Ölkrise im Persischen Golf – blockierte Straße von Hormus legt Weltmärkte lahm

Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist seit den Angriffen der USA und Israels auf Iran Ende Februar fast zum Stillstand gekommen und damit hat sich eine akute Ölkrise im Persischen Golf entfaltet. Auslöser sind die militärische Eskalation, Drohungen gegen die Schifffahrt, Angriffe auf Tanker sowie die Angst vor weiteren Schlägen gegen Förderanlagen, Häfen und Pipelines. Die Meerenge zwischen Oman und Iran ist der zentrale Transportweg für rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Lieferungen, weshalb Förderstopps in Irak, Kuwait, Abu Dhabi und Katar jetzt auf Preise, Industrie und Versorgung durchschlagen. In den USA sprang der Ölpreis über 100 Dollar je Barrel, während Europa und Asien zugleich höhere Kosten für Treibstoff, Gas und Transporte tragen müssen (wsj: 08.03.26).


Ölkrise trifft Förderung und Schifffahrt gleichzeitig

Die ersten Reaktionen kamen direkt aus der Ölindustrie. Der Chef des norwegischen Produzenten DNO ließ am 28. Februar die Ölfelder seines Unternehmens im Irak abschalten, weil er nach den Angriffen kein weiteres Risiko eingehen wollte. Das war der erste Förderstopp dieses Krieges und kurz darauf zogen andere Produzenten nach.

Ölkrise im Persischen Golf: Blockierte Hormus-Route treibt Öl, Gas und Transportkosten hoch und belastet Europa und Asien
Ölkrise im Persischen Golf: Blockierte Hormus-Route treibt Öl, Gas und Transportkosten hoch und belastet Europa und Asien

Fast zeitgleich verbreitete sich in Branchengruppen eine Aufnahme, in der ein iranischer Marineoffizier Schiffe offenbar warnt, nicht in die Straße von Hormus einzufahren. Seitdem warten mehr als 1.000 Schiffe auf die Passage, obwohl die Meerenge weder offiziell geschlossen noch physisch blockiert ist. Doch nach Angriffen auf mindestens neun Schiffe und dem Tod eines Crewmitglieds meiden viele Reeder das Gebiet. Deshalb fiel der Tankerverkehr auf ein Minimum, während Irak seine Förderung um mehr als zwei Drittel senken musste und auch in Kuwait sowie Abu Dhabi die Lager an ihre Grenzen stoßen.

Europa und Asien geraten unter Druck

Die Folgen dieser Ölkrise treffen die Regionen unterschiedlich stark. Die USA verfügen heute über mehr eigene Energie als bei früheren Schocks, weshalb das Land etwas besser gepuffert ist. Dennoch steigen dort Benzin-, Diesel- und Finanzierungskosten, weil der Weltmarkt jeden Preissprung sofort weitergibt.

Für Europa und Asien ist die Lage jedoch heikler. Durch die Straße von Hormus laufen nicht nur große Ölmengen, sondern auch Flüssiggas und Düngemittel für viele Weltregionen. Besonders kritisch ist Katar, denn das Land stoppte seine Produktion nach iranischen Drohnenangriffen auf den Gaskomplex Ras Laffan. Damit fiel auf einen Schlag etwa ein Fünftel des globalen LNG-Angebots aus. In Europa schossen die Gaspreise nach einem kalten Winter nach oben, während Asien noch aggressiver um verfügbare Ladungen bietet.


Ölkrise weitet sich auf Industrie, Landwirtschaft und Staaten aus

Die Spannungen erfassen inzwischen weit mehr als nur den Ölmarkt. Aluminium verteuerte sich stark, weil Schmelzwerke im Nahen Osten höhere Gewalt meldeten und ihre Lieferungen nicht mehr absichern konnten. Der Konzern Norsk Hydro fährt die Produktion in Katar zurück, und ein vollständiger Neustart könnte Monate dauern.

Analysten warnen deshalb vor einem historischen Versorgungsschock. JPMorgan-Analystin Natasha Kaneva sagte: „In der gesamten schriftlichen Geschichte der Meerenge wurde sie nie geschlossen, niemals.“ Bleibt die Passage weiter blockiert, könnte die Fördermenge im Golf binnen kurzer Zeit um mehr als vier Millionen Barrel pro Tag sinken. Bis Ende März wären laut Schätzungen sogar rund neun Millionen Barrel möglich. Das entspräche fast einem Zehntel der weltweiten Nachfrage, und genau deshalb verschärft sich die Ölkrise von Tag zu Tag.

Auch in Asien zeigen sich bereits konkrete Folgen. Myanmar rationiert Kraftstoff, Thailand begrenzt einzelne Exporte und die Philippinen senken den Stromverbrauch in Behörden. Indien drängt Raffinerien zu höherer Produktion von Kochgas, weil Lieferungen aus dem Nahen Osten einbrechen. Zugleich könnten dort Düngemittelhersteller ihre Produktion drosseln, was die Landwirtschaft belasten würde. Selbst wenn sich die Lage militärisch rasch entspannt, dürfte die Ölkrise noch anhalten, weil große Öl- und LNG-Anlagen nur langsam wieder hochfahren.

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