Solarparks brauchen weit mehr Fläche – neue Analyse zerlegt die Argumente der Solarbranche

Im County Cerro Gordo im US-Bundesstaat Iowa gerät das geplante River City Energy Project mit einem 500 Megawatt Solarpark massiv unter Druck, weil eine neue Analyse die tatsächlich benötigte Flächen viel höher ansetzt als bisher. Anlass ist ein Vergleich der Analysten Isaac Orr und Mitch Rolling zwischen dem Solarprojekt und einem Gaskraftwerk, wobei nicht die installierte Nennleistung, sondern die verlässlich verfügbare Leistung in Zeiten hoher Stromnachfrage zählt. Der zentrale Kontext ist damit die Versorgungssicherheit eines Stromsystems, während der entscheidende Risikofaktor in der schwankenden Solarproduktion bei Nacht, Bewölkung, Regen und Schnee liegt. Die Folgen wären deshalb ein drastisch höherer Landverbrauch, stärkere Eingriffe in Ackerflächen und Lebensräume sowie eine deutlich schwächere Absicherung in Belastungsphasen (heartland: 06.03.26).


Die neue Rechnung stellt den Solarvergleich vom Kopf auf die Füße

Öffentliche Debatten über Solarstrom drehen sich meist um Jahreserträge. Für ein Stromnetz zählt jedoch nicht die schön gerechnete Energiemenge, sondern die Leistung in kritischen Stunden. Genau dort setzen Orr und Rolling an. Sie schreiben: „Sobald man das Netz durch die Brille der gesicherten Leistung statt der Jahresenergie betrachtet, sehen die Flächenanforderungen der Technologien völlig anders aus.“ Damit verschieben sie den Maßstab von Werbung auf Belastbarkeit.

Solarparks benötigen für verlässlichen Strom deutlich mehr Fläche als bisher angenommen - neue Analyse zeigt Vergleich zu Gaskraftwerken
Solarparks benötigen für verlässlichen Strom deutlich mehr Fläche als bisher angenommen – neue Analyse zeigt Vergleich zu Gaskraftwerken

Schon frühere Vergleiche zeigten, dass Solar pro erzeugtem Megawatt mehr als dreimal so viel Fläche benötigt wie Kohle, Erdgas oder Kernkraft. Die neue Analyse geht jedoch weiter, weil sie die gesicherte Leistung in Spitzenzeiten bewertet. Dadurch wächst der Abstand massiv. Für Cerro Gordo County wird das sofort sichtbar. Nach bisheriger Planung soll das Projekt rund 2.894 Acres beanspruchen. Auf Basis verlässlicher Leistung errechnen die Autoren jedoch mehr als 105.792 Acres Solarpaneele. Das entspräche rund 29 Prozent der gesamten Fläche des Countys, und deshalb kippt die Debatte vom Einzelprojekt zur Flächenfrage.

Erdgas bleibt bei Versorgungssicherheit weit vor Solar

Schon bei der installierten Leistung ist der Unterschied hart. Die geplante Solaranlage würde laut Analyse rund 5,8 Acres pro Megawatt benötigen. Das bestehende Emery-Gaskraftwerk kommt dagegen auf nur etwa 0,096 Acres pro Megawatt. Solar braucht damit rund 60-mal mehr Fläche, obwohl dieser Vergleich die eigentliche Schwäche noch gar nicht voll erfasst. Denn entscheidend sind nicht Prospektwerte, sondern Stunden mit hoher Last.

Zusätzliche Brisanz liefert deshalb das neue Bewertungssystem des Netzbetreibers MISO, zu dessen Gebiet Cerro Gordo County gehört. MISO bewertet Kraftwerke inzwischen danach, wie zuverlässig sie in Phasen möglicher Unterversorgung einspeisen. Für Solar fällt das Ergebnis ernüchternd aus. Im Sommer 2030 soll Solar nur rund 4 Prozent der benötigten gesicherten Leistung liefern. Bis 2043 sinkt dieser Wert auf etwa 2 Prozent. Im Jahresmittel liegt Solar bei 2,25 Prozent und später sogar bei weniger als 1 Prozent. Erdgas erreicht dagegen im Sommer 2030 rund 89 Prozent und 2043 noch 88 Prozent, während der Jahreswert von 82 auf 81 Prozent sinkt. Das ist kein kleiner Abstand, sondern ein Systemunterschied.


Hitze verschärft das Problem und treibt den Flächenfraß weiter an

Unter diesem Maßstab explodieren auch die Flächenzahlen. Laut Orr und Rolling wären im Planungsjahr 2025/2026 bereits 19,29 Acres Solarpaneele nötig, um ein Megawatt gesicherte Leistung bereitzustellen. Ein modernes Gaskraftwerk benötigt dafür nur 0,14 Acres. Für 2030 und 2033 steigt der Wert bei Solar auf 257,24 Acres je Megawatt, bis 2043 sogar auf 578,80 Acres. Das entspricht fast 1.838 Prozent mehr Fläche. Während Erdgas konstant bleibt, wächst der Landhunger der Solaranlage mit jedem Jahr der neuen Bewertung.

Auch sonnigere Regionen retten das Grundproblem nicht. Staaten wie Arizona oder New Mexico erhalten zwar mehr Sonne, jedoch steigt dort zugleich die Last in heißen Perioden besonders stark an. Außerdem verlieren Solarmodule bei hohen Temperaturen an Wirkungsgrad. Nach den im Text genannten Werten sinkt die Effizienz pro Grad Celsius über 77 Fahrenheit um 0,30 bis 0,50 Prozent. Längere Hitzewellen drücken die Leistung also zusätzlich. Deshalb müssten Betreiber noch mehr Module aufstellen und noch mehr Fläche belegen. Wer über Versorgungssicherheit, Landschaftsschutz und Landwirtschaft spricht, kommt an diesem Punkt nicht vorbei. Die neue Analyse trifft den Kern der Debatte: Solar wirkt auf dem Papier oft kompakt, im harten Netzbetrieb frisst es jedoch weit mehr Fläche als bisher verkauft wurde.

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