Spritpreise explodieren, Europas Regierungen senken Steuern – Deutschland kassiert weiter ab

In Deutschland steigen die Spritpreise seit dem Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 massiv, während der Bund über die Mehrwertsteuer zugleich hohe Zusatz-Einnahmen verbucht. Nach Berechnungen von NIUS summierten sich die Mehreinnahmen bis zum 8. April bereits auf mehr als 390 Millionen Euro. Seit Mitte März auf teils über 10 Millionen Euro pro Tag und am Osterwochenende sogar auf mehr als 15 Millionen Euro täglich (nius: 08.04.26). Mehrere europäische Staaten greifen bereits direkt ein. Sie senken die Preise für Benzin und Diesel. In Berlin läuft dagegen vor allem eine Debatte über spätere Steuerhilfen. Dazu zählt auch eine höhere Pendlerpauschale. Diese würde aber erst im nächsten Jahr wirken. Das Problem ist deshalb doppelt. Pendler, Handwerker und Spediteure zahlen sofort mehr. Zugleich treiben höhere Transportkosten die Inflation weiter an. Andere Regierungen in Europa drücken den Literpreis. In Deutschland wächst dagegen der Verdacht, dass der Staat die Krise fiskalisch möglichst lange ausnutzt. Jeder Preisanstieg spült zusätzliche Millionen in den Haushalt.


Europas Nachbarn greifen ein, Berlin redet über später

Tschechien zeigt besonders klar, wie anders Regierungen reagieren können. Prag veröffentlichte zulässige Höchstpreise, die ab dem 08. April gelten: 43,15 Kronen für Benzin und 49,59 Kronen für Diesel. Zugleich begrenzt die Regierung die Margen der Mineralölunternehmen und senkt die Verbrauchsteuer auf Diesel. Das Ziel benennt sie offen: Der allgemeine Treibstoffpreisanstieg soll gedämpft und örtliche Preisextreme sollen beseitigt werden (welt: 07.04.26).

Deutschland kassiert an hohen Spritpreisen kräftig mit, während mehrere Staaten in Europa Steuern senken und Verbraucher direkt entlasten
Deutschland kassiert an hohen Spritpreisen kräftig mit, während mehrere Staaten in Europa Steuern senken und Verbraucher direkt entlasten

Tschechien steht damit jedoch nicht allein. Polen senkt die Mehrwertsteuer auf Kraftstoff von 23 auf 8 Prozent und will zusätzlich die Zapfsäulenpreise deckeln. Auch Rumänien und Ungarn haben bereits Preisgrenzen eingeführt, um die Folgen des Kriegs auf die Kraftstoffkosten abzufedern. Mehrere europäische Staaten, wie Österreich, Italien und Spanien verzichten ebenfalls bewusst auf Einnahmen und entlasten Bürger und Unternehmen damit sofort. Deutschland fällt deshalb aus dem Muster. Hier spricht die Regierung weiter über Instrumente, die weder heute noch morgen an der Zapfsäule helfen und damit auch die kommende Inflation nicht bremsen.


Pendlerpauschale gäbe wenig zurück und verteilt Hilfe ungleich

Gerade deshalb wirkt die deutsche Debatte so schief. Eine mögliche Anhebung der Pendlerpauschale von derzeit 38 auf bis zu 45 Cent je Kilometer würde erst im nächsten Jahr über die Steuererklärung bei den Bürgern ankommen. Das heißt: Der Staat kassiert die Zusatzmillionen sofort, während die Entlastung frühestens später kommt. Zudem wäre selbst dann nur ein begrenzter Teil der Betroffenen erfasst, obwohl die Mehrwertsteuer-Mehreinnahmen aus jedem Tankvorgang entstehen. So würde nur ein Bruchteil der heutigen Zusatz-Einnahmen überhaupt zurückgegeben und auch das noch mit einer enormen Verzögerung.

Hinzu kommt die soziale Schlagseite. Von einer höheren Pendlerpauschale profitieren vor allem gutverdienende berufstätige Autofahrer. Höhere Einkommensgruppen profitieren deutlich stärker als Menschen mit niedrigerem Einkommen, weil deren Steuerentlastung wegen des progressiven Steuersatzes größer ausfällt. Wer wenig verdient, wenig Einkommensteuer zahlt oder gar nicht in relevantem Umfang profitiert, trägt den höheren Spritpreis trotzdem sofort. Gerade daraus entsteht ein brisanter Verdacht. Mit jedem teureren Liter steigen auch die Einnahmen des Staates. Solange Berlin eine direkte Entlastung hinauszögert, fließen diese Zusatzmillionen Tag für Tag weiter in den Haushalt. Hohe Spritpreise bleiben damit nicht nur ein Problem für Autofahrer, sondern zugleich ein staatliches Einnahmemodell mit Nebenwirkung bei der steigenden Inflation.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen