Onshore-Windkraft – Studie warnt vor schweren Schäden für Artenvielfalt weltweit

Eine neue Studie beschreibt erhebliche Umweltschäden die weltweit durch durch Onshore-Windkraftanlagen entstehen und rückt die Artenvielfalt ins Zentrum. Untersucht wurden Windparks an Land, deren Ausbau vor allem in artenreichen Regionen und Gebieten mit wenig Infrastruktur große Risiken schafft. Die Autoren nennen Kollisionen, Lebensraumverlust, Verhaltensänderungen bei Tieren sowie Störungen ganzer Nahrungssysteme als zentrale Gefahren. Betroffen sind vor allem Fledermäuse, Vögel und Insekten, während zugleich Populationen einzelner Arten sinken oder lokal zusammenbrechen könnten (tkp: 13.06.26).


Millionen Tiere sterben – Windkraftanlagen können lokale Artenvielfalt reduzieren

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Windkraftanlagen Tiere nicht nur töten, sondern außerdem deren Verhalten, Physiologie und Bestandsentwicklung verändern können. Besonders hoch ist das Risiko bei Fledermäusen. In den Ländern mit den meisten Anlagen sterben laut Studie jedes Jahr rund eine Million Tiere dieser Art. Windkraftanlagen töten in den USA jedes Jahr rund 500.000 Fledermäuse. In Großbritannien liegt die Zahl bei etwa 30.000, in Kanada bei 50.000 und in Deutschland bei 200.000.

Neue Studie zeigt, wie Onshore-Windkraft die Artenvielfalt belastet und warum Fledermäuse, Vögel und Insekten besonders leiden
Neue Studie zeigt, wie Onshore-Windkraft die Artenvielfalt belastet und warum Fledermäuse, Vögel und Insekten besonders leiden

Auch Vögel sind stark gefährdet, jedoch trifft es nicht alle Arten gleich. Große Greifvögel gelten als besonders anfällig, weil sie häufig kollisionsgefährdet sind und zugleich geringe Reproduktionsraten haben. Die Autoren halten es deshalb für möglich, dass einzelne Arten regional verschwinden. Als Beispiele nennen sie Mönchs- und Gänsegeier in Europa sowie die Feldlerche in Portugal.

Schäden reichen weit über einzelne Kollisionen hinaus

Nach Einschätzung des Forschungsteams beginnt der Schaden nicht erst am Rotor. Schon der Bau von Windparks verschlechtert Lebensräume, während sensible Gebiete besonders stark leiden. Die Autoren schreiben, Windkraftanlagen seien „als wichtiger Faktor für den Verlust und die Verschlechterung unersetzlicher Lebensräume anerkannt sind, die für den Naturschutz von Bedeutung sind“. Gerade Regionen mit hoher Biodiversität und wenig vorhandener Infrastruktur geraten deshalb in den Fokus.

Hinzu kommen indirekte Effekte, die weit über einzelne Kollisionen hinausreichen und deshalb die Artenvielfalt zusätzlich belasten. In tropischen Waldlücken kann sich laut Studie die Zahl von Spitzenprädatoren wie Jaguaren, Dschungelkatzen und Goldschakalen verändern. Das kann „mögliche Kaskadeneffekte“ entlang ähnlicher Breitengrade auslösen. Große Rotoren töten zahlreiche Insekten. Eine Analyse der Rückstände auf den Rotorblättern zeigen, dass die Verluste erheblich sein können


Warnung vor weiterem Ausbau der Windparks

Bei mehreren Arten sehen die Forscher bereits klare Hinweise auf Bestandsrückgänge, außerdem nennen sie konkrete Risikofälle aus verschiedenen Regionen. Dazu zählen die Graufledermaus in Nordamerika, der Rötelfalke in Frankreich und der Schwarzmilan in Südafrika. In Mitteleuropa wurden Rückgänge bei der Großfledermaus gemeldet. In Kalifornien sollen fast 50 Prozent der untersuchten Vogelarten einem durch Windkraft verursachten Bestandsrückgang ausgesetzt sein, während die lokale Steinadler-Population im Altamont Pass offenbar nur durch Zuwanderung stabil bleibt.

Auch der weltweit bedrohte Schmutzgeier in Spanien zeigt in der Nähe von Windkraftanlagen schlechtere Überlebensraten, geringeres Populationswachstum und kleinere Bestände. Die Autoren betonen zugleich, dass Folgen für die Artenvielfalt bisher nur für wenige kleinere Tiergruppen dokumentiert seien. Dennoch seien diese Auswirkungen „nicht zu vernachlässigen“. Besonders kritisch fällt der Blick in die Zukunft aus. Wörtlich heißt es: „Die vielleicht größte Unbekannte bei der Vorhersage zukünftiger Auswirkungen der Windenergie auf die Biodiversität liegt im Ausmaß der potenziellen Ausweitung dieser Technologie und den kumulativen Folgen dieser Ausweitung für Arten und Ökosysteme.“

Professor Christian Voigt verwies außerdem in früheren Arbeiten auf ein weiteres Problem. Es müsse geprüft werden, ob die Verluste bei Insekten zum Rückgang ganzer Populationen „und möglicherweise zum Aussterben von Arten“ beitragen. Befürworter der Windenergie verweisen zwar oft auf die größeren Schäden des Klimawandels. Die Autoren halten diese Annahme zwar für „plausibel“, zugleich bezeichnen sie sie jedoch als „unbewiesen“. Ein US-Bericht aus dem Jahr 2021 schlug vor, bis zu 13 Prozent der Landfläche für Windparks zu nutzen. Genau darin sehen die Wissenschaftler das Risiko weiter wachsender Schäden.

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