Porsche denkt intern über einen harten Schnitt nach. Im Fokus stehen die geplanten Elektroversionen von Cayman und Boxster, also die elektrische Neuauflage der 718er-Reihe. Mehrere mit den Beratungen vertraute Personen führen hohe Entwicklungskosten und spürbare Verzögerungen als Haupttreiber an. Gleichzeitig verschiebt sich die Kalkulation, weil Porsche die Ausgaben der Elektrooffensive bremsen muss, da die Nachfrage nach E-Modellen hinter den Erwartungen bleibt. Das Management prüft deshalb, ob sich das Projekt strategisch noch trägt oder ob ein kompletter Stopp am Ende die günstigere Lösung wäre (wiwo: 02.02.26).
Neuer Chef, neue Rechnung
Michael Leiters prüft laut Insidern, die elektrische 718er-Reihe komplett zu streichen. Dabei geht es um die Modelle Boxster und Cayman, die als E-Sportwagen zurückkommen sollten. Allerdings läuft die Entscheidung noch und die Beratungen gelten noch als offen. Ein Porsche-Sprecher wollte sich nicht äußern.

Die Lage wird durch die Produktionsplanung verschärft, denn eine geringere E-Nachfrage belastet die Auslastung. Leiters ist seit dem 1. Januar CEO und er muss schnell Prioritäten setzen. Gleichzeitig brachen wichtige Volumina weg, weil die Benzinmotoren der 718er-Baureihe 2025 eingestellt wurden. Die beiden Modelle galten bei einem Startpreis von rund 70 000 Euro lange als vergleichsweise günstiger Einstieg in die Porschewelt.
Verzögerungen, Technikrisiko und der Hybrid-Streit
Eine weitere Option lag zeitweise auf dem Tisch, nämlich eine Plug-in-Hybrid-Variante. Damit würde Porsche jedoch eine andere technische Basis benötigen. Das könnte Jahre kosten und es verschiebt den Marktstart. Außerdem steigt das Risiko, mit überholter Technik zu kommen, wenn frische Produkte dringend nötig sind.
Die internen Kosten gelten als aus dem Ruder gelaufen, weil die Elektroplanung sehr ambitioniert angelegt war. Deshalb schaut das Management jetzt wieder stärker auf Verbrenner und Hybride. Porsche hatte seine Prognose im Vorjahr mehrfach nach unten angepasst. Volkswagen spürte den Einbruch ebenfalls, während die Erwartungen an die E-Offensive sanken.
Druck aus China, Zölle in den USA, Milliardenbelastung
Ein wesentlicher Faktor ist China, denn dort schwächeln die Verkaufszahlen. Damit fehlen Deckungsbeiträge und die Budgetgrenzen werden härter. Hinzu kommen Importzölle in den USA, dem größten Einzelmarkt von Porsche. Diese Kombination trifft die Ergebnisplanung, obwohl der Hersteller weiter Premiumpreise durchsetzen will.
Porsche warnte bereits, dass die Kurskorrektur das Betriebsergebnis 2025 um bis zu 1,8 Milliarden Euro drücken könne. Dennoch reagierte die Börse kurzfristig gelassener. Die Aktie drehte im Tagesverlauf ins Plus und lag in Frankfurt zeitweise etwa 0,6 Prozent vorn. Seit Jahresbeginn bleibt das Papier jedoch rund 9 Prozent im Minus.
718er: Absatzplus 2024, aber unklare Zukunft ab 2026
Porsche beendete die Produktion der 718-Verbrenner im vergangenen Jahr und die Rückkehr als Elektroversion war für 2026 angepeilt. Das wirkt paradox, weil die Reihe zuletzt noch lieferte. Im Jahr 2024, dem letzten vollen Produktionsjahr, stiegen die Verkäufe um 15 Prozent. Insgesamt setzte Porsche 23.670 Boxster und Cayman ab, obwohl der Auslauf bereits absehbar war.
Nach dem Rauswurf aus dem Dax im vergangenen Jahr versprach Porsche eine bessere finanzielle Performance. Die Ernennung von Leiters verbesserte die Stimmung, weil sie die Doppelrolle von Oliver Blume beendete. Blume bleibt allerdings weiterhin Chef von Volkswagen. Leiters muss zudem mit Arbeitnehmervertretern über zusätzliche Einsparungen sprechen, während die Modell- und Werksplanung unter Zeitdruck steht.
Finanzvorstand Jochen Breckner dämpfte die Erwartungen bereits im Oktober. 2025 werde ein Tiefpunkt, so seine Linie und erst danach solle die Rückkehr zu zweistelligen Margen gelingen. Das Ziel liegt laut Management in den Jahren nach 2026, wobei die neue Priorisierung der Antriebe dafür entscheidend wird.
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