Im CleanTech Business Park Marzahn in Berlin scheitert das letzte konkrete Ansiedlungsprojekt, weil ein Artenschutzkonflikt um die streng geschützte Wechselkröte die Baugenehmigung juristisch zu Fall brachte, obwohl die Kröte selbst auf dem betroffenen Baufeld nach Darstellung im Verfahren nie tatsächlich gesichtet wurde. Auslöser war eine Klage von Naturschutzverbänden gegen die Genehmigung, nachdem der Streit um einen Schutzzaun am Baugrundstück eskalierte. Das Gericht verlangte eine Kartierung nach artenschutzfachlichen Standards und hielt ein flächendeckendes Vorkommen der Kröte dort für möglich, weil die Datengrundlage aus Sicht der Richter nicht belastbar genug war. Die Folgen sind konkret: Berlin verliert das Batterievorhaben der Moll-Batterien GmbH, welches ca. 120 Arbeitsplätze geschaffen hätte. Der rund 300 Hektar große Industriepark bleibt ohne Mieter. Die Fabrik entsteht jetzt in Bayern (berliner-zeitung: 27.02.26).
Kröte ohne Nachweis – Verdacht ersetzt Sichtung
Das Brisante liegt im Detail: Auf dem betroffenen Baufeld gab es nach Darstellung im Verfahren keinen dokumentierten Sichtnachweis der streng geschützten Art. Der Streit lief trotzdem weiter, weil Artenschutzrecht nicht nur auf Sichtungen reagiert, sondern auch auf plausiblen Lebensraum und mögliche Wanderkorridore. Damit wurde aus einem Naturschutzthema eine Standortfrage mit unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen.

Die Auseinandersetzung begann am Schutzzaun, der Amphibien vom Baugelände fernhalten sollte. Die landeseigene Betreibergesellschaft WISTA setzte auf diese Lösung und gewann zunächst vor Gericht. Das Verfahren blieb jedoch nicht abgeschlossen, weil Verbände anschließend die Baugenehmigung grundsätzlich angriffen.
Kartierung als Knackpunkt – ohne Daten keine Planungssicherheit
Die Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. klagte gegen die erteilte Genehmigung, unterstützt durch eine vom Land Berlin geförderte „Serviceeinrichtung der Berliner Naturschutzverbände“. Das Gericht stellte fest, dass eine Kartierung fehlte, die den artenschutzfachlichen Standards genügt. Die Genehmigung geriet ins Wanken, weil ohne belastbare Erhebung weder Umfang noch Risiko des Vorkommens sauber bewertbar waren.
Damit stand nicht mehr die Baustelle im Mittelpunkt, sondern die Unsicherheit. Für Investoren zählt ein klarer Zeitplan, Genehmigungen müssen halten. Ein Projekt kippt in solchen Lagen, denn unkalkulierbare Verzögerungen treiben die Kosten und kippen damit die geplante Finanzierung.
Marzahn verliert das letzte Projekt – Lichtenfels gewinnt Tempo
Projektentwickler Peter Urban brachte die Frustration in einem Satz auf den Punkt: „Ich hätte das innovative Batterievorhaben sehr gern in Berlin realisiert, aber wir hatten keine Chance gegen die ‚Erdkröte‘.“ Die Aussage ist zugespitzt, sie beschreibt jedoch den Effekt. Das Vorhaben geht nach Bayern, weil Berlin das Genehmigungs- und Risikoprofil nicht mehr stabilisieren konnte.
Für den CleanTech-Park ist das ein Tiefschlag. Nach einer Anfrage des Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg an den Berliner Senat hat das Areal bis heute keinen einzigen Mieter. Der Park verliert weiter Glaubwürdigkeit, weil auch der einstige Prestige-Ankermieter HH2E inzwischen insolvent ist. Die Debatte um die Kröte bleibt dabei das Symbol für einen Standort, der am Ende leer steht.
Bayern setzt das Signal, Berlin bleibt mit Leerstelle zurück
In bayrischen Lichtenfels soll die Produktion der Moll-Batterien GmbH noch 2026 anlaufen. Geplant ist die Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg und dem Bayerischen Zentrum für Batterietechnik. Rund 90 Millionen Euro stehen im Raum, bis zu 120 Arbeitsplätze gelten als möglich, weil Bayern das Projekt als industriellen Baustein einbindet und beschleunigt.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nannte das Vorhaben „einen echten Meilenstein für Bayern“. In Berlin wirkt der Kontrast scharf. Der CleanTech-Park bleibt ohne Ergebnis, weil ein Artenschutzkonflikt auf Basis fehlender Datensicherheit jahrelang jede Ansiedlung planungsrechtlich riskant machte. Die Kröte taucht in der Bilanz als Blockadefaktor auf, obwohl ein belastbarer Sichtnachweis am Baufeld nicht dokumentiert wurde.
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