Olympus streicht in Hamburg 234 Stellen – seit 1. April 2026 drohen auch Kündigungen

Bei Olympus in Hamburg sind seit dem 1. April 2026 insgesamt 234 Vollzeitstellen aus dem Stellenplan gestrichen. Betroffen sind alle Standorte des Medizintechnikunternehmens in der Stadt. Der Abbau ist Teil eines weltweiten Sparprogramms, das Olympus bereits im November 2025 angekündigt hatte und das rund 2000 Stellen umfasst. Auslöser ist ein neues globales Betriebsmodell, mit dem der Konzern Strukturen verschlanken, Abläufe vereinfachen und Kosten senken will. In Hamburg trifft die Maßnahme fast acht Prozent der Belegschaft, denn dort arbeiten rund 3000 Menschen für Olympus. Zugleich bleibt das Risiko betriebsbedingter Kündigungen bestehen, falls unbesetzte Stellen und ein Freiwilligenprogramm nicht ausreichen.


Alle Hamburger Gesellschaften sind vom Stellenabbau erfasst

Die Einschnitte verteilen sich auf drei Gesellschaften. Bei der Olympus Europa SE & Co. KG entfallen 90 Stellen. Bei der Olympus Winter & Ibe GmbH sind es 116 Stellen. Hinzu kommen 28 Stellen bei der Olympus Deutschland GmbH. Damit erfasst der Umbau den gesamten Hamburger Standortverbund, während das Unternehmen die lokale Maßnahme als Teil einer weltweiten Restrukturierung einordnet.

Olympus streicht in Hamburg 234 Stellen. Seit dem 1. April 2026 wächst die Sorge vor Kündigungen an allen Standorten der Stadt
Olympus streicht in Hamburg 234 Stellen. Seit dem 1. April 2026 wächst die Sorge vor Kündigungen an allen Standorten der Stadt

Olympus bestätigt organisatorische Veränderungen in Hamburg, nennt öffentlich jedoch keine genaue Zahl für den dortigen Abbau. Der Konzern erklärt: „Im Zuge dieser Restrukturierung baut Olympus weltweit rund 2000 Rollen ab – größtenteils zum ersten April“. Zudem verweist das Unternehmen auf ein Betriebsmodell, das die organisatorische Komplexität reduzieren soll. Besonders brisant wirkt das auch deshalb, weil Olympus bei einer früheren Arbeitgeberabfrage für Hamburg noch mit einer stabilen Beschäftigtenzahl gerechnet hatte.

Freiwilligenprogramm zuerst, Kündigungen aber nicht ausgeschlossen

Nach Darstellung des Unternehmens soll der Abbau zunächst ohne betriebsbedingte Kündigungen gelingen. Olympus erklärt dazu: „Olympus strebt an, die Maßnahme ohne betriebsbedingte Kündigungen umzusetzen.“ Geplant ist, offene Stellen wegfallen zu lassen und zusätzlich ein Freiwilligenprogramm anzubieten. Das soll Beschäftigten den einvernehmlichen Ausstieg über Aufhebungsverträge ermöglichen, während der Konzern zugleich seine Zielzahl erreichen will.

Interne Unterlagen zeigen jedoch, dass der Druck für die Belegschaft damit nicht endet. Wenn das Freiwilligenprogramm und der Wegfall unbesetzter Stellen nicht genügen, sollen im nächsten Schritt betriebsbedingte Kündigungen folgen. Dann greift eine Sozialauswahl, die laut den Unterlagen auch Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen erfassen kann. Olympus betont zwar, dass für diesen Fall Kriterien mit den Mitbestimmungsgremien abgestimmt seien, doch für viele Beschäftigte bleibt die Lage damit unsicher.

Sozialplan, Abfindungen und Streit über die Kommunikation

Für die drei Hamburger Gesellschaften bestehen Sozialpläne aus den Jahren 2024 und 2025. Diese Regelungen sollen nun angewendet werden. Nach den vorliegenden Informationen liegt die maximale Abfindung bei 200.000 Euro. Wer im Rahmen des Freiwilligenprogramms per Aufhebungsvertrag ausscheidet, kann zusätzlich 35 Prozent auf die errechnete Summe erhalten. Dadurch steigt die Obergrenze auf 270.000 Euro, was den freiwilligen Abgang für einzelne Beschäftigte attraktiver machen soll.

Beim Ablauf der Information widersprechen sich jedoch die Darstellungen. Olympus erklärt, die Betriebsräte seien bereits im vergangenen Jahr über die geplanten Veränderungen informiert worden. Bis Dezember habe es Verhandlungen über die Personalmaßnahmen gegeben, außerdem sei die Belegschaft seit November mehrfach unterrichtet worden. Aus der Belegschaft heißt es dagegen, die Information über den Stellenabbau in Europa sei erst Anfang 2026 angekommen. Das verstärkt die Unruhe, während sich öffentlich offenbar kaum jemand äußern will.


Konzern will Millionen sparen, Aktie geriet unter Druck

Der Stellenabbau ist nur ein Teil eines größeren Konzernumbaus. Olympus will auch Fachbereiche neu zuschneiden, Berichtslinien verändern und Aufgaben einzelner Stellen neu ordnen. Mit dieser Neuaufstellung will das Unternehmen jährlich rund 24 Milliarden Yen einsparen. Das entspricht etwa 132 Millionen Euro. Der Sparkurs zielt also nicht nur auf Personal, sondern zugleich auf die gesamte Organisationsstruktur.

An der Börse kam die Restrukturierung zunächst gut an. Später drehte die Stimmung jedoch, nachdem Olympus im Februar seine Prognose für das Betriebsergebnis des am 31. März 2026 beendeten Geschäftsjahres deutlich gesenkt hatte. Der Aktienkurs fiel daraufhin kräftig. Am 13. März lag die Aktie nur noch bei knapp über sieben Euro. Einen Tag vor der gesenkten Prognose hatte sie noch 10,84 Euro erreicht. Damit verschärfte sich der Druck auf den Konzern zusätzlich, während die Folgen nun vor allem die Beschäftigten in Hamburg spüren.

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