Preiskampf im Handel treibt Milchviehbetriebe an den Rand der Existenz

In Baden-Württemberg verschärft sich Ende April 2026 die wirtschaftliche Lage vieler Milchviehbetriebe. Der Landesbauernverband sieht die Höfe in einer gefährlichen Schieflage. Denn Diesel, Dünger und weitere Betriebsmittel haben sich deutlich verteuert, während der Handel den Auszahlungspreis für Milch senkt. Der Iran-Krieg verschärft diese Kostenentwicklung zusätzlich. Zugleich drücken Preiskämpfe im Lebensmitteleinzelhandel die Erlöse der Erzeuger. Betroffen sind rund 4.800 Betriebe mit etwa 300.000 Kühen (welt: 28.04.26).


Milchviehbetriebe verlieren ihre Kalkulationsbasis

Viele Höfe können ihre Kosten kaum noch decken. Während Einnahmen sinken, bleiben Ausgaben für Futter, Energie und Betriebsmittel hoch. Deshalb schrumpft der finanzielle Spielraum vieler Familienbetriebe.

Milchviehbetriebe leiden unter Preisverfall im Handel und steigenden Treibstoff- und Düngerpreisen – viele Höfe geraten in Existenznot
Milchviehbetriebe leiden unter Preisverfall im Handel und steigenden Treibstoff- und Düngerpreisen – viele Höfe geraten in Existenznot

Der Verband sieht vor allem den Lebensmitteleinzelhandel in der Verantwortung. Dort verschärfen Sonderangebote den Druck auf regionale Erzeuger. Hochwertige heimische Produkte würden dadurch nach Einschätzung der Branche zu billig verkauft.

Preiskampf trifft regionale Versorgung

Besonders Butter zeigt die Folgen der Preisspirale. Preise nähern sich wieder der Marke von einem Euro. Für Verbraucher wirkt das kurzfristig attraktiv, jedoch schwächt es die Erzeugerbasis.

Milchviehbetriebe brauchen stabile Preise, weil sie täglich produzieren und langfristig investieren müssen. Sinkende Erlöse gefährden deshalb Ställe, Technik und Nachfolge. Zugleich wächst das Risiko weiterer Betriebsaufgaben.


Strukturwandel beschleunigt sich weiter

Seit 2010 hat sich die Zahl der Höfe im Land mehr als halbiert. Dieser Rückgang verändert ganze Regionen. Denn mit jedem Betrieb verschwinden Arbeitsplätze, Wertschöpfung und landwirtschaftliche Infrastruktur.

Der Landesbauernverband fordert deshalb politische Entlastung und weniger Bürokratie. Außerdem müsse der Handel regionale Produktion fairer vergüten. Ohne bessere Preise geraten weitere Milchviehbetriebe in Existenznot.

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