Sicherheitsrisiko – erste Betreiber verzichten in der Nordsee auf chinesische Windkraftanlagen

Die Debatte um chinesische Windkraftanlagen erreicht jetzt auch die Nordsee. Offshore-Windkraft steht nicht mehr nur für Energiewende und Klimaziele, sondern auch für geopolitische Spannungen. Luxcara, ein Hamburger Investor, hat sich nach öffentlichem Druck von chinesischen Angeboten distanziert. Bei den Projekten „Waterekke“ und „Waterkant“ sollen ausschließlich Anlagen von Siemens Gamesa zum Einsatz kommen. Die Nordsee wird damit zum Schauplatz eines Machtkampfes zwischen Energiewirtschaft und Sicherheitspolitik (welt: 27.08.25).


Milliardenaufträge in der Nordsee

Für den Hersteller Mingyang bedeutet diese Entwicklung einen massiven Verlust. Besonders beim Windpark „Waterkant“ war die Installation von 19 chinesischen Windkraftanlagen mit je 15,5 Megawatt Leistung vorgesehen. Damit hätte der Konzern den Einstieg in den deutschen Markt geschafft, der in der Offshore-Windkraft enorme Zuwächse verspricht. Deutschland plant, die Kapazität seiner Nordsee-Anlagen bis 2030 auf rund 30.000 Megawatt zu steigern.

Nordsee-Windparks stoppen chinesische Windkraftanlagen. Sicherheitsrisiko und geopolitischer Handelskonflikt verschärfen die Lage
Nordsee-Windparks stoppen chinesische Windkraftanlagen. Sicherheitsrisiko und geopolitischer Handelskonflikt verschärfen die Lage

Schon heute zeigt sich die Dominanz aus Fernost. Von den zehn größten Produzenten im Bereich Offshore-Windkraft stammen sieben aus China. Neben Siemens Gamesa behaupten sich nur noch Vestas aus Dänemark und GE Vernova aus den USA. Die Angst vor einem Abhängigkeitsszenario verstärkt sich, da bereits die Solarindustrie unter Billigimporten aus China zusammengebrochen ist. Auch die Energiewende steht dadurch unter Druck.

Sicherheitsrisiko durch chinesische Windkraftanlagen

Politiker und Sicherheitsbehörden äußern massive Bedenken gegenüber der Errichtung chinesischer Windkraftanlagen in deutschen Hoheitsgewässern. Roderich Kiesewetter, CDU-Außenpolitiker, erklärte im Handelsblatt: „Das ist gerade in der Nordsee auch ein Sicherheitsrisiko für unsere Nato-Partner.“ Gemeint ist der mögliche Zugriff auf sensible Daten über militärische Bewegungen und Energieinfrastruktur.

Zusätzlich analysiert die Bundeswehr Szenarien einer gezielten Unterbrechung der Energieversorgung im Falle eines Konflikts mit Peking. Schon die weite Verbreitung internetfähiger Wechselrichter aus China in Solaranlagen gilt als potenzielles Sicherheitsrisiko. „Xi Jinping kann Deutschland den Strom abschalten“, schrieb die Welt am Sonntag. Diese Warnung dehnt sich nun auch auf die Offshore-Windkraft aus und bedroht damit zentrale Pläne der Energiewende.

Luxcara verweist auf Synergieeffekte

Luxcara-Geschäftsführer Holger Matthiesen begründete den Rückzug offiziell mit Effizienzvorteilen: „Wenn beide Nordsee-Windparks mit demselben Turbinentyp ausgerüstet werden, würde es uns ermöglichen, Entwicklung, Bau und Betrieb beider Projekte enger aufeinander abzustimmen.“ Doch das Argument existierte schon, als die Entscheidung noch zugunsten chinesischer Windkraftanlagen ausfiel.

Ein Projektmanager unterstrich gegenüber Bloomberg: „Wir haben den Druck gespürt und auch die Kontroverse in der Öffentlichkeit. Aber das hatte keinen Einfluss auf unsere Entscheidung, die sich allein mit den Synergieeffekten und dem besseren Angebot begründet.“ Europäische Hersteller hätten inzwischen deutlich attraktivere Konditionen geboten. Dennoch bleibt fraglich, ob nicht auch das Sicherheitsrisiko entscheidend war.


Handelskonflikt als Gefahr für die Energiewende

Offiziell distanziert sich die Bundesregierung von Einflussnahme. Das Wirtschaftsministerium erklärte, es handle sich um eine rein unternehmerische Entscheidung. Doch ein Zusammenhang mit sicherheitspolitischen Erwägungen liegt nahe. Ein Handelskonflikt mit China könnte die Energiewende massiv belasten, da chinesische Windkraftanlagen und Solarmodule den Markt dominieren.

Über 90 Prozent der in Deutschland verbauten Solarmodule stammen aus China, und selbst europäische Offshore-Windkraft-Anlagen enthalten mehr als 60 Prozent chinesische Komponenten. Sollte ein Handelskonflikt eskalieren, könnten die Ausbaupläne in der Nordsee und in ganz Europa ins Stocken geraten. Damit verschmilzt Energiepolitik zunehmend mit geopolitischen Spannungen – eine direkte Bedrohung für die Energiewende.

USA stoppen Offshore-Windkraft-Projekt

Ein Beispiel für die Brisanz liefert der Baustopp eines Windparks vor Rhode Island. Der dänische Konzern Orsted musste die Arbeiten am „Revolution Wind Project“ einstellen, obwohl bereits 45 von 65 Anlagen montiert waren. US-Behörden begründeten dies mit nationalen Sicherheitsinteressen.

Die Entscheidung ließ den Aktienkurs von Orsted um fast 19 Prozent einbrechen. Auch andere Unternehmen im Bereich Offshore-Windkraft gerieten unter Druck. Präsident Trump verstärkte mit seiner Entscheidung den globalen Handelskonflikt um Energieprojekte. Damit zeigt sich, dass auch die Nordsee in Zukunft stärker zum geopolitischen Brennpunkt avancieren könnte.

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