanken. Bei einem Referendum im November 2018 kippten die Wähler die entsprechende Gesetzesänderung. Trotzdem hielt die Regierung zunächst an ihrer Linie fest. Der damalige Wirtschaftsminister Shen Jong-chin sagte im Januar 2019, es werde „keine Verlängerung oder Neustarts von Kernkraftwerken in Taiwan geben, aufgrund subjektiver und objektiver Bedingungen sowie starken öffentlichen Widerstands“. Im Mai 2025 kam dann kurz vor der endgültigen Abschaltung von Maanshan Block 2 die Kehrtwende. Das Parlament beschloss auf Initiative der oppositionellen Kuomintang eine Reform des Atomrechts. Seitdem sind Laufzeitverlängerungen von 40 auf 60 Jahre möglich. Hintergrund sind vor allem Sorgen um die Energiesicherheit, der stark wachsende Strombedarf durch KI-Anwendungen und der Wunsch, die Abhängigkeit von importiertem LNG zu senken.

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