Der Onlinehändler Otto baut rund 460 Vollzeitstellen ab, vor allem am Hauptstandort in Hamburg, nachdem der Konzern bereits 2025 rund 480 Jobs im Kundenservice gestrichen hatte. Auslöser ist ein umfassendes Sparprogramm unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Petra Scharner-Wolff, das die Kostenbasis bis 2027/28 deutlich senken soll. Der Stellenabbau betrifft insbesondere Marketing, Controlling und Technologie-Bereiche, während zugleich ein Generationswechsel in der Eigentümerfamilie ansteht. Entscheidender Faktor ist der massive Margendruck im Onlinehandel, außerdem reagiert Otto auf ein schwaches Konsumumfeld. Betroffen sind vor allem Beschäftigte in zentralen Konzernfunktionen, jedoch verändert der Umbau die gesamte strategische Ausrichtung (manager-magazin: 19.02.26).
Zweite Sparrunde binnen eines Jahres
Bereits 2025 hatte Otto etwa 480 Stellen im Kundenservice abgebaut, damals vor allem durch die Schließung von Callcenter-Strukturen. Nun folgt die nächste Welle, allerdings trifft sie diesmal zentrale Steuerungs- und Entwicklungsbereiche. Das ist ein qualitativer Einschnitt, weil Marketing, Controlling und IT bislang als Kernkompetenzen galten.

Der Konzern verfolgt dabei ein klares Ziel: Die jährliche Kostenbasis soll perspektivisch auf rund 500 Millionen Euro sinken. Deshalb greift das Management tiefer in die Organisation ein als in früheren Restrukturierungen. Während frühere Anpassungen eher operativ blieben, erfasst die aktuelle Runde strategische Einheiten.
Generationswechsel verschärft den Umbau
Parallel zum Sparkurs bereitet die Eigentümerfamilie den Führungswechsel vor, denn 2026 übernimmt Benjamin Otto eine zentrale Rolle im Stiftungsrat. Dieser Schritt markiert einen Generationenschnitt, zugleich fällt er in eine Phase wirtschaftlicher Neuordnung. Die zeitliche Nähe verstärkt den Eindruck eines strategischen Neustarts.
Seit März 2025 führt Otto Group-Chefin Scharner-Wolff den Konzern. Sie setzt stärker auf Profitabilität und schnellere Entscheidungen. „Wir müssen unsere Strukturen vereinfachen und effizienter werden“, erklärte sie intern laut Unternehmensangaben, während sie den Sparkurs als notwendig bezeichnete.
Fokus auf Effizienz statt Wachstum
Otto reagiert damit auf anhaltenden Wettbewerbsdruck durch internationale Plattformen, außerdem belastet die Kaufzurückhaltung in Deutschland das Geschäft. Der E-Commerce-Markt wächst langsamer als in den Boomjahren, jedoch bleiben Kosten und Investitionen hoch. Deshalb verschiebt der Konzern seinen Schwerpunkt klar auf Ergebnisqualität.
Die aktuelle Maßnahme zeigt, dass Otto nicht nur Randbereiche verschlankt, sondern zentrale Funktionen neu ordnet. Marketingbudgets stehen ebenso auf dem Prüfstand wie technologische Entwicklungsprojekte. Währenddessen will die Führung Doppelstrukturen abbauen und Entscheidungswege verkürzen.
Strategischer Neustart mit Risiken
Der Stellenabbau betrifft hunderte Beschäftigte, außerdem sendet er ein Signal an den gesamten Handelssektor. Otto verlässt damit sichtbar die lange gepflegte Linie des besonders sozial abgefederten Wandels. Der neue Kurs priorisiert wirtschaftliche Stabilität, jedoch steigt intern der Anpassungsdruck.
Ob der Konzern damit schneller und wettbewerbsfähiger wird, entscheidet sich in den kommenden Geschäftsjahren. Klar ist bereits jetzt: Der Umbau geht über eine normale Sparmaßnahme hinaus. Otto stellt seine Struktur grundlegend neu auf, während die nächste Generation die strategische Verantwortung übernimmt.
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