Solarparks auf Agrarflächen – fruchtbarer Acker kann dauerhaft verloren gehen

Eine italienische Bodenstudie aus dem Jahr 2022 liefert den fachlichen Kern der Debatte um Solarparks auf Agrarflächen: Bereits nach sieben Jahren Freiflächen-Photovoltaik fanden Forscher unter den Modulen deutlich verarmte Böden. Damit gerät die verbreitete Annahme ins Wanken, Ackerland lasse sich nach 30 bis 40 Jahren Solarnutzung einfach räumen und wieder landwirtschaftlich nutzen. Im US-Bundesstaat Michigan warnen Kartoffelbauern deshalb vor neuen Solarparks auf hochwertigen Böden. Der aktuelle Anlass ist die Sorge um Kartoffeln, die unterirdisch wachsen und Plastik- oder Metallreste aufnehmen können. Betroffen wären nicht nur Erzeuger, sondern auch Verarbeiter, Handel und Verbraucher. Im schlimmsten Fall gehen fruchtbare Flächen für die Lebensmittelproduktion dauerhaft verloren (sciencesfiles: 22.05.26)


Bodenstudie zeigt verarmte Böden unter Solarpanels

Die Untersuchung stammt von Maria Cristina Moscatelli, Rosita Marabottini, Luisa Massaccesi und Sara Marinari. Die Forscher untersuchten einen Solarpark im italienischen Lazio, nahe Montalto di Castro. Die Anlage stand damals erst sieben Jahre. Dennoch zeigten sich klare Unterschiede zwischen dem Boden unter den Modulen, den Lücken zwischen den Reihen und einem benachbarten Feld.

Bodenstudie belegt: Solarparks auf Agrarflächen können fruchtbares Ackerland dauerhaft für die Landwirtschaft unbrauchbar machen
Bodenstudie belegt: Solarparks auf Agrarflächen können fruchtbares Ackerland dauerhaft für die Landwirtschaft unbrauchbar machen

Besonders schwer wiegt der Verlust organischer Substanz im Boden. Dazu zählen Pflanzenreste, abgestorbene Wurzeln, Humusbestandteile und andere kohlenstoffreiche Stoffe, die den Boden fruchtbar halten. Sie speichern Wasser, binden Nährstoffe und ernähren Mikroorganismen. Unter den Solarpanels lag dieser Anteil laut Studie um 61 Prozent niedriger. Damit verliert der Boden genau jene Substanz, die Ackerflächen tragfähig, nährstoffreich und widerstandsfähig gegen Trockenheit macht.

Agrarflächen verlieren mehr als nur Ertrag

Die Studie beschreibt nicht nur einen kurzfristigen Ertragsverlust. Sie zeigt Veränderungen an den Grundlagen der Bodenfruchtbarkeit. Mikroben arbeiteten unter den Modulen deutlich schwächer. Dadurch verlangsamt sich der Abbau organischer Stoffe. Außerdem stehen Pflanzen weniger Nährstoffe zur Verfügung.

In 20 Zentimeter Tiefe fanden die Forscher zudem eine erhöhte elektrische Leitfähigkeit. Das deutet auf mehr Salz im Boden hin. Eine solche Veränderung kann die Bodenqualität zusätzlich verschlechtern. Deshalb reicht ein späterer Rückbau der Technik nicht aus. Die landwirtschaftliche Nutzung hängt davon ab, ob der Boden seine biologische Funktion zurückerhält.


Michigan warnt vor Risiken für Kartoffeln

Die Warnung aus Michigan bekommt durch diese Befunde besonderes Gewicht. Kartoffeln wachsen direkt im Boden. Deshalb können Rückstände aus früheren Solarparks bei dieser Kultur besonders gefährlich werden. Kleine Metall- oder Plastikteile gefährden die Ernte nicht theoretisch. Sie können in Knollen gelangen und damit die Lebensmittelkette belasten.

Die Kartoffelbauern fordern deshalb andere Standorte für Solarparks. Dächer, Industriebrachen und Flächen mit geringer landwirtschaftlicher Eignung sollen Vorrang erhalten. Damit ließe sich Strom erzeugen, ohne hochwertige Böden zu opfern. Agrarflächen mit hoher Ertragskraft erfüllen eine andere Aufgabe. Sie sichern Nahrung, Verarbeitungskapazität und regionale Wertschöpfung.

Rückbauversprechen ersetzen keine Bodensicherheit

Viele Solarprojekte beruhen auf der Zusage, die Anlagen nach Jahrzehnten wieder zu entfernen. Dieses Versprechen klingt einfach, greift jedoch zu kurz. Module und Gestelle verschwinden schneller als Bodenschäden. Kabelreste, Kunststoffsplitter, Metallteile und verdichtete Schichten können bleiben. Deshalb muss die spätere Ertragsfähigkeit nachgewiesen werden, nicht nur die Demontage der Technik.

Hinzu kommt die offene Entsorgung alter Solarpanels. Bis 2050 wird weltweit mit rund 80 Millionen Tonnen Panel-Abfall gerechnet. Hochwertiges Recycling gilt bislang als begrenzt und teuer. Damit wächst das Risiko, dass die angeblich saubere Nutzung am Ende neue Altlasten hinterlässt. Für die Landwirtschaft zählt deshalb nur ein harter Maßstab: Fruchtbarer Boden darf nicht für ein befristetes Energieprojekt dauerhaft verloren gehen.

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