Stellantis stellt seine Antriebsstrategie neu auf und die Abschreibung von 22 Milliarden Euro markiert den Preis dafür. Konzernchef Antonio Filosa will weniger reine Elektroautos und mehr Hybride anbieten, weil der Konzern nach eigener Aussage wieder näher an den Käufer rücken muss. Filosa sagt, unter seinem Vorgänger sei das „Tempo der Energiewende überschätzt worden“ und man habe sich „von den realen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer entfernt“ (faz: 06.02.26).
Abschreibung als Warnsignal: Warum Stellantis den E-Auto-Kurs kippt
Der Strategiewechsel hat einen klaren Auslöser, denn Stellantis bewertet Plattformen, Projekte und Modellpläne neu. Der Konzernchef spricht davon, man habe sich „von den realen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer entfernt“, und korrigiert deshalb die Produktlogik. Gleichzeitig kündigt Filosa an, „frühere operative Schwächen“ auszumerzen, damit Qualität und Abläufe wieder stabiler laufen.

Besonders stark trifft die Bereinigung die USA, weil dort Werte abgeschrieben werden und Programme schneller fallen. Geänderte politische und regulatorische Rahmenbedingungen verschieben die Kalkulation, während Stellantis sein Portfolio auf Nachfrage und Kosten trimmt. Stellantis stellt deshalb Modelle ein und bilanziert Plattformen mit geringerem Wert, sodass die Abschreibung nicht nur Symbolik bleibt, sondern eine technische Neubewertung der Zukunftspläne.
Welche Modelle und Marken betroffen sind
Im Produktprogramm werden konkrete Projekte gestrichen, und dazu zählt laut Stellantis der elektrische Pick-up Ram 1500. Außerdem wechselt der Konzern bei Hybriden die Richtung, weil Plug-in-Hybride zunehmend durch Hybride ohne Steckdosenladung ersetzt werden sollen. Auslaufen sollen der Jeep Wrangler (PHEV), der Jeep Grand Cherokee sowie der Chrysler Pacifica Hybrid, während Stellantis „Vollhybride“ ausbaut.
Parallel setzt Stellantis auf Konzepte, die Elektroautos mehr Reichweite geben, obwohl ein Verbrennungsmotor an Bord bleibt. Das ist keine Detailkorrektur, sondern eine strategische Abkehr vom reinen Batterie-Fokus. Der Konzern will damit Kunden erreichen, die Ladeinfrastruktur, Preise und Reichweite anders bewerten.
Teure Folgen: Zahlungen, Zulieferer, Schulden
Die Neuausrichtung verursacht nicht nur Buchwerte, sondern auch echte Zahlungen in den nächsten Jahren. Von den knapp 14,7 Milliarden Euro an Belastungen in den Vereinigten Staaten entfallen 5,8 Milliarden Euro auf Barzahlungen innerhalb von vier Jahren, wobei ein großer Teil an Zulieferer und Vertragspartner geht. Weltweit summieren sich diese Barzahlungen auf 6,5 Milliarden Euro, weshalb Stellantis über Hybridanleihen bis zu fünf Milliarden Euro zusätzliche Schulden aufnehmen will.
Stellantis nennt als Ziel eine „industriell verfügbare“ Nettoliquidität von 46 Milliarden Euro zum Jahresende, und deshalb bleibt die Finanzierung eng mit der Modellpolitik verknüpft. Die Botschaft lautet: Der Konzern kauft sich Zeit, damit der Umbau nicht an Liquidität scheitert. Genau darum wirkt die Abschreibung wie ein Schnitt durch alte Annahmen, der nun operativ nachgezogen werden muss.
Umbau in Nordamerika und Auswirkungen auf Europa
Stellantis koppelt die Modellwende an eine Reform von Produktion und Qualitätsmanagement, während Nordamerika deutlich mehr Gewicht bekommen soll. In der Region will der Konzern über 2000 Ingenieure einstellen, damit Entwicklung und Industrialisierung schneller greifen. Regionale Teams sollen mehr Entscheidungen treffen, sodass Stellantis nach eigener Darstellung näher am Kunden arbeitet.
Zugleich plant Stellantis hohe Investitionen in den USA, denn in den kommenden vier Jahren sollen 13 Milliarden Dollar fließen. Fünf neue Modelle sind angekündigt, und zusätzlich will der Konzern 5000 neue Stellen schaffen. Opel teilte mit, die Ankündigungen hätten „abgesehen von den genannten Änderungen der Modellpläne keine Auswirkungen auf die Marken und auf unsere Werke“, dennoch verschiebt sich konzernweit die technische Priorität.
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