Pforzheim vor Einschnitt – Witzenmann streicht 230 Jobs

Die Witzenmann-Gruppe, ein Hersteller von flexiblen Metallschläuchen, Kompensatoren und Leitungssystemen für Industrie- und Fahrzeuganwendungen, will in Pforzheim rund 230 Stellen abbauen. Dabei verhandelte die Geschäftsleitung des Unternehmens mit Gewerkschaft und Betriebsrat, weil Kündigungen die Ausnahme bleiben sollen. Zum Standortverbund gehören auch Kieselbronn und Remchingen, dort arbeiten derzeit 1.650 Mitarbeiter (bnn: 29.01.26).


Freiwilligenmodell soll Standort Pforzheim entlasten

Im Zentrum stehen Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen, weil das Unternehmen den Abbau sozialverträglich gestalten will. Dennoch bleibt ein Risiko, denn die Planung funktioniert nur, wenn genügend Beschäftigte die Angebote annehmen. Personalchefin Christine Wüst sagt dazu: „Mit diesem Ergänzungstarifvertrag haben wir die Voraussetzungen geschaffen, den notwendigen Personalabbau auf Freiwilligkeit aufzubauen“. Damit benennt sie den Kern der Strategie, während die Umsetzung bis 2029 laufen soll.

Die Witzenmann-Group baut am Standort Pforzheim 230 Stellen ab und setzt auf Altersteilzeit und Abfindungen
Die Witzenmann-Group baut am Standort Pforzheim 230 Stellen ab und setzt auf Altersteilzeit und Abfindungen

Die Einigung entstand nach langen Verhandlungen zwischen der Geschäftsleitung, Südwestmetall, der IG Metall und dem Betriebsrat. Beide Seiten wollten einen klaren Rahmen. Ein Ergänzungstarifvertrag soll regeln, dass 2026 einzelne tarifliche Leistungen entfallen. Außerdem verschiebt sich die Entgelterhöhung aus dem Frühjahr auf Oktober 2026.

Tarifpaket verbindet Einschnitte mit Investitionen

Für viele Beschäftigte zählt am Ende die Balance, weil Einschnitte beim Einkommen direkt spürbar werden. Deshalb stellt die Geschäftsführung Investitionen von insgesamt 49 Millionen Euro für 2026 und 2027 in Aussicht. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Neubau im Buchbusch, zudem soll Geld in technologische Zukunftsfelder fließen. Dazu zählen Anwendungen in der Wasserstoff-Industrie, energetische Gebäudesanierung und Halbleiter.

Mit dieser Kombination will Witzenmann das Geschäft in der Transformation stabilisieren, so dass der Standort Pforzheim wettbewerbsfähig bleiben kann. Der Zeitplan streckt den Abbau bis 2029, damit das Unternehmen gezielt steuern kann. Entscheidend bleibt jedoch die Nachfrage nach den freiwilligen Programmen, weil daran die Zusage hängt, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Gewerkschaften setzen auf klare Spielregeln

Die IG Metall bewertet den Abschluss nüchtern, weil der Schritt für viele Betroffene hart bleibt. Tom Wolters, erster Bevollmächtigter der IG Metall Pforzheim, sagt: „Natürlich schmerzt der Einschnitt im Entgelt die Beschäftigten bei Witzenmann sehr.“ Gleichzeitig verweist er auf die Verantwortung für den Industriestandort und auf die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Damit wird klar, dass die Gewerkschaft vor allem Kontrolle über die Umsetzung behalten will.

Auch Südwestmetall betont die Bedeutung des Unternehmens für die Region. Cornelia Koch, Geschäftsführerin in der Bezirksgruppe Mittlerer Oberrhein-Enz, nennt Witzenmann „eines der Familienunternehmen, die das Rückgrat der Wirtschaft in Baden-Württemberg ausmachen“. Zudem verweist sie auf das wiederholte Bekenntnis zum Standort. Das Ergebnis soll helfen, dieses Bekenntnis durch die Krise zu tragen.


Schwacher Markt und Verbrenner-Rückgang als Haupttreiber

CEO Andreas Kämpfe ordnet die Einigung als Signal in einer heiklen Phase ein. Er sagt: „Die Einigung mit unseren Sozialpartnern ist ein starkes Signal für Witzenmann. Sie schafft Stabilität, stärkt die Transformation und ermöglicht es uns, gleichzeitig verantwortungsvoll mit unserer Belegschaft umzugehen.“ Damit verbindet er den Umbau mit dem Anspruch, Vertrauen zu erhalten.

Die wirtschaftlichen Gründe liegen laut Unternehmen in der Konjunkturschwäche im europäischen Heimatmarkt, während zugleich Stückzahlen bei Bauteilen für Verbrennungsmotoren sinken. Hinzu kommt ein langsamer Anlauf von Neuprodukten, was die Umsatzentwicklung zusätzlich bremst. Diese Mischung führte in der Witzenmann GmbH zu deutlichen Rückgängen, weshalb der Umbau jetzt beschleunigt wird. Weil der Standortverbund um Pforzheim im Fokus steht, bleibt die Umsetzung der freiwilligen Programme der zentrale Prüfstein.

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