Deutschland hat von 2020 bis 2025 spürbar an Kaufkraft verloren, weil die Preise deutlich schneller stiegen als die Einkommen. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte dazu neue Auswertungen, die das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) abgefragt hat. Der betrachtete Zeitraum umfasst damit die Jahre seit Beginn der Corona-Pandemie. Die Inflation lag über diesen Zeitraum bei 21,8 Prozent, jedoch stiegen die Einkommen im gleichen Zeitraum nur um 11,2 Prozent. Der entscheidende Risikofaktor ist diese dauerhafte Lücke, damit büßten Normalverdiener real deutlich an Wohlstand ein (welt: 04.03.26).
Kaufkraft sinkt – die Inflation läuft dem Einkommen davon
Nominal kam bei vielen mehr Geld an, zugleich wurde der Alltag durch die Inflation viel teurer. Das trifft Haushalte sofort, weil Grundausgaben selten nachgeben. Außerdem schrumpft so der Puffer für Reparaturen, Rücklagen und größere Anschaffungen.

Die Zahlen zeigen das Problem in zwei Kennziffern. Das Median-Einkommen stieg von 26.008 Euro auf 28.913 Euro, also um 11,2 Prozent, während die Preise fast doppelt so stark anzogen. Auch das Durchschnittseinkommen erhöhte sich nur von 29.896 Euro auf 33.385 Euro, was 11,7 Prozent entspricht. Der Median gilt als der robustere Wert, weil Extremgehälter ihn im Vergleich zum Durchschnittseinkommen kaum verzerren.
Median und Durchschnitt – Die Mitte rutscht ab
Die Auswertung umfasst alle Einkommensarten, also auch die von Selbstständigen und Freiberuflern, weshalb das Bild breiter ausfällt. Damit zeigt sich die Belastung quer durch alle Branchen, während viele Einnahmen nicht im gleichen Tempo wachsen. Zugleich trifft die Entwicklung besonders Normalverdiener, weil sie Preissteigerungen nicht so einfach wegstecken können, als gut Verdienende.
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht greift die Ergebnisse politisch auf und sagte: „Die neuen Zahlen zeigen, dass die Mehrheit der Bürger seit Corona und Ukraine-Krieg erheblich an Wohlstand verloren hat. Das sind keine kleinen Einschnitte, sondern massive Kaufkraftverluste. Die Politik der vergangenen fünf Jahre hat die Deutschen deutlich ärmer gemacht.“ Sie fordert deshalb von der Bundesregierung, den CO2-Preis abzuschaffen, Nord Stream zu reaktivieren und wieder russisches Öl einzuführen.
Energie als nächster Preistreiber
Wagenknecht verbindet das außerdem mit einer Warnung vor neuen Schocks. Wegen des Angriffs auf den Iran drohe den Verbrauchern „an der Zapfsäule und im Heizkeller, aber auch der Industrie neue Preisschocks“. Das erhöht das Risiko weiterer Preiswellen, während viele Budgets schon heute eng kalkulieren. Deshalb bleibt Energie ein Hebel, der den Verlust an Kaufkraft weiter verschärfen kann.
Bei den Löhnen zeigt sich zuletzt zwar eine Gegenbewegung, jedoch kommt sie spät. Das Statistische Bundesamt meldete, dass die Reallöhne wieder aufholten. 2025 erreichte der Reallohnindex fast wieder das Reallohnniveau von 2019, also vor der Pandemie. Das entlastet kurzfristig, zugleich bleibt die Kaufkraft-Delle der Vorjahre für viele Haushalte real spürbar erhalten.
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