In Nordrhein-Westfalen sorgt Finanzminister Marcus Optendrenk für Ärger, denn er gibt seinen elektrischen BMW i7 ab und fährt wieder Diesel. Als Grund nennt er lange Strecken und einen engen Terminkalender, weil Laden und Reichweite mit einem E-Auto im Flächenland aus seiner Sicht nicht zuverlässig genug passen. Genau das kollidiert mit der Linie vieler Politiker, die den Bürgern den Umstieg auf E-Autos nahelegen. Seit wenigen Tagen sitzt Optendrenk deshalb in einem Audi A8 L 50 TDI quattro (ntv: 14.02.26).
Finanzminister sagt offen, was viele Fahrer am E-Auto kritisieren
Optendrenk begründet den Wechsel mit Alltagserfahrung, denn in Düsseldorf funktioniere ein Elektroauto eher als auf langen Landesstrecken. Er sagte dazu zur „WAZ“: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Elektrofahrzeug im Alltagsbetrieb im politischen Düsseldorf gut funktioniert, aber bei einem engen Terminkalender und langen Fahrten durch ein Flächenland wie Nordrhein-Westfalen stoßen sie an Grenzen“. Damit bestätigt er genau die Punkte, die viele Menschen seit Jahren nennen. Reichweite, Ladezeiten und fehlende Puffer bleiben die klassischen Hürden. Ausgerechnet ein Minister macht diese Hürden nun öffentlich zur Entscheidungsgrundlage.

Der Zeitpunkt wirkt zudem nicht spontan, sondern kalkuliert, weil ein Leasingvertrag den Wechsel verzögerte. Optendrenk musste warten, bis das Leasing des BMW i7 endete, und erst danach konnte er umstellen. So entsteht der Eindruck eines Tests mit anschließendem Urteil. Für viele Bürger klingt das wie ein Beleg, dass der Umstieg im Alltag eben nicht immer funktioniert.
Doppelstandard – Druck auf Bürger, Diesel-Komfort im Kabinett
Politisch ist der Vorgang heikel, denn die Politik wirbt für Elektromobilität und schärft Regeln und Ziele nach. Gleichzeitig steigt ein Spitzenpolitiker aus, sobald die Praxis unbequem wird. Das trifft die Glaubwürdigkeit, weil Vorbildwirkung nicht optional sein kann. Wenn ein Finanzminister für sich selbst die Diesel-Lösung statt eines E-Autos wählt, dann wirkt der Appell an Pendler und Betriebe schnell wie eine Zumutung. Damit wächst die Skepsis, obwohl der Umbau des Verkehrs eigentlich Akzeptanz braucht.
Optendrenks Begründung verstärkt den Konflikt, weil sie nicht ideologisch klingt, sondern handfest. Er spricht über Termine und Strecken, also über das, was Bürger täglich erleben. Genau deshalb wirkt der Fall wie eine Bestätigung der Bedenken vieler Menschen. Und genau deshalb kann er die Debatte stärker prägen als jede Werbekampagne für E-Autos.
Audi A8 L 50 TDI quattro – Oberklasse-Diesel mit hohem Einstiegspreis
Optendrenk fährt nun einen Audi A8 L 50 TDI quattro, also eine Oberklasse-Limousine für Langstrecken. Der V6-Diesel leistet 210 kW und liefert 600 Nm, zudem schafft der Wagen 0–100 km/h in rund 5,9 Sekunden und erreicht 250 km/h (abgeregelt). Diese Daten passen zu einem Fahrzeug, das auf Reichweite und schnelle Verfügbarkeit ausgelegt ist. Gleichzeitig liegt der WLTP-Verbrauch je nach Ausführung grob um 7,0 bis 7,7 Liter pro 100 km, weshalb die Effizienz im Vergleich zu kleineren Modellen klar abfällt.
Beim Preis beginnt das Paket bereits teuer, denn der ADAC nennt für den A8 50 TDI quattro einen Grundpreis von rund 99.900 Euro. In einem Ministerwagen dürfte es jedoch kaum bei der Basis bleiben, sondern es ist sehr wahrscheinlich, dass teure Sonderausstattung verbaut ist. Assistenz- und Komfortpakete treiben den Fahrzeugwert schnell deutlich nach oben. Dadurch wirkt der Umstieg zusätzlich wie ein Komfortsignal, obwohl die Politik gleichzeitig Verzicht und Umstellung von anderen verlangt.
Akzeptanzproblem beim E-Auto – wenn oben ausgestiegen wird, kippt unten die Bereitschaft
Der Umbau zur Elektromobilität braucht Vertrauen, doch solche Entscheidungen schwächen dieses Vertrauen. Bürger hören politische Ansagen, während sie gleichzeitig sehen, dass Spitzenpolitiker pragmatisch ausweichen. Optendrenk liefert eine Begründung, die viele nachvollziehen und damit wird sie politisch gefährlich. Denn sie zeigt, dass selbst mit Dienstwagen-Budget und Planungsapparat die Grenzen des Systems spürbar bleiben.
Die Konsequenz liegt auf der Hand, weil Akzeptanz nicht per Verordnung entsteht. Erst wenn Infrastruktur, Ladeoptionen und Zeitfenster zusammenpassen, wirkt der Umstieg realistisch. Solange Minister selbst aussteigen, bleibt der Eindruck eines Doppelstandards bestehen. Solange dieser Eindruck bleibt, wird die Skepsis gegenüber dem E-Auto politisch weiter wachsen.
Lesen Sie auch:
- Zu geringe Reichweite im Winter – Hamburgs erster Bürgermeister gibt Elektroauto zurück
- Reichweitenproblem seines E-Autos zwingt Hamburgs Bürgermeister zur Bahn
- Politiker halten bei ihren Dienstwagen EU-Grenzwerte nicht ein
- Politiker scheitern im Klima-Check – DUH deckt auf, wie umweltschädlich ihre Dienstwagen sind
