Schwäbisch Gmünd: 60 %-Sprung bei Fernwärme und 30 Mio. Defizit bei den Stadtwerken

In Schwäbisch Gmünd wird das Wärmenetz Bettringen zum Kostenrisiko. Nach einer angekündigten Tariferhöhung könnten die Fernwärmepreise um 60 Prozent steigen. Gleichzeitig verschärft sich die Debatte um ein 30-Millionen-Loch bei den Stadtwerken (remszeitung: 17.01.26).


Schwäbisch Gmünd: 30 Millionen Euro und die Frage nach Kontrolle

Nach Angaben aus dem Umfeld der Stadtwerke wurden 30 Millionen Euro aus dem städtischen Cashpool geliehen. Damit rückt die Finanzlage des Unternehmens in ein grelles Licht. Bürger verbinden diese Summe mit der Sorge, dass sich die Fernwärmepreise nicht mehr allein aus Technik und Betrieb erklären lassen, sondern auch aus dem Sanierungsdruck der Stadtwerke.

60 Prozent mehr Heizkosten, riskante Gasgeschäfte und ein 30-Millionen-Defizit treiben die Fernwärme-Debatte in Schwäbisch Gmünd
60 Prozent mehr Heizkosten, riskante Gasgeschäfte und ein 30-Millionen-Defizit treiben die Fernwärme-Debatte in Schwäbisch Gmünd

Hinter den Kulissen wächst die Kritik, weil Insider von Fehlentscheidungen sprechen und konkrete Verantwortung vermissen. Einer von ihnen sagt wörtlich: „Gmünder werden als Geldquelle ausgenutzt und gemolken. Man sieht es beim Wärmenetz Bettringen. Da wurde Gas völlig falsch eingekauft – und am Ende sollen es diejenigen bezahlen, die keine andere Möglichkeit haben“. Damit steht die Gasbeschaffung im Fokus, zugleich wird die geplante Tariferhöhung als Konsequenz einer riskanten Linie interpretiert.

Fernwärmepreise und Governance: Vorwürfe gegen die Führung

Ein weiterer Insider greift die Steuerung an, denn er sieht strukturelle Defizite: „Transparenz, Kompetenz und Governance – alle drei Elemente fehlen. Die Stadtwerke wurden runtergewirtschaftet“. Solche Aussagen verschärfen die Krise der Stadtwerke, weil sie nicht nur Zahlen kritisieren, sondern auch Kontrolle, Aufsicht und Informationspolitik.

Auch Oberbürgermeister Richard Arnold steht in der Verantwortung, weil Kritiker ihm anlasten, von Fehlplanungen und spekulativem Gaseinkauf gewusst zu haben. Dadurch verknüpft sich die Diskussion über Gasbeschaffung mit politischer Verantwortung. In Schwäbisch Gmünd wächst der Eindruck, dass wichtige Weichen ohne ausreichende Transparenz gestellt wurden.

Stadtwerke-Krise: Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Netzes

Neben der Führung rückt das Projekt selbst in den Mittelpunkt. Ein Insider bestreitet die Tragfähigkeit offen: „Ich weiß echt nicht, wer auf diese Idee gekommen ist – ein Wärmenetz in Bettringen Ost ist wirtschaftlich nicht darstellbar“. Er verweist auf viele Ein- und Zweifamilienhäuser, sodass die Auslastung zum entscheidenden Faktor für Fernwärmepreise und Investitionskosten wird.

Damit gewinnt die Vertragsfrage Gewicht, denn Kenner verlangen kurze Laufzeiten und harte Garantien. Ein Insider sagt: „Beim Wärmenetz sollte es, wenn es denn realisiert wird, Verträge mit sehr kurzer Laufzeit geben, damit die Stadtwerke beweisen können, dass sie Preise einhalten können. Denn momentan können sie es nicht“. Solche Forderungen zielen auf stabile Wärmetarife und sie sollen Kunden vor Überraschungen durch die nächste Tariferhöhung schützen.


Tariferhöhung und Neubewertung: Piazza lässt Kalkulation prüfen

Im Herbst 2025 wurde die Dimension der Tariferhöhung bekannt, denn die Tarife sollten um rund 60 Prozent steigen. Der Arbeitspreis sollte von 8,7 Cent auf 15,2 Cent pro Kilowattstunde klettern. Das würde viele Haushaltsbudgets in Schwäbisch Gmünd spürbar verändern.

Celestino Piazza, Interims-Geschäftsführer der Stadtwerke, kündigte an, die Kalkulation aus der Amtszeit seines Vorgängers Peter Ernst erneut zu prüfen. Entscheidend bleibt jedoch die Gasbeschaffung, weil eine regelbasierte Energiebeschaffung Risiken begrenzen kann und ein weiterer Preisaufschlag dann weniger wahrscheinlich wirkt.

Zum Vorwurf, das Netz werde primär für die kommunale Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Schwäbisch Gmünd (VGW) gebaut, nimmt Piazza ebenfalls Stellung und er nennt diese Behauptung „totaler Schwachsinn“. In dem Gebiet besitze die VGW „lediglich 73 Wohnungen“, Viele Bürger erwarten belastbare Zahlen, weil die Stadtwerke Vertrauen nur über Transparenz zurückgewinnen kann und jede weitere Tariferhöhung politisch schwerer durchsetzbar wird. Deshalb bleibt in Schwäbisch Gmünd die Kernfrage um die Kalkulation der Fernwärmepreise offen.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen