Playmobil zieht Produktion aus Deutschland ab – 350 Jobs weg

Die Horst-Brandstätter-Group stellt die Fertigung der Playmobil-Figuren im fränkischen Werk Dietenhofen ein. Damit endet die Playmobil-Produktion in Deutschland faktisch, wie die Gewerkschaft IGBCE berichtet. Betroffen sind rund 350 Beschäftigte am Standort im Landkreis Ansbach. Gleichzeitig bleibt offen, wie ihre Zukunft konkret aussieht. Das Unternehmen will die Produktion bis Ende Juni auf ausländische Werke verteilen. Die Verlagerung soll in den kommenden Monaten umgesetzt werden (wiwo: 05.02.26).


Standort Dietenhofen vor dem Aus: 350 Jobs im Fokus

Die Belegschaft erfuhr die Entscheidung in einer außerordentlichen Versammlung. Danach kündigte die Unternehmensleitung Gespräche mit dem Betriebsrat an, damit eine „sozialverträgliche Umsetzung“ erreicht wird. Zudem nennt die Gruppe als Option die Einrichtung einer Transfergesellschaft, damit Beschäftigte nicht abrupt ins Leere fallen. Allerdings bleibt unklar, welche Angebote am Ende wirklich stehen, weil die Horst-Brandstätter-Group dazu keine Details nannte.

Nach umfassender Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellt Playmobil die Produktion in Deutschland ein
Nach umfassender Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellt Playmobil die Produktion in Deutschland ein

Im Sommer 2023 dementierte das Unternehmen noch Schließungspläne und auch Mitte des vergangenen Jahres wies die Gruppe entsprechende Berichte zurück. Nun erfolgt die Kehrtwende, obwohl die Produktion in Dietenhofen lange als stabiler Pfeiler galt. Trotzdem wird der Betrieb am Standort beendet und die Anlagen sollen mit umziehen.

Kosten, Wettbewerb, Verlagerung: Das steckt hinter der Entscheidung

Als Begründung nennt das Unternehmen eine „umfassende Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“. In Deutschland seien die Produktionskosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, weshalb die Fertigung im Inland nicht mehr konkurrenzfähig sei. Deshalb soll die Verlagerung helfen, „die Wettbewerbsfähigkeit der Marke Playmobil langfristig zu sichern“ und zugleich die „wirtschaftliche Stabilität der Unternehmensgruppe zu gewährleisten“. Damit setzt die Horst-Brandstätter-Group auf eine Produktion außerhalb Deutschlands, um die Kostenbasis zu senken und die Marge zu stabilisieren.

Die Entscheidung wirkt wie eine Zäsur, weil Playmobil als fränkisches Industrieprodukt galt. Gleichzeitig zeigt der Schritt, wie stark Kostensteigerungen in der Produktion selbst traditionsreiche Marken treffen. Allerdings beantwortet die Ankündigung nicht die zentrale Frage, was nach Juni mit den betroffenen Beschäftigten passiert, obwohl genau dort die größte Unsicherheit liegt.


Gewerkschaft IGBCE erhebt schwere Vorwürfe gegen das Management

Von der IGBCE kommt scharfer Widerspruch, denn die Gewerkschaft sieht die Ursachen nicht primär bei Löhnen oder Energiepreisen. „Die Verantwortung für jahrelanges Missmanagement soll nun erneut auf die Beschäftigten abgewälzt werden“, sagt IGBCE-Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks. Außerdem wertet Krippner den Schritt als endgültigen Abschied von der Fertigung in Franken. Die Entscheidung bedeute „nichts anderes als das Ende der Spielwarenproduktion am Standort Dietenhofen und damit das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland“.

Besonders brisant ist ein weiterer Punkt: Krippner betont, die Horst-Brandstätter-Group habe einen solchen Schritt im Umstrukturierungsprozess „eigentlich ausgeschlossen“. Damit steht der Vorwurf im Raum, dass Zusagen gegenüber Belegschaft und Öffentlichkeit nicht gehalten wurden. Während das Unternehmen von Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit spricht, stellt die Gewerkschaft die Strategie als Folgenkorrektur jahrelanger Fehler dar, und genau daran dürfte sich der Konflikt in den kommenden Verhandlungen entzünden.

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