Der Ökonom Lars Feld beschreibt im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeine“ eine Industriekrise, die sich zwar langsam aufbaut, aber dann hart einschlägt. Er nennt 150.000 verlorene Stellen als Zwischenstand, und er verbindet das mit Standortkosten, Reformstau sowie dem Verbrennerverbot. Für Feld zählt dabei weniger Symbolpolitik, sondern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe (augsburger-allgemeine: 27.12.25).
150.000 als Startsignal für den Jobverlust
Feld erwartet weitere Einschnitte, weil viele Unternehmen den Abbau erst zeitversetzt sichtbar machen, und weil Transfergesellschaften die Lage kurzfristig überdecken. Aus seiner Sicht steht hinter den 150.000 nicht nur Statistik, sondern Jobverlust in realen Familien und Regionen. Der Industrieschock entsteht auch durch Standortkosten, denn hohe Produktionskosten drücken Margen und treiben Verlagerungen an.

Er richtet den Blick außerdem auf die Koalition, denn ohne klare Linie bleibt der Umbau der Sozialsysteme stecken. Feld zitiert dazu einen Kernkonflikt wörtlich: „Die SPD lehnt im Herzen notwendige Einschnitte ab“. Für ihn erklärt dieser Satz den Reformstau, und er spricht von Stillstand, wenn Entscheidungen immer wieder vertagt werden.
Kanzler Merz, die SPD und der Reformkurs
Feld kritisiert Kanzler Friedrich Merz, aber er begründet das vor allem mit Führung im eigenen Lager. Merz müsse Mehrheiten sichern, und er müsse zugleich verhindern, dass die Reformagenda im Tagesgeschäft verpufft. Feld greift dafür ein drastisches Bild auf: Merz müsse den eigenen Leuten „die Pistole auf die Brust setzen“, damit harte Maßnahmen überhaupt auf den Tisch kommen.
Bei der Regulierung wird Feld besonders deutlich, und er fordert einen Schnitt. Das Verbrennerverbot solle fallen, weil es Investitionen in Antriebe und Werke blockiere und zugleich internationale Konkurrenz stärkt. Auch das Heizungsgesetz hält er für eine Fehlsteuerung, und er warnt, dass die Industriekrise so zusätzliche 150.000 Stellen kosten kann, wenn Planungssicherheit fehlt. Viele Unternehmer lesen das Motorverbot als Signal, schneller im Ausland zu expandieren.
Energiepreise, Abgaben und Standortkosten
Feld stellt die Energiewende nicht grundsätzlich infrage, doch er kritisiert die Steuerung über Detailvorgaben. Er sagt, sie atme den „Geist der Planwirtschaft“, während ein klarer CO₂-Preis aus seiner Sicht effizienter wirkt. Gleichzeitig sinken Einkaufspreise, aber Abgaben bleiben hoch, und genau das verschärft Standortkosten für Firmen sowie Haushalte.
Er fordert zudem Reformen bei Verwaltung und Staat, weil Bürokratie Investitionen verzögert und Innovation verteuert. In seiner Logik hängt das wieder am Reformstau, denn jedes neue Formular bindet Zeit, und dadurch steigen Produktionskosten in Projekten, die eigentlich schnell laufen müssten. Der Wettbewerb wartet nicht, und die Industriekrise gewinnt so weiter Tempo.
Rente, Rüstung und die nächste Bewährungsprobe
Bei Rente und Gesundheit setzt Feld auf unpopuläre Schritte, denn er will Arbeitsanreize stärken und Fachkräfte halten. Wer früher in Rente geht, soll höhere Abschläge akzeptieren, damit Betriebe schneller Personal finden. Auch hier sieht Feld Reformstau, und er warnt, dass steigende Soziallasten die Industriekrise zusätzlich befeuern.
Als kurzfristiger Lichtpunkt gilt die Rüstungsindustrie, aber Feld bremst Erwartungen, weil Umschulungen Zeit brauchen und Know-how nicht beliebig wandert. Ein Bandarbeiter wird nicht über Nacht zum Spezialisten, und die Debatte um das Verbrennerverbot erschwert den Übergang, wenn ganze Zulieferketten gleichzeitig unter Druck geraten. Auch das Verbrennerverbot beeinflusst Investitionspläne in Zulieferbetrieben, und das bremst den Wechsel in andere Sparten. Feld fordert deshalb, öffentliche Mittel gezielt einzusetzen, und nicht als schnelle Geschenke zu verteilen.
Was jetzt zählt
Am Ende verweist Feld wieder auf die 150.000, weil diese Zahl für ihn den Kipppunkt markiert, an dem Politik und Wirtschaft handeln müssen. Er hält sinkende Produktionskosten für möglich, aber nur mit klaren Reformen, weniger Regulierung und verlässlichen Rahmenbedingungen. Sonst bleibt der Jobverlust nicht bei einem Zwischenstand, sondern setzt sich fort.
Lesen Sie auch:
- Drohende Deindustrialisierung: Deutsche Wirtschaft verliert in allen Branchen an Boden
- Kahlschlag bei ZF in Schweinfurt – bis zu 4000 Arbeitsplätze in Bayern bedroht
- Ford streicht weitere 1000 Jobs in Köln – Elektro-Flop zwingt Traditionswerk in die Krise
- 20 Prozent der Jobs im deutschen Maschinenbau in Gefahr
